Kein Ausstellungsplatz vorhanden

Alte Weser-Lastkähne werden wieder vergraben

Es klingt skurril: 300 Jahre alte Weser-Lastkähne, die mühsam auf einer Baustelle ausgegraben worden sind, müssen nun zurück unter die Erde. Weil niemand sie ausstellen will – beziehungsweise kann.
29.05.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Alte Weser-Lastkähne werden wieder vergraben
Von Kristin Hermann

Es klingt skurril: 300 Jahre alte Weser-Lastkähne, die 2007 mühsam auf einer Baustelle am Teerhof ausgegraben worden sind, müssen nun zurück unter die Erde. Weil niemand sie ausstellen will – beziehungsweise kann. Verrotten sollen sie im Boden allerdings nicht. Diese Art von Zwischenlagerung in feuchter Erde, in Seen oder Kiesgruben ist in den vergangenen Jahren zur gängigen wissenschaftlichen Praxis geworden. Für Bremen ist es allerdings das erste Mal, dass ein aufwendig ausgegrabenes Fundstück nicht ausgestellt, sondern wieder vergraben wird.

Eigentlich gab es für die alten Holzkähne, die im 17. Jahrhundert Steine, Keramik und andere Dinge transportiert haben, ganz andere Pläne. Weil die Schiffe im Fundament des ehemaligen Beluga-Gebäudes gefunden wurden, wollte Niels Stolberg, Gründer der Schwergut-Reederei Beluga, die Kähne vor Ort ausstellen. Das hatte sich mit der Insolvenz des Unternehmens jedoch schnell wieder erledigt. Das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven sollte übernehmen und die Kähne in eine Ausstellung integrieren. Immerhin kennt man sich im Museum mit alten Holzschiffen bestens aus. Mehr als 20 Jahre wurde dort die Hansekogge konserviert, eines der Highlights des Museums.

Doch aus den Plänen für die Lastkähne wurde nichts. Seit Jahren stehen sie in einer kleinen Halle in Bremerhaven, die aus privaten Mitteln finanziert wird. Interesse an einer Ausstellung hat das Museum nicht mehr, wie Direktorin Sunhild Kleingärtner bestätigt. „Die Weser-Lastkähne sind nicht Teil unserer Neuausrichtung“, sagt sie. Den Bremerhavenern sind praktisch die Hände gebunden. Zu einer Neuausrichtung hat ihnen die Leibniz-Gemeinschaft geraten, damit das DSM Forschungsmuseum bleiben kann. Moderner soll es werden, mit digitalen Modellen und Animationen. „Unser Fokus liegt vor allem auf dem Meer“, sagt Kleingärtner. „Die regional bedeutsamen Fundstücke gehören den Landesmuseen.“

Der Direktorin ist es wichtig, dass die Schiffe damals aus der Not heraus geborgen werden mussten, weil an der Fundstelle gebaut wurde. „Sonst hätte man die Lastkähne gar nicht ausgegraben“, sagt sie. „Im Boden sind organische Funde grundsätzlich besser bewahrt als im Museum.“ Trotzdem habe man alle Daten zu den Lastkähnen erfasst.

Das Schifffahrtsmuseum ist nicht alleine für die Kähne verantwortlich. Auch die Bremer Landesarchäologie, also indirekt der Senator für Kultur, entscheidet über das Schicksal des Wracks. „Die Stücke sind damals nur nach Bremerhaven gebracht worden, weil das Deutsche Schifffahrtsmuseum federführend im Bereich der Nassholzkonservierung war“, sagt Uta Halle, Chefin der Landesarchäologie. Es stehe schon länger fest, dass die Schiffe nicht in Bremerhaven gezeigt werden. Deshalb habe man in den vergangenen Monaten versucht, in Bremen einen Ausstellungsplatz zu finden – vergeblich. „Im Focke-Museum gibt es zu wenig Ausstellungsfläche“, sagt Halle. Der größte der Lastenkähne ist 17 Meter lang und drei bis vier Meter breit. Zudem sei es sehr schwierig, überhaupt einen Platz zu finden, der das empfindliche Holz nicht schädigt.

Wo genau die alten Kähne künftig verbuddelt werden sollen, ist bisher nicht klar. „Den genauen Ort werden wir nicht verraten, damit niemand an dieser Stelle gräbt“, sagt Kleingärtner. Besonders geeignet sei feuchte, kühle Erde, aber auch Seen oder Kiesgruben. Laut Archäologin Uta Halle gibt es nicht besonders viele geeignete Stellen in Bremen. „Wir sind auch mit Niedersachsen im Gespräch über einen passenden Ort“, sagt Halle.

Eine Chance haben die Kähne noch – zumindest in der Theorie. Wenn sich eine Privatperson, eine Firma oder ein Verein fände, der die aufwendige Restaurierung finanziert und garantieren kann, dass die Schiffe dauerhaft guten Bedingungen ausgesetzt sind. Ein solcher Förderer hätte viel Arbeit: Die Kähne wurden für Ausgrabung und Transport in mehrere Teile zerlegt.

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