Joseph Lövenich bietet im Bürgerhaus Mahndorf Kurse unter dem Motto „Schach für Oma und Opa“ an Alles andere als matt

Zwei Schach-Kurse haben die Seniorinnen und Senioren unter dem Motto „Schach für Oma und Opa“ jetzt im Bürgerhaus Mahndorf absolviert. Das hält den Geist fit, sagt ihr Lehrer Joseph Lövenich. Die Gruppe will sich auch ohne ihn weiterhin treffen. Ein neuer Anfängerkurs beginnt im Herbst.
11.05.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mahlstedt

Zwei Schach-Kurse haben die Seniorinnen und Senioren unter dem Motto „Schach für Oma und Opa“ jetzt im Bürgerhaus Mahndorf absolviert. Das hält den Geist fit, sagt ihr Lehrer Joseph Lövenich. Die Gruppe will sich auch ohne ihn weiterhin treffen. Ein neuer Anfängerkurs beginnt im Herbst.

„Schon hat er mich“, sagt Ursula Vollborn. „Jetzt musst du die Dame wieder ziehen, sonst wird sie geköpft“, sagt ihr Mann Peter. Normalerweise mischt er sich nicht ein, wenn seine Frau gegen jemand anderen Schach spielt. Aber gerade hat er selbst keinen Gegner. Noch ein paar Züge – und es ist vorbei. Ursula Vollborn ist schachmatt. Immerhin hat sie gegen den, wie sie selbst sagt, besten Spieler des Schach-Kurses für Seniorinnen und Senioren im Bürgerhaus Mahndorf verloren: Dieter Grüneberg.

Meist ist es ganz still, wenn die Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen sich vor den Schachbrettern gegenüber sitzen. Nur manchmal ruft jemand plötzlich: „Oh nein!“ Wer kurz nicht aufpasst, ist schnell geschlagen. „Das Schöne am Schach ist, dass sich immer wieder neue Situationen ergeben“, sagt Ursula Vollborn. „Wenn du denkst, du hast gewonnen, kann noch viel passieren.“ Wichtig sei, dass alle die Regeln beherrschen, sagt ihr Mann Peter. Dann gibt es keine Streitereien.

Seit Ende 2012 unterrichtet Joseph Lövenich im Bürgerhaus Mahndorf Seniorinnen und Senioren unter dem Motto „Schach für Oma und Opa“. Die Gruppe, die er jetzt entlässt, hat zwei Kurse hinter sich. Bis auf Karin Dörre (62) und Manfred Block (81) sind alle in den 70ern. Ihr „Bauerndiplom“ haben sie schon längst gemacht. Anfang Mai stand auch die Prüfung zum „Springerdiplom“ an. Bestanden haben alle. Das hat Joseph Lövenich schon verraten. Ihre Urkunden bekommen die Senioren aus Mahndorf und umzu aber erst am 20. Mai.

In der untersten Klasse der Bremer Stadtliga könnten sie mit ihrem Wissensstand durchaus spielen, lobt Joseph Lövenich. Wenn sie wollen, können sie auch ihr „Läuferdiplom“ und ihr „Turmdiplom“ noch machen. Die Übungen dafür haben sie schon durchgesprochen. „Aber jetzt geht es um Eigeninitiative“, sagt Gerda Böhlcke, die zusammen mit ihrem Mann Horst Schach spielt. Die Gruppe wolle sich wie gewohnt – aber ohne Lehrer – dienstags im Bürgerhaus treffen und Schach spielen. Wer eine weitere Prüfung machen wolle, könne Joseph Lövenich anrufen.

Fünf Minuten haben sie in der Prüfung pro Aufgabe Zeit. Eine Aufgabe besteht darin, eine oder mehr Fragen zu einer bestimmten Situation auf einem Schachbrett zu beantworten. Auf welche Felder darf der weiße Turm ziehen? Mit welchem Zug kann Weiß matt setzen? Wie kann Schwarz den Turm gegen die Dame tauschen?

Dank eines Aushanges im Bürgerhaus sind Ursula Vollborn und ihr Mann Peter auf die Schachschule für Senioren aufmerksam geworden. Beide singen auch im Shanty-Chor, der sich zu den Proben im Bürgerhaus trifft. Als sie anlässlich ihrer goldenen Hochzeit auf Kreuzfahrt in der Karibik waren, haben sie sich ihre Schach-Hausaufgaben einfach mitgenommen.

„Andere legen sich an Deck und sonnen sich, und wir haben dabei Schach gespielt“, erzählt Peter Vollborn. „Beim Schach muss man sich konzentrieren“, sagt er. „Man kann die Alltagsprobleme vollkommen ausblenden.“ Bevor sie mit der Schachschule im Bürgerhaus Mahndorf angefangen haben, haben er und seine Frau nie richtig Schach gespielt. Aber ihr zwölfjähriger Enkel spielt in der Schule Schach.

Auch einige andere Mitglieder der Gruppe haben schon versucht, mit ihren Enkeln Schach zu spielen. Sogar ihr vierjähriger Enkel habe schon alle Figuren gelernt, erzählt Dagmar Tabesch. Dann hätte er keine Lust mehr gehabt und angefangen, mit den Figuren Türme zu bauen. „Gerade ältere Enkel haben auch wegen der Ganztagsschule wenig Zeit“, sagt Gerold Böök. „Im Grunde machen wie das für uns“, sagt Gerda Böhlcke, „um dem Verkalken entgegen zu wirken.“

„Es gibt nichts Besseres, um im Alter aktiv zu sein. Schach fördert die geistige Kreativität“, sagt Joseph Lövenich, der selbst seit mehr als 60 Jahren Schach spielt. „Wer im Ruhestand nur noch die Fernbedienung bedient, wird alt.“ Und er sagt auch: „Ich würde Schach als Pflichtfach in der Schule einführen.“ Tatsächlich hat er auch in Schulen schon Schachkurse gegeben. Ewald Wellmann, Lövenichs Kollege aus dem Verein Schachfreunde Bremer Osten, war gerade mit Schülern der Grundschule Mahndorf bei der Deutschen Schulschachmeisterschaft in Thüringen.

Wer mehr über den Schach-Anfängerkurs für Seniorinnen und Senioren wissen möchte, der im Herbst im Bürgerhaus Mahndorf beginnen soll, kann Joseph Lövenich unter Telefon 480276 anrufen. Ein paar Interessenten gibt es laut Lövenich schon. Mindestens acht Teilnehmer müssen zusammenkommen, damit der Kurs stattfindet, höchstens sollten es zwölf sein, sagt Lövenich.

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