Student Timo Eylers in Ostafrika

Als Englischlehrer in Tansania

Herzliche Menschen, exotische Tiere und eine Stippvisite bei den Massai: Angenehme Erinnerungen verbindet der gebürtige Neuenkirchener Timo Eylers mit seinem sechswöchigen Praktikum als Englischlehrer in Tansania.
09.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexander Bösch
Als Englischlehrer in Tansania

Mit seinen Schülern in Tansania spielte Timo Eylers nach den Unterrichtsstunden häufig Fußball und Volleyball.

frei

Herzliche Menschen, exotische Tiere und eine Stippvisite bei den Massai: Angenehme Erinnerungen verbindet der gebürtige Neuenkirchener Timo Eylers mit seinem sechswöchigen Praktikum als Englischlehrer in Tansania.

Als Timo Eylers sein Praktikum in Tansania bei der Münsteraner Austauschorganisation easyGo – easyCome organisierte, staunte der Lehramtsstudent nicht schlecht, als er auf Mitinitiator Dominik Schmengler traf. Wie der 24-Jährige stammt auch Schmengler aus Schwanewede. Der Meyenburger hat viele Jahre für das Bildungsprojekt For fair Education im afrikanischen Burkina Faso gearbeitet. Das angegliederte Projekt easyGo – easyCome vermittelt Praktikumsplätze in Ländern wie Burkina Faso, Kenia, Bosnien-Herzegowina, Thailand und Mexico.

Vorbereitungstraining

„Es geht dabei um ein studienrelevantes Praktikum in einem Entwicklungsland. Also nicht nur darum, sich seine Biografie aufzuhübschen”, erklärt Schmengler. Timo Eylers, der in Münster Geschichte und Germanistik studiert, entschied sich für ein sechswöchiges Praktikum im ostafrikanischen Tansania. „Schon als ich zehn Jahre alt war, habe ich Reportagen über Afrika gelesen”, sagt der 24-jährige. Bei einem Vorbereitungstraining wurde er auf kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Tansania eingestimmt.

„Meine Malariaprophylaxe habe ich nur in der ersten Woche genommen, weil ich deshalb nicht gut schlafen konnte”, erzählt Eylers, der im August 2014 nach einem langen Flug und zehnstündiger Busfahrt in der Primary School in Sanya Juu eintraf. Zwölf Lehrer sind dort für rund 500 Schüler zuständig. „Wenn die Sonne günstig stand, konnte ich vom Schulhof aus direkt auf den Kilimandscharo blicken”, schwärmt Eylers. Ein Crashkurs in Kisuaheli erwies sich als vorteilhaft. „Wer auf der Straße ein Mambo Vipi? – auf Deutsch: Wie geht‘s dir? – auf den Lippen hat, wird gleich freundlich in der Dorfgemeinschaft aufgenommen”, sagt der Student, der in einer fünften und sechsten Klasse Englisch unterrichtete und bei einer Gastfamilie wohnte.

Einfache Betonhäuser

Statt Lehmhütten fand er einfache Betonhäuser mit TV und Stereoanlage vor. „Meine Gastmutter war auch Englischlehrerin, ihre drei Kinder haben studiert.” Gegessen wurde traditionell gegen 21 Uhr, dazu viel Fernsehen geguckt. „Meine Gastfamilie hatte 15 Kühe und 20 Hühner, und es gab Apfelsinen und Mangos im Garten”, erinnert Eylers sich. In allen Wohnungen hingen Moskitonetze. Unterrichtet wurde in Blöcken zu 40 Minuten, unterbrochen von einer Teatime. Am Nachmittag spielte Eylers mit den Kindern Fußball oder Volleyball. „Die Kinder freuen sich riesig, wenn sie Weiße sehen, und wollen wissen, was man im Beruf verdient”, bemerkt der Student. Es seien viele Witze gemacht worden, gerne auch „unterhalb der Gürtellinie”.

Obwohl die Verkehrssprache Englisch sei, könne man die Grammatik-Kenntnisse nicht mit westlichen Standards vergleichen. Trotz eines Lehrplans hatte er relativ freie Hand bei der Gestaltung des Unterrichts. „Die Kinder tragen eine Uniform in den Nationalfarben. Die Klassenräume sind schlicht mit Schiefertafeln und klapprigen Holzbänken ausgestattet”, erzählt Eylers, der in seinem Gastland auf klassischen Frontalunterricht setzte: „Mit Gruppenarbeit kommt man nicht gut zurecht.”

Kaum Lehrbücher

Als zeitraubend erwies sich, dass aufgrund weniger vorhandener Lehrbücher sämtliche Texte an die Tafel geschrieben werden mussten: „Da war die Zeit oft schon fast vorbei.” In einem Projekt ließ Eylers seine Schüler einen Brief über sich und ihr Leben schreiben.

Tansania, 1964 aus dem Zusammenschluss der britischen Kolonie Sansibar und dem einst zu Deutsch-Ostafrika gehörenden Tanganjika entstanden, erwies sich für Timo Eylers auch als Abenteuerspielplatz. In der Stadt Moshi, wo er die Wochenenden verbrachte, lernte er einen Massai kennen. Die im Norden Tansanias und in Kenia beheimatete Volksgruppe lebt in Lehmhütten, hält Kühe und Ziegen und jagt Antilopen.

„Der mit mir befreundete Massai versuchte, Touristen zur Vorführung der Stammestänze in sein Dorf zu locken”, erzählt Eylers. Die Männer speisen separat von den Frauen hinter einem Dornbusch: „Einmal gab es knorpeliges Kuhohr, das habe ich nicht runterbekommen”, gesteht Eylers. Eine „schön kitschige Massai-Hochzeit“ (Eylers) mit 500 Gästen samt Blasmusik und seltsamen Tanzstilen blieb dem Schwaneweder ebenfalls in Erinnerung.

Paviane und Gazellen

Während er in der Savannenlandschaft seines Dorfes allenfalls Paviane und Gazellen zu Gesicht bekam, erwies sich ein dreiwöchiger Trip an den Indischen Ozean und in die Serengeti als „tierisches Abenteuer”. „Elefanten stapften über den Zeltplatz, und auch Paviane zogen vorbei”, erzählt der Student. Beim Besuch des Ngorongoro-Kraters besichtigte er die Gedenktafel für Tierforscher Bernhard Grzimek, dessen Urne dort neben der seines Sohnes Michael beigesetzt ist. Die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen in Tansania vermisse er: „Als ich nach Hause zurückkam, ging mir die Kleinkariertheit der Deutschen fast ein wenig auf die Nerven.”

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