Silke Hadler verkauft ihre Solinosterne und Engel auf dem Kunst- und Handwerkermarkt in Grolland

Alles aus Papier

„Es fasziniert mich, was man alles aus einem Stück Papier machen kann.“ Hobbykünstlerin Silke Hadler Grolland.
03.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von JOSCHKA SCHMITT
Alles aus Papier

Das ganze Jahr über arbeitet Silke Hadler an ihren Solinosternen und Engeln aus Papier für die Weihnachtsausstellungen. Am Wochenende ist sie mit ihrem Stand auf dem Kunst- und Handwerkermarkt auf Borchelts Hof vertreten.

Petra Stubbe

Weihnachtszeit ist die Zeit der schönen Dinge. Besonders beliebt sind an den Adventswochenenden Kunsthandwerkermärkte. Traditionsreich und bekannt ist der Kunst- und Handwerkermarkt auf Borchelts Kulturhof in Grolland. Schon über zehn Mal hat er stattgefunden und erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit.

In der urigen Scheune wird viel Wert darauf gelegt, dass ausnahmslos selbst gefertigte und auf keinen Fall zugekaufte Produkte angeboten werden. „Es gibt eine tolles und breit gefächertes Angebot. Die Auswahl der Anbieter wechselt jährlich, damit es auch für Stammgäste nie langweilig wird“, sagt Silke Hadler. Die Erzieherin und Hobbykünstlerin aus Horn hat das Glück, bereits zum dritten Mal dabei sein zu können. Zu entdecken gibt es Hölzernes, Genähtes, Gestricktes, Gefilztes, Gemaltes, Gegossenes, Essbares und vieles, vieles mehr von mehr als 20 Händlern aus Bremen und dem Umland.

Silke Hadler bietet gemeinsam mit ihrer Mutter Papierprodukte an. Ihre Spezialität sind sogenannte Solinosterne, filigran gefaltet und geschnitten. Sterne begeistern sie seit eh und je. „Auf einem Kunsthandwerkermarkt bin ich damit in Berührung gekommen und wollte es unbedingt selbst ausprobieren“, sagt sie. Nach einer ersten Ernüchterung wagte sie einen zweiten Anlauf und war infiziert. „Es fasziniert und freut mich, was man alles aus einem Stück Papier machen kann“, sagt Silke Hadler.

Wenn sie von Papier spricht, ist kein schnödes weißes gemeint, sondern nur allererste Wahl. Zu ihren Favoriten zählt italienisches Geschenkpapier. „Bei einem Besuch in Florenz haben meine Mutter und ich diese hochwertigen Muster in einer Kirche entdeckt“, sagt sie und ist sicher, derartige Qualität in Deutschland kaum bekommen zu können. Denn normales Geschenkpapier ist zu dünn für die aufwendigen Falttechniken. „Wo andere Sightseeing machen, halten wir bei Städtetrips immer Ausschau nach dem richtigen Material“, sagt sie und lacht. Im Internet mag Silke Hadler ihr Arbeitsgerät nicht bestellen, denn die Haptik ist bei der Auswahl sehr wichtig. Inzwischen hat sie mit Papier aus Florenz, Hamburg, Hannover, Düsseldorf, Dortmund, Dresden, Krefeld, Minden, Oldenburg und Bremen gearbeitet. Die Solinosterne kommen im Fenster besonders ansprechend zur Geltung, ohne dabei kitschig zu wirken. Kleinere Varianten machen sich jedoch auch gut am Tannenbaum.

Ebenso wie die Engel, die Silke Hadler fertigt. Dafür hat sie sich wiederum ein besonderes Material einfallen lassen: ausgediente Gesangsbücher. „Das ist meine Art von Recycling“, sagt sie und leugnet augenzwinkernd Bücher aus der Kirche mitgehen zu lassen. „Nein, die spendiert der Küster!“ Die Handarbeit ist für die Erzieherin ein wichtiger Ausgleich zum stressigen Job im Kindergarten. „Selbst etwas zu produzieren, dabei ganz genau zu arbeiten, immer neue Ideen zu entwickeln und als Eigenkreation umzusetzen, das reizt mich besonders“, beschreibt sie ihre Faszination. Dabei arbeitet sie auch gerne direkt am Stand, um zu zeigen, dass alles in Handarbeit und nicht als Massenware entsteht. Und um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen. „Viele sagen, die Engel wären ja nur eine schlichte Hexentreppe. Aber es steckt mehr dahinter, allein schon die akkurat geritzten Knickstellen“, sagt Silke Hadler. An einem Stern sitzt sie schon mal mehrere Stunden. Wenn sie nicht Hühner und Hähne fürs Frühjahr herstellt, bereitet sie sich fast das ganze Jahr über auf die Weihnachtszeit vor. Dabei ergänzen sie und ihre Mutter sich gut, denn für die große Variante sind vier Hände nötig. Man sieht es den Kreationen nicht an, aber teilweise stecken bis zu 75 Zentimeter Papier dahinter. „Männer sind oft von der Arbeitstechnik fasziniert, Frauen meist vom Aussehen der Sterne“, hat Silke Hadler festgestellt. Ihr Publikum ist sehr gemischt und auch junge Leute können sich für ihre Arbeiten begeistern. Nicht selten kommt es vor, dass ein Enkel seinem Opa einen Stern kauft oder umgekehrt. „Kunsthandwerk kann man unterschiedlich verstehen, aber es begeistert immer, wenn ordentlich, sauber und individuell gearbeitet wird“, so die Hobbykünstlerin. Liebevoll arbeitet auch das Helferteam um Ulrike Theysen. Aufwendig wird alle Jahre wieder die Gutsscheune geschmückt und all die Winkel und Nischen werden mit Kerzen in weihnachtliches Licht getaucht. Für die Händler gibt es schon beim Aufbau Kaffee und später für die Gäste selbst gebackenen Kuchen gegen Spende. „Toll, wie das Hand in Hand geht. Es ist warm und behaglich, die Stimmung unter den Standnachbarn ist super und die Organisatoren halten jeglichen Stress von uns fern“, schwärmt Silke Hadler. Zudem geht der Überschuss aus den Standgebühren an einen guten Zweck im Stadtteil, der Eintritt für Besucher ist frei.

Kunst- und Handwerkermarkt: Sonnabend, 5. Dezember, 14 bis 18 Uhr, und Sonntag, 6. Dezember, 11 bis 17 Uhr, auf Borchelts Kulturhof, Grollander Straße 33.

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