Wie Zehn- bis Zwölfjährige an der Kinder-Uni mehr über Naturwissenschaften erfahren

Alles über Laserstrahlen

„Die Kinder wollen eben was erleben.“ Gisela Gründl, Universität Bremen Horn-Lehe.
04.05.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von CHRISTIANE MESTER

„Aus was besteht ein Laserstrahl überhaupt?“, möchte einer der acht Nachwuchswissenschaftler gleich zu Beginn des Laser-Workshops wissen. „Ganz einfach gesagt, entsteht der Strahl durch die scharfe Bündelung von Licht. So werden hohe Dichten erreicht, mit denen wir dann unterschiedliche Materialien bearbeiten können“, erklärt Universitätsmitarbeiter Jens von Beren, der im Rahmen der Kinder-Uni einer Gruppe Zehn- bis Zwölfjähriger erklärt, wie Laser funktionieren.

Im Bereich des Bremer Instituts für angewandte Strahltechnik (BIAS) auf dem Campus der Universität zeigt von Beren den Mädchen und Jungen, was bei der Arbeit mit industriellen Hochleistungslasern zu beachten ist und veranstaltet mit ihnen Mess-Experimente. Doch zunächst gibt es für die Kinder eine Sicherheitsschulung.

Dann geht es endlich los in die Laserhalle: Vorbei an der Außenwand eines Flugzeugs, die an einer Wand befestigt ist, gelangt die Gruppe in den besonders gesicherten Bereich. Die Anlagen sind hier auf verschiedene Räume verteilt. „Zu jedem Laser gehört eine Arbeitsstation“, erklärt von Beren den Kindern auf dem Flur vor dem Bedienpult, von wo aus die zentrale Steuerung erfolgt. „Hier werden die Laser-Parameter eingestellt und über die Monitore hat man alle Mitarbeiter im Blick“, berichtet er. Einen Hochleistungslaser, mit dem in der Industrie kleinste Metallteile bearbeitet werden, könne ein Mitarbeiter nicht einfach nach Belieben nutzen. „Der Strahl muss erst angefordert und dann vom Bedienpult aus freigegeben werden. Im Falle eines Unfalls kann die Anlage von hier aus auch abgeschaltet werden“, sagt von Beren.

Die elfjährige Finja hört aufmerksam zu, aber ihr persönlicher Höhepunkt der Kinder-Uni „war ganz klar die Physik-Show“, die sie bereits am Vortag besucht habe. „Da haben mir die ganzen Effekte so gut gefallen“, berichtet sie. Wo es zischt und knallt, ist der Erlebnisfaktor höher, als in einer Halle, in der es gerade weit und breit keinen Wissenschaftler bei der Arbeit zu beobachten gibt.

Die Angebote der Physiker seien bei den Kindern am beliebtesten, bestätigt Gisela Gründl, die Organisatorin des Kinderprogramms von der Akademie für Weiterbildung der Universität Bremen: „Die Physik-Show ist immer ausverkauft und wir gucken uns schon bei der Planung die Themen aus, von denen wir wissen, dass sie laufen. Die Kinder wollen eben was erleben“. erklärt Gründl. Sozial- und geisteswissenschaftliche Inhalte stehen nicht auf dem Programm. „Wir hatten zwar schon mal Philosophie, Archäologie und Geschichte dabei, aber da war die Resonanz sehr gering“, erinnert sich die Organisatorin.

Die Bewerberzahlen der Universität Bremen offenbaren, dass die Interessen der Studierenden anders gelagert sind. „Psychologie ist am gefragtesten“, sagt Gisela Gründl. Die Sozial- und Geisteswissenschaften führten die Beliebtheitsskala fortwährend an. Der Fachbereich Mathematik hingegen verlängert die Einschreibfrist regelmäßig, um Nachzügler anzulocken. „Das zu ändern, ist das Ziel der Kinder-Uni“, sagt die Organisatorin. „Und die Naturwissenschaftler engagieren sich sehr, um den Nachwuchs bereits in jungen Jahren an ihr Gebiet heranzuführen.“

Dass in diesem Bereich Studienplätze frei bleiben, liegt jedoch auch an der Zuteilung der Kapazitäten. Der Blick auf die Studierendenzahlen der Universität Bremen offenbart, dass es in den Natur- und Ingenieurwissenschaften mit 7000 Studierenden die meisten Plätze gibt, während es in den Geisteswissenschaften 5800 und in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zusammengenommen nur 5250 sind.

Für welches Fach sich die elfjährige Workshop-Teilnehmerin Finja später einmal entscheiden werde, wisse sie noch nicht. Am BIAS geht es für sie und die anderen nun erst einmal weiter in den Raum mit den Messgeräten. „Beim Lasern entsteht Hitze, da ist die stetige Temperaturkontrolle wichtig“, erklärt von Beren. Je nachdem, wie die Ausgangsvoraussetzungen seien, würden andere Messverfahren benötigt. Ein Experiment mit einer heißen Kaffeetasse zeigt, dass die Wärmebildkamera die Temperatur zwar sehr genau misst und die unterschiedlichen Wärmezonen darstellt. Sie muss sich jedoch nahe am Objekt befinden, während der Pyrometer – der einem Handscanner an der Supermarktkasse zum Verwechseln ähnlich sieht – sich besonders gut eignet, wenn ein Sicherheitsabstand eingehalten wird. Der Wissenschaftler wählt sein Instrument also abhängig von der Situation, die er vorfindet.

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