Ehepaar zeigt am Tag der Architektur seine Souterrain-Wohnung, die aus einem Lagerraum entstand

Altbau öffnet sich dem Licht

Am Tag der Architektur können Interessierte einen Blick in 19 Gebäude im Land Bremen werfen. Dazu gehört die umgestaltete Altbauwohnung von Nicole und Martin Oberstedt. Architekt Dennis Winkler hat mit ihnen ein düsteres Lager in einen offenen Wohnraum mit Fensterfront zum Garten verwandelt. Vor dem Aktionstag am Sonntag waren wir dort zu Gast.
26.06.2014, 00:00
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Altbau öffnet sich dem Licht
Von Sara Sundermann
Altbau öffnet sich dem Licht

Viele Stunden lang haben sie Entwürfe besprochen: Architekt Dennis Winkler (Mitte) mit den Bauherren Martin und Nicole Oberstedt.

Karsten Klama

Am Tag der Architektur können Interessierte einen Blick in 19 Gebäude im Land Bremen werfen. Dazu gehört die umgestaltete Altbauwohnung von Nicole und Martin Oberstedt. Architekt Dennis Winkler hat mit ihnen ein düsteres Lager in einen offenen Wohnraum mit Fensterfront zum Garten verwandelt. Vor dem Aktionstag am Sonntag waren wir dort zu Gast.

Vor der Haustür braust der Lärm von Autos und Straßenbahnen, hinterm Haus hört man nur noch Vögel und blickt ins Grüne. Hier unten, auf der Terrasse der Wohnung der Oberstedts, fällt es schwer, zu glauben, dass die Kreuzung „Am Dobben“ so nah ist. Am Eingang geht es von der Straße ein paar Stufen hinab, nach hinten raus aber ist die Wohnung ebenerdig. Nicole und Martin haben sich eine klassische Souterrain-Wohnung zugelegt.

Souterrain nach hinten raus, das heißt aber auch: An drei Seiten der Wohnung gibt es keine Fenster. Umso erstaunlicher, dass es hier trotzdem so hell ist. Das schöne alte Kontorhaus aus dem Jahr 1880 hat im Rahmen des Umbaus hinten praktisch blank gezogen: Die Wände zum Garten wurden fast komplett abgeräumt und durch große ebenerdige Fenster mit Schiebetüren ersetzt. Das Ergebnis: „Innen- und Außenraum gehen ineinander über“, sagt Architekt Dennis Winkler. In einen etwas vorgelagerten Wohnwürfel strömt das Licht sogar von zwei Seiten. Hier ist das Wohnzimmer an+gesiedelt mit einer Liege, die direkt ins Grüne blickt – der Lieblingsplatz von Nicole Oberstedt.

Souterrainwohnungen, wie es sie gerade in Altbremer Häusern oft gibt, wirken oft wenig attraktiv. „Da denke ich an Fenster, durch die man von unten durch ein Fußgitter auf den Bürgersteig blickt“, sagt auch Nicole Oberstedt. Aber was hier entstanden ist, hat damit nichts mehr zu tun. Das Wohnzimmer geht in die geräumige Wohnküche über, die – weil sie nicht durch eine Wand abgetrennt ist – auch noch vom Außenlicht profitiert. „Natürliches Licht, das acht Meter weit ins Innere kommen soll, das war eine Herausforderung für die Planung“, sagt Winkler. Die Umgestaltung der Altbauwohnung war sein erstes Projekte in Bremen als freischaffender Architekt. Entstanden ist eine offene Wohnfläche ohne Sackgassen: „In der Wohnung kann man im Kreis laufen“, erläutert Winkler. Es gibt verschiedene Wohnzonen, aber außer Badezimmer und Toilette kaum geschlossene Räume: Türen sind rar.

Dadurch wirkt die 90-Quadratmeter-Wohnung sehr geräumig. Und immer wieder blickt man durch die ineinander übergehenden Räume auf die Holzterrasse und den Garten der Nachbarn hinterm Haus. Der Schlafbereich ist als einziger Bereich durch eine Wand abgeschirmt und führt zum Badezimmer. Auf nur neun Quadratmetern finden dort eine Badewanne, eine Dusche, zwei Waschbecken Platz – und eine Toilette, die sich als Gäste-WC durch eine Schiebetür abtrennen lässt.

Auf Fotos aus der Zeit vor dem Umbau kann man die Wohnung kaum wieder erkennen. „Manche Freunde waren anfangs geschockt, dass wir hier einziehen wollten“, erzählt Nicole Oberstedt. Auch ihr Mann war nach der ersten Besichtigung sehr skeptisch. „Ich dachte, diese Wohnung wird es wohl schon mal nicht“, sagt Martin Oberstedt. „Ich bin immer noch überrascht, was daraus entstanden ist.“ Es brauchte jemanden mit Fantasie, um das Potenzial darin zu erkennen.

In diesem Fall war das Dennis Winkler, der den Hauseigentümer kannte und die Wohnung an die Oberstedts vermittelte. Viele Stunden haben der Architekt und die Bauherren dann über Entwürfen gebrütet, diskutiert, optimiert und schließlich das Beschlossene in die Tat umgesetzt. Einen Großteil des Umbaus haben die Oberstedts in Eigenarbeit geleistet. Jetzt ist endlich die Zeit da, um die Wohnung zu genießen. „Ich habe mir immer einen markanten Esstisch gewünscht, an dem man zusammen mit Freunden essen kann“, sagt Martin Oberstedt. „In unserer alten Wohnung war dafür kein Platz.“ Jetzt steht ein massiver Teakholztisch neben der offenen Wohnküche. Hier finden acht Personen Platz.

Viele Menschen ziehen zurück in die Stadtzentren. Die Wohnung der Oberstedts zeigt, wie auch in einem Altbau an einer zentralen Verkehrskreuzung selbst gestalteter Wohnraum entstehen kann.

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