Alleinerziehende aus Nigeria und Ghana

„Die Frauen sind Opfer, die zu Täterinnen gemacht wurden“

Es gibt auffallend viele alleinerziehende Frauen aus Nigeria und Ghana in Bremen, sagt die FDP. Die Innenpolitikerin Brigit Bergmann beklagt im Interview, dass in dieser Sache nichts passiere.
28.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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„Die Frauen sind Opfer, die zu Täterinnen gemacht wurden“
Von Ralf Michel
„Die Frauen sind Opfer, die zu Täterinnen gemacht wurden“

Brigit Bergmann ist überzeugt, dass es nicht die Frauen sind, die aktiv eine kriminelle Lebenslaufbahn einschlagen.

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Frau Bergmann, Sie sprechen in ihrer Anfrage zu den alleinerziehenden Frauen aus Ghana und Nigeria in Bremen sowohl soziale Aspekte an als auch mögliche kriminelle Verstrickungen wie Scheinvaterschaften oder Sozialleistungsbetrug. Sehen Sie die Frauen als Täterinnen oder als Opfer?

Birgit Bergmann: Für mich sind diese Frauen Opfer, die zu Täterinnen gemacht wurden. Mir liegen beide Aspekte am Herzen. Primär geht es jetzt aber erstmal um die Frauen, die ja möglicherweise noch in Abhängigkeitsstrukturen sind, und um die Kinder. Über die Kinder wissen wir praktisch nichts. Wie es mit deren Integration steht, im Bildungsbereich, aber auch schon, wie es bei ihnen zu Hause läuft. Dafür, dass es so viele dieser Kinder in Bremen gibt und das auch schon so lange Zeit, wissen wir viel zu wenig. Da ist einfach nicht draufgeschaut worden.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Möglicherweise auch an dem zweiten Aspekt, den Sie eingangs angesprochen haben. Weil da die Gefahr bestünde, dass man diese Frauen kriminalisiert. Wobei beim zweiten Draufschauen eigentlich deutlich werden muss, dass es nicht sie sind, die da von sich aus eine aktiv kriminelle Lebenslaufbahn eingegangen sind. Dahinter stehen ja andere Mechanismen. Das im Kontext zu sehen, ist wichtig.

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Sehen Sie Versäumnisse der Bremer Behörden? Das Thema ist ja nicht eben neu.

Schon bei unserer Anfrage aus dem vergangenen Jahr sind Stimmen aus dem Jobcenter zu vernehmen gewesen, dass man Erkenntnisse hat. Und ich bin sicher, dass diese Informationen weitergegeben wurden. Aber irgendwie ist da dann nichts mehr passiert. Da wird immer nur gefragt: Bin ich inhaltlich und örtlich zuständig? Und wenn nicht – weg damit. Und dieses scheuklappenartige Denken ist natürlich viel zu wenig. Vor allem, wenn man merkt, dass es immer mehr Fälle gibt. Daraus ergeben sich dann ja auch weitere Herausforderungen im Bereich Bildung, Soziales und Inneres. Da muss ich dann auch mal über den behördlichen Tellerrand gucken und ressortübergreifend Informationen austauschen, damit man in der Sache weiterkommt.

Sehen Sie konkrete Ansatzpunkte für Lösungen? Was sollte sofort geschehen?

Das Allererste wäre die Sensibilisierung und Qualifizierung der Personen, die mit diesem Personenkreis zu tun haben. Außerdem wäre es wichtig, dass die involvierten Mitarbeiter des Jobcenters Rollenklarheit kriegen. Welche Rolle spielen sie in der Gesamtherausforderung, damit Integration gelingt?

Und bei den kriminellen Aspekten?

Dass man endlich hinschaut. Denn sonst bleibt stehen, dass diese Frauen nur als Täterinnen gesehen werden. Zu diesem Thema gehört aber auch die Organisierte Kriminalität. Deshalb braucht man Konzepte, wie man dagegen vorgeht.

Das Gespräch führte Ralf Michel.

Info

Zur Person

Birgit Bergmann

ist seit 2015 Bürgerschaftsabgeordnete, zunächst für die CDU, seit 2018 für die FDP. Innerhalb der Fraktion ist sie für die Bereich Inneres, Kinder und Bildung zuständig. Die 57-Jährige ist zudem als Unternehmensberaterin tätig.

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