20 Stellen bei der Kriminalpolizei

Als Seiteneinsteiger zur Kripo

Die Kripo Bremen hat akuten Personalmangel. Um den zu beheben, will sie zum 1. Juli dieses Jahres 20 Seiteneinsteiger einstellen. Ein Weg, der nicht überall auf Zustimmung stößt.
08.01.2018, 16:52
Lesedauer: 3 Min
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Als Seiteneinsteiger zur Kripo
Von Ralf Michel
Als Seiteneinsteiger zur Kripo

20 Quereinsteiger können zukünftig bei der Kriminalpolizei einsteigen.

dpa

Die Bremer Kripo auf den Spuren des FBI: Was für das Federal Bureau of Investigation in den USA schon immer die Regel war, nämlich die Rekrutierung neuer Kräfte mehr oder wenig direkt von der Uni weg, wird es nun erstmals auch in Bremen geben. Die Kriminalpolizei schreibt zum 1. Juli dieses Jahres 20 Stellen für Seiteneinsteiger aus, um möglichst schnell zusätzliche Ermittler zu gewinnen. Um sich bewerben zu können, reichen ein abgeschlossenes Hochschulstudium und eine entsprechende hauptberufliche Tätigkeit von mindestens drei Jahren aus.

Man habe sich hierfür „vor dem Hintergrund der anhaltenden Personalunterdeckung im Bereich Polizeivollzug“ entschieden, heißt es im nüchternen Amtsdeutsch einer Mitteilung der Polizei. Was damit wirklich gemeint ist, ergibt sich aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage der CDU zu den Aktenbergen bei der Kripo vom Dezember vergangenen Jahres. In Deliktbereichen wie Betäubungsmittelkriminalität, Vermögens- oder Betrugskriminalität und bei einfachen Diebstählen oder einfachen Körperverletzungen stapelten sich Ende Oktober 2017 etwa 10 000 Vorgänge bei der Bremer Kripo.

Die überwiegende Zahl davon datiert laut Senat zwar aus dem Jahr 2017 und ist nicht älter als sechs Monate. Gleichwohl schiebe die Kripo seit Jahren einen Berg von Akten vor sich her, Tendenz zuletzt steigend, sagt deren Chef Daniel Heinke. „Die Kriminalpolizei ist schon seit Jahren personell massiv unterbesetzt und wird es auch auf Jahre noch sein.“

Von daher begrüße er den Versuch, über Seiteneinsteiger schneller an neue Ermittler für die Direktion Kriminalpolizei/Landeskriminalamt zu kommen, sagt Heinke. Zugleich betont er aber zwei Punkte: „Erstens ist dieser Weg kein Ersatz für das bisherige normale Ausbildungssystem der Polizei. Und zweitens wird es bei der polizeiqualifizierenden Ausbildung dieser Kräfte keine Abstriche geben.“

Der „normale“ Weg in Bremen führt über das dreijährige duale Studium an der Hochschule für Öffentliche Verwaltung und anschließender Tätigkeit in der Bereitschaftspolizei und im Einsatzdienst zur möglichen Bewerbung bei der Kripo. Die 20 Quereinsteiger werden dagegen direkt zu Kriminalkommissaren ernannt und bekommen dann eine zweijährige berufsbegleitende Ausbildung, erklärt Heinke. Dabei würden viele Inhalte der normalen Polizeianwärter-Ausbildung in deutlich reduzierter Form absolviert – die Bereiche, mit denen Kriminalbeamte später kaum oder gar nicht zu tun hätten, zum Beispiel die Verkehrslehre. Keinerlei Abstriche werde es dagegen bei der praktischen Ausbildung geben, etwa beim Schieß- und Nichtschießtraining oder beim Fahrtraining. Und auch um den obligatorischen sportlichen Eignungstest werde keiner der externen Bewerber herum kommen.

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Die Quereinsteiger sollen am Ende ihrer zweijährigen Ausbildung weder besser noch schlechter als die Kollegen dastehen, die den normalen Weg gegangen seien, betont Heinke. „Sie haben einfach eine andere Ausbildung und sortieren sich dann ganz normal wie alle anderen ein.“

Völliges Neuland betritt Bremen damit nicht, auch bei der Kripo hat es in der Vergangenheit schon Seiteneinsteiger gegeben. „Aber da haben wir immer nur Einzelne für spezialisierte Dienstposten gesucht“, erklärt der Kripo-Chef den Unterschied zur jetzigen Ausschreibung. „Betriebswirte für Wirtschaftskriminalität, Informatiker für Cyber-Kriminalität...“ Diesmal seien keine spezielle Fachkenntnisse für spezifische Fachverwendungen gefordert.

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Das Ganze ist vorerst ein Pilotversuch. Nur in diesem Jahr werden 20 Seiteneinsteiger für die Kripo eingestellt. Ob es funktioniert, werde man in fünf Jahren evaluieren, kündigt Heinke an. Nicht zuletzt wegen dieser Zusicherungen hat letztlich auch der Personalrat der Polizei sein Einverständnis gegeben. „Anfangs fanden wir das überhaupt nicht gut“, räumt dessen Vorsitzender Rolf Oehmke unumwunden ein. „Wir sehen grundsätzlich große Gefahren für die Qualität der Ausbildung.“ Für einen Polizisten sei es ganz wesentlich, das Geschäft von der Pike auf gelernt zu haben. „So können die Kollegen reichhaltige Erfahrungen sammeln, bevor sie zur Kripo wechseln.“

Letztlich jedoch sei es auch für den Personalrat eine Frage der Abwägung gewesen, erklärt Oehmke. Für 2018 hat der Senat 160 Einstellungen beschlossen. Die Hochschule könne aber nur 140 Polizeianwärter ausbilden. „Wir hätten also am Ende 20 Polizisten weniger gehabt.“ Um dies zu vermeiden, habe man dem Modell von Daniel Heinke zugestimmt. „Das ist also der Personalsituation geschuldet“, betont Oehmke. „Zufrieden sind wir damit nicht.“

(Zur Ausschreibung auf der Webseite der Polizei Bremen klicken Sie hier.)

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