Das erste Mal auf großer Bühne Als Rea Garvey meine Hand nahm

Johanna Ewald hat es bei „The Voice of Germany“ auf die TV-Bühne geschafft. Bei ihrem ersten großen Auftritt traf die heutige Studentin Rea Garvey – den Rocksänger und Juror verzauberte sie.
19.01.2020, 09:46
Lesedauer: 2 Min
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Von Rebecca Sawicki

Zu meinem Geburtstag hat mir 2014 eine Freundin ein ganz besonderes Geschenk gemacht: Eine Anmeldung zu den Castings von „The Voice of Germany“. Ich selbst hätte mich damals nicht getraut, mich anzumelden. Ich war 19 Jahre alt und hatte viele Ideen, aber nur so einen halben Plan, was ich aus meinem Leben mal machen möchte.

Einige Wochen später packten mich die Freundin und ein Kumpel ins Auto und fuhren mich zum Casting nach Köln. Da ich mir bis zuletzt nicht sicher war, ob ich vorsingen wollte, war ich komplett unvorbereitet und übte im Auto den Song „Oceans“ von Hillsong United ein.

Als ich eine Runde weiter kam, wurde ich nach meinem zweiten Song gefragt. Ich wusste nicht, dass ich einen hätte vorbereiten sollen. Also sang ich wieder „Oceans“ und holte meinen Kumpel spontan dazu, um mich bei „Wie soll ein Mensch das ertragen“ von Philipp Poisel zu begleiten.

Drei Songs, die die Produktion für mich aussuchte, musste ich in der letzten Runde vor den Blind Auditions singen. Dass ich es in die Show geschafft hatte, erfuhr ich dann einige Wochen später per Mail. Ich war erleichtert, dass ich nicht im Reitstall von einem Kamera-Team überrascht wurde. Das wäre mir peinlich gewesen.

Für die Show wurde ich in einem Hotel in Berlin untergebracht. Tagsüber hatten wir Vocal Coachings und schauten uns Berlin an, abends machten wir gemeinsam Musik. Sehr schnell habe ich meine Frühstücks-Buddys gefunden – eine wunderschöne Zeit.
Um meinen Auftritt besonders zu machen, bat mich die Produktion, mich zu dem Song „Halo“ von Beyoncé selbst mit der Harfe zu begleiten. Meine eigene Harfe war ihnen zu klein, also besorgten sie mir eine größere. Als ich das erste Mal auf dieser spielte, vergriff ich mich mehrfach – es war mir unangenehm. Die Abstände zwischen den Saiten waren anders als bei meiner Harfe. Ich ging jeden Tag ins Studio, um mich auf die Abstände einzustellen. Einmal wäre ich auf dem Weg dorthin fast in die Arme der Coaches gelaufen. Ich musste mich deshalb inklusive Harfe hinter einem Busch verstecken.

Endlich dann der Tag der Blind Auditions. Ich war bereits eingesungen, als es hieß, es werde Verzug geben. Drei Stunden musste ich warten. Ich war nervös und wollte es nur hinter mir haben. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Einer der anderen Teilnehmer bemerkte das und sagte, ich solle ihm folgen. Er ging mit mir in einen Raum, setzte sich ans Klavier und spielte für mich. Das brachte mich runter.

Als ich endlich auf die Bühne durfte, fühlte ich mich unwohl. Nicht wegen des Publikums oder der Kameras, sondern wegen der umgedrehten Stühle, die plötzlich viel größer aussahen als im Fernsehen. Ich konzentrierte mich völlig auf die Harfe – bis ich meinte, ein Licht gesehen zu haben. Prompt entglitt mir ein Ton. Im Studio gibt es kein Buzzergeräusch. Nachdem ich zum zweiten Mal von meiner Harfe nach links gelinst hatte, war ich mir sicher: Rea Garvey hatte sich für mich umgedreht.

Er stand auf, und mit jedem Ton, den ich sang, kam er einen Schritt auf mich zu. Bis er direkt vor mir stand. Er meinte, er sei verzaubert. Vor der Kritik der anderen Coaches verteidigte er mich, nahm meine Hand und schritt gemeinsam mit mir von der Bühne.

Aufgezeichnet von Rebecca Sawicki.

Info

Zur Person

Johanna Ewald

ist 24 Jahre alt. Sie hat 2014 bei der Castingshow „The Voice of Germany“ mitgemacht und es bis in die Battles geschafft. Rea Garvey entschied sich nach ihrer Performance von Benyoncés „Halo“ für die damals 19-Jährige. Heute studiert sie in Bremen und macht weiterhin Musik.

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