Verkauf von gebrauchten und historischen Teilen / Morgen wird eine Ausstellung in der Überseestadt eröffnet

Alles für die Tür gibt es in der Bauteilbörse

"Haustüren sind wie ein Händedruck. Man weiß bei der ersten Begegnung, mit wem man es zu tun hat und was einen erwartet", sagt der bayerische Autor Dieter Wieland. Den passenden Händedruck können auch Bremer Hausbauer und Sanierer ihrem Zuhause verpassen. Die Bauteilbörse in der Bremer Überseestadt bietet eine große Auswahl an historischen Türen, um Häusern einen authentischen oder auch besonderen Anstrich zu verpassen.
27.09.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Hasemann
Alles für die Tür gibt es in der Bauteilbörse

Auch dieses ungewöhnliche "Schätzchen" finden Interessenten in der Waller Bauteilbörse an der Getreidestraße.

"Haustüren sind wie ein Händedruck. Man weiß bei der ersten Begegnung, mit wem man es zu tun hat und was einen erwartet", sagt der bayerische Autor Dieter Wieland. Den passenden Händedruck können auch Bremer Hausbauer und Sanierer ihrem Zuhause verpassen. Die Bauteilbörse in der Bremer Überseestadt bietet eine große Auswahl an historischen Türen, um Häusern einen authentischen oder auch besonderen Anstrich zu verpassen.

Walle. In dem Lager in der Getreidestraße gibt es neben allem für die Tür, wie zum Beispiel Bekleidungen, Blätter, Zargen, Drücker und Hänger aber auch ein Reihe anderer historischer und gebrauchter Bauteile. Neben alten Fenstern finden sich in der Halle Waschbecken, Kloschüsseln und Lampen, sogar ganze Treppen. "Unsere Türen sind aber unser Hauptgeschäft", sagt Andrea Weiß, Mitarbeiterin der Bauteilbörse aus Peterswerder. "Mit dem Erwerb einer solchen Tür kann man einem Bremer Haus wieder ein Gesicht geben", ist sich die Architektin sicher. Begeistert zeigt sie sich von der Qualität der meist alten Türen. "Handwerklich sind diese Türen großartig, die werden auch weitere 100 Jahre existieren können", ist sich Andrea Weiß sicher. Durch ihre Bauweise besäßen diese Türen vor allem den großen Vorteil, dass sie in der Größe anpassbar sind.

Daneben ist es aber auch das Baumaterial, das das Besondere ausmache. "Viele der Fenster zum Beispiel sind aus sogenanntem Pitchpine (Pechkiefer) gefertigt", sagt Andrea Weiß. Dieses sehr harzreiche und dadurch sehr haltbare Holz wurde insbesondere zur Gründerzeit verbaut und ist heute sehr selten und sehr teuer.

Die Bauteile, die in der Bauteilbörse angeboten werden, stammen insbesondere aus Bremen und dem Bremer Umland. "Wir bergen und bauen selber aus, wir können die Zargen und die Türbekleidungen fachgerecht ausbauen", sagt Andrea Weiß. Nach dem Ausbau werden die Teile gesäubert, kleinere Reparaturen vorgenommen und schließlich fotografiert und für das Internet katalogisiert, damit die potenziellen Kunden sich schon zu Hause einen Überblick verschaffen können, ob eine passende Tür derzeit im Lager ist.

Die Beschaffung der Bauteile ist dabei nicht immer einfach. "Wir müssen immer wieder neue Leute erreichen", sagt Andrea Weiß, "wir müssen die Menschen erreichen, die gerade bauen oder sanieren und alte Sachen loswerden wollen." Nur zu einem sehr geringen Teil würden Teile eingekauft. Die Anbieter sparen sich durch die Arbeit der Bauteilbörse aber den Ausbau, den Transport und die Entsorgung auf der Deponie. "Zu uns kommen Menschen, die gerade ihr Haus sanieren, aber die es einfach zu schade finden, die Sachen wegzuwerfen", weiß Andrea Weiß aus Erfahrung.

Für den Käufer bietet sich der Vorteil, ein passendes historisches Bauteil kaufen zu können und dies vergleichsweise günstig. "Zu uns kommen Kunden, die günstige Türen und Fenster suchen, aber auch reiche Menschen, die eine stil- und originalgetreue Sanierung wollen", sagt Andrea Weiß. Selbst für eher ausgefallenere Designs gibt es Platz und auch Käufer. "Wir hatten einen Kunden, der insgesamt 700 Kilometer gefahren ist, um ein curryfarbenes Waschbecken zu kaufen, das farblich in sein Bad passte", schmunzelt Andrea Weiß.

Daneben gibt es aber auch einen weiteren Grund, gebrauchte Bauteile zu kaufen. "Die Herstellung von Bauteilen benötigt sehr viel Energie und erzeugt CO2", sagt Andrea Weiß, "durch die Wiederverwenden von Teilen wollen wir diese Energie erhalten." Gleichzeitig soll durch die Arbeit der Bauteilbörse regional typische Handwerkskunst erhalten bleiben und ein Beitrag geleistet werden, Müll zu reduzieren. Karin Strohmeier aus der Neustadt, die vor zehn Jahren die Idee zu der Bremer Bauteilbörse hatte: "Vor zehn Jahren haben die Leute noch mit dem Kopf geschüttelt über unsere Idee, jetzt hat sich der Zeitgeist aber gewandelt, und es ist normal, gebrauchte Dinge zu kaufen." In der Schweiz und in den Niederlanden seien Bauteilbörsen schon seit Jahren bekannt und verbreitet. In den Niederlanden ist es sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass alte Bauteile wiederverwendet werden müssen.

Dass aus Altem Neues entstehen kann, soll eine Ausstellung in der Bauteilbörse Ende September zeigen. "Wir wollen zeigen, dass aus einem alten Fenster beispielsweise ein Tisch werden kann", sagt Andrea Weiß. Aus einem Korpus und einem alten Fenster entsteht so eine Vitrine im Vintage-Stil.

Karin Strohmeier arbeitet derzeit an einem Tisch. "Aus einer alten Tür und alten Treppenstaketen wird mit einer Glasplatte obendrauf und Schubladen unten drunter etwas ganz Neues", sagt Karin Strohmeier. "Wir wollen mit der Ausstellung auch darauf aufmerksam machen, was für handwerkliche Qualität in diesen alten Dingen steckt, und ein Netzwerk von Handwerkern und Künstlern aufbauen, die mit alten Dingen neue schaffen." Neben Arbeiten aus der Bauteilbörse werden auch andere Aussteller ihre recycelten Stücke präsentieren.

Eröffnet wird die Ausstellung bei Kaffee und Kuchen morgen, 28. September, um 14 Uhr in der Bauteilbörse in Walle, Getreidestraße 16/18. Weitere Informationen sind auf folgender Internetseite zu finden: www.bauteilboersebremen.de.

Alles für die Tür gibt es in der Bauteilbörse

Verkauf von gebrauchten und historischen Teilen / Morgen wird eine Ausstellung in der Überseestadt eröffnet

Zitat:

"Wir müssen die Menschen erreichen, die gerade bauen oder sanieren und alte

Sachen loswerden wollen."

Andrea Weiß, Bauteilbörse

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