Unichor und Uniorchester „Als wären wir in Mexiko“

Unter Leitung der Bremer Universitätsmusikdirektorin Susanne Gläß bereiten sich Unichor und Uniorchester auf ihren großen Auftritt in der Glocke vor, auf "Sueños – Träume von einer besseren Welt“.
25.01.2018, 10:31
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Von Gerald Weßel

Die Instrumente ertönen, der Gesang schwillt an. Im Hörsaal des Komplexes Gesellschaftswissenschaften I (GWI) der Universität Bremen hat an diesem Tag kein Professor das Wort, sondern die Musk: Die Generalprobe für das Abschlusskonzert des Universitätschores und Uniorchesters ist in vollem Gange.

Wie zum Ende jedes Wintersemesters soll die gemeinsame Arbeit der beiden musikalischen Gruppen unter Leitung von Universitätsmusikdirektorin Susanne Gläß in einen Auftritt in der Glocke münden. Am Montag, 29. Januar, ist es um 20 Uhr soweit, doch nervöse Anspannung ist bei der Probe niemandem anzumerken – eher ungehemmte Vorfreude.

Dies mag auch an der besonderen Musik liegen, die diesen Winter die mittelamerikanische Herzlichkeit aus den Federn von Charlos Chávez, Pablo Moncayo und Arturo Márquez nach Bremen bringt. Es werden drei Werke unter dem Titel: "Sueños – Träume von einer besseren Welt“ präsentiert.

Bereits im Sommersemester 2015 hatte das Orchester der Universität Bremen ein Werk von Arturo Márquez, einem heute 67-jährigen mexikanischen Komponisten, mit großer Begeisterung aufgeführt – so lag eine Rückkehr nach Mittelamerika nur nahe. Nur sollte nun auch der Chor an der Aufführung teilnehmen, deshalb wurde eine mehrteilige Komposition gesucht, die dies ermöglicht.

Und dies ist gar nicht so einfach, wie Ted Koob aus der Neustadt, Journalistikstudent im Abschlussjahr an der Hochschule Bremen und Schlagzeuger im Orchester, klarstellt: „Es gibt nicht so viele Werke, die für Orchester dieser Größenordnung sowie für einen Chor in Kombination komponiert sind.“ Denn man habe den Anspruch, dass jeder möglichst regelmäßig zum Einsatz komme.

Susanne Gläß machte sich also auf die Suche. Sie fand dabei Hilfe bei der gebürtigen Mexikanerin Ana Paola Loose Martínez de Castro, die Biologie studiert, in Findorff wohnt und seit drei Jahren im Chor der Uni singt. Auf Bitte von Susanne Gläß fragte sie bei Arturo Márquez auf Spanisch an, ob es Noten für die von ihm bereits komponierten vier Sätze der Kantate, „Sueños“ (Spanisch für Träume) für Chor, Orchester und Solostimmen, gebe. Dem war noch nicht so, aber nach der Anfrage aus Bremen setzte er sich hin und beendete die Arbeit.

Nun werden das große sinfonische Orchester und der Chor der Universität Bremen die Ersten in Europa sein, die „Sueños“ zusammen mit den Solostimmen von Nathalie Mittelbach und Luis Olivares Sandoval, beide vom Theater Bremen, aufführen.

Eröffnet wird das Konzertprogramm mit zwei einsätzigen Werken. Die lebhafte Kantate "Corrido de ,El Sol'“ für Chor und Orchester von Carlos Chávez macht dabei den Anfang. "Das ist ein perfektes Beispiel der mexikanischen Volksmusik", freut sich Ana Paola Loose. "Es ist wirklich so, als wären wir gerade in Mexiko." Bereits hier wird das den Abend umspannende, damals wie heute aktuelle Thema eingeläutet: Der Traum von einer gerechten und friedlichen Welt. Bevor das Konzert mit dem Höhepunkt des Abends, „Sueños“, zu Ende geht, folgt vom Orchester gespielt noch die symphonische Dichtung "Tierra de Temporal" von Pablo Moncayo.

Seit der Revolution in Mexiko zu Anfang des 20. Jahrhunderts ist die mexikanische Musik keine Imitation europäischer Musik mehr, sondern etwas ganz Eigenes: Eine sehr schnelle, rhythmische Musik, in der viel und aus vollem Herzen gesungen wird. „Wir alle vom Chor haben den Anspruch, es möglichst perfekt sprachlich umzusetzen“, sagt David Vogel aus Schwachhausen, der seit einem Jahr im Chor singt. Er studiert im fünften Semester Kulturwissenschaften und Geschichte.

Ana Paola Loose Martínez de Castro ist eine der wenigen im Chor, die Spanisch spreche, und selbst für sie ist es das bisher anspruchsvollste Projekt. Denn auch gesanglich seien die Herausforderungen enorm. „Wir machen das, weil wir die Musik lieben“, sagt David Vogel. Und das Musizieren und Singen mit der vollen Besetzung mache immer einen Riesenspaß.

Die Verschmelzung von mexikanischer Musik und deutschen Musikern und Musikerinnen sowie Sängerinnen und Sängern sei sehr passend, darin stimmen alle drei überein – trotz aller Unterschiedlichkeit. Und auch Bremen sei in ihren Augen der ideale Ort aufgrund seines kosmopolitischen und weltoffenen Charakters für ein solches Projekt. "Wenn beide Kulturen Menschen wären, würden sie sich verlieben", so empfindet es Ana Paola Loose Martínez de Castro. Sie und die anderen sind sich einig, dass der Universitätsmusikdirektorin Susanne Gläß großes Lob gebührt: "Sie macht Semester für Semester einen fantastischen Job.“ Nun möchten auch sie einmal wieder ihr Bestes geben. "Es klappt nie alles zu 100 Prozent, aber wir sind bestrebt, der Perfektion möglichst nah zu kommen", sagt David Vogel. Sorgen müssen sie sich nicht. Susanne Gläß war nach der Generalprobe hochzufrieden: "Es lief sehr gut."

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