Ensemble der Theater-Werkstatt der Hochschule Bremen spielt in der Schwankhalle

Alleine gegen die Wand

Neustadt. Wenn 15 Menschen in einem Theaterstück versuchen, eine einzige Rolle zu interpretieren, hängt vieles von dem exakten Timing ab – diese Erfahrung machten 15 Studierende der Hochschule Bremen, die sich seit Oktober vergangenen Jahres mit der Aufführung der Roman-Adaption „Die Wand“ von Marlen Haushofer beschäftigen. Premiere ist am Mittwoch, 18.
12.05.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Markwort

Wenn 15 Menschen in einem Theaterstück versuchen, eine einzige Rolle zu interpretieren, hängt vieles von dem exakten Timing ab – diese Erfahrung machten 15 Studierende der Hochschule Bremen, die sich seit Oktober vergangenen Jahres mit der Aufführung der Roman-Adaption „Die Wand“ von Marlen Haushofer beschäftigen. Premiere ist am Mittwoch, 18. Mai, um 20 Uhr in der Schwankhalle.

Inspiriert von Haushofers Roman begibt sich die Theaterwerkstatt der Hochschule Bremen (HSB) unter Leitung von Roland Huhs aus dem Steintorviertel auf eine theatrale Spurensuche nach der Bedrohung und der Sehnsucht, alleine zu sein: Eine junge Frau fährt mit einigen Freunden für ein Wochenende auf eine Berghütte. Als am Abend alle zum Einkaufen ins Dorf gehen, bleibt sie in der Hütte. Erst am nächsten Morgen bemerkt sie, dass ihre Freunde nicht von dem Ausflug zurückgekehrt sind. Die Protagonistin bricht ins Dorf auf, erreicht das aber nie, da ihr der Weg auf verstörende Weise von einer unsichtbaren Wand versperrt wird. Kurz vor Semesterende steigt sie aus – aus der Vorlesung und aus dem Leben.

Geballte Emotionen

Seit 1990 leitet Roland Huhs, Absolvent der Hochschule Bremen und ausgebildeter Coach, das Ensemble. Er war unter anderem für das freie Theater „bizarr” tätig, das seine Aufführungen in den vergangenen Jahren in Kooperation mit dem Kulturzentrum Schlachthof durchgeführt hat.

Gemeinsam mit der freischaffenden Choreografin Adriana Könemann aus dem Viertel inszeniert er das Stück „Die Wand“, das eigentlich nur für eine Person geschrieben wurde. „Das war auch die große Herausforderung für das Ensemble“, berichtet Huhs während einer Probe. „Wie gelingt es uns, die vielen Emotionen der Protagonistin gleichermaßen auf die Schultern aller Darstellerinnen zu verteilen?“

Huhs war mehr als zwei Jahre am Jungen Theater Bremen und am Bremer Theater im Bereich Schauspiel und Regie tätig. 1996 inszenierte er für das Theater Altstadt Münden „Orpheus in der Unterwelt”. Die beiden Inszenierungen „Romeo und Julia” (1998) sowie „Herr der Fliegen” (1999) wurden gar zum internationalen Jugendtheater-Festival „Explosive” eingeladen. 2004/2005 war Huhs als Spielleiter des Musicals „Kismet“ am Bremer Kippenberg-Gymnasium tätig, wo er 2007 erneut die Operette „Orpheus in der Unterwelt“ inszeniert hat.

Eine weitere Schwierigkeit in der Inszenierung des aktuellen Stücks war das Alter: Während es sich bei der Hauptdarstellerin des Romans um eine etwa 45-jährige Frau handelt, die in eine Depression verfällt, wird die Rolle nun von Darstellerinnen gespielt, die erst Mitte 20 und voller Lebensfreude sind. „Das Schwierige war der ständige Rollenwechsel, seinen Charakter von optimistisch in depressiv zu verwandeln“, gesteht die 26-jährige Mara Roß aus der Neustadt.

Für die 28-jährige Isabell Hansch aus Findorff gestaltete sich dieser stete Wechsel der Emotionen dagegen etwas einfacher. „Ich spiele bereits seit meiner Kindheit gerne Theater“, erklärt die angehende Grundschullehrerin. „Und ich liebe es, in andere Rollen hineinzuschlüpfen.“

Seit Gründung der Theater-Werkstatt der HSB anno 1999 verfolgt Roland Huhs eine Intention: „Wir wollen unseren Studierenden neben dem vielen Fachwissen auch den Spaß am Studium vermitteln“, verdeutlicht Regisseur Huhs. Durch verschiedene „Teambuilding“-Maßnahmen – unter anderem ein Probenwochenende in der Nähe von Dörverden – sei das Ensemble „zu einer eingeschweißten Truppe“ geworden, bei der sich alle gegenseitig unterstützen.

Zu seiner großen Freude hat Huhs festgestellt, „dass viele Studierende durch die Teilnahme an dieser Werkstatt auch die Liebe zum Theater entdeckt haben und sogar lange nach Abschluss ihres Studiums auf der Bühne stehen“. Das sei für ihn ein Indiz dafür, „dass wir so viel ja nicht falsch gemacht haben können“.

Für die 20-jährige Pauline Warneboldt aus dem Steintor ist die Teilnahme an dem Theaterstück ihre ganz eigene Premiere. Sie habe zwar in der Schule bereits erste Schritte darauf getan, „aber dieses Gefühl der Orientierungslosigkeit genau abzubilden, verlangt eine ganz andere Dynamik“, konstatiert die junge Frau. Viele Menschen – besonders im Übergang von der Schule zum Studium – seien überfordert, weil ihnen eine helfende Hand fehle, die ihnen zeige, wohin sie ihr weg führen könnte.

„Das Stück zeigt dem einen oder der anderen eventuell diesen Weg auf“, hofft Regisseur Roland Huhs auf einen nachhaltigen Eindruck, der einen Impuls bei den Beteiligten, aber auch bei den Zuschauerinnen und Zuschauern auslösen könnte.

Das Stück „Die Wand“ von der Theater-Werkstatt der HSB feiert am Mittwoch, 18. Mai, um 20 Uhr Premiere in der Schwankhalle, Buntentorsteinweg 112. Weitere Aufführungen sind am 19., 20., 21. und 22. Mai, jeweils 20 Uhr. Karten sind für 14, ermäßigt neuen Euro unter Telefonnummer 59 05 30 94 zu bekommen. Mehr Infos sind im Internet auf der Seite www.schwankhalle.de zu finden.

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