Nach Brand

Jugendzentrum Friese: Arbeit soll fortgesetzt werden

Die Brände im Jugendzentrum Friese sollen nicht das Ende der Einrichtung bedeuten. Einige Aktivisten suchen jetzt nach alternativen Möglichkeiten.
29.03.2020, 21:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus
Jugendzentrum Friese: Arbeit soll fortgesetzt werden

Die Friese war bereits vor der Corona-Pandemie geschlossen. In der Nacht auf den 16. Februar hatte es hier zweimal gebrannt.

Roland Scheitz

„Wir lassen uns nicht unterkriegen, wir machen weiter“, sagt ein Verantwortlicher des Jugendzentrums Friese. Zusammen mit seinen beiden Kollegen, die wie er ebenfalls nicht mit Namen in der Zeitung genannt werden möchten, sucht er derzeit nach alternativen Orten und Möglichkeiten für die Arbeit des seit dem Brandanschlags geschlossenen Jugendzentrums.

Zum Hintergrund: In der Nacht zum 16. Februar hat es kurz hintereinander zwei Brände in dem Haus an der Friesenstraße gegeben, die zwar gelöscht werden konnten, jedoch einen hohen Schaden verursacht haben. Aufkleber mit rechtsradikalen Inhalten wurden innerhalb des Jugendzentrums gefunden, der Staatsschutz ermittelt.

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Seitdem ruht die Jugendarbeit in der Friese, doch die Aktivitäten des Jugendzentrums gehen andernorts weiter. „Viele Institutionen im Viertel haben ihre Solidarität bekundet und Hilfe angeboten. Einige Konzerte wurden wegen des Brandes abgesagt und da sind einige andere Orte eingesprungen“, meint einer der Verantwortlichen. Die „Freischrauber“, eine Selbsthilfewerkstatt für die Reparatur von Fahrrädern, können notreduziert ebenfalls an einem anderen Ort weiterschrauben.

Vier Tage nach dem Brand gab es eine spontane Demonstration auf dem Ziegenmarkt, die auch im Schatten der Anschläge in Hanau gestanden hat. Die Polizei hat dort 1000 Teilnehmer gezählt, die Verantwortlichen der Friese 2500. „Ganz viele Menschen waren wegen der Friese da, um zu zeigen, dass wir nicht alleine sind“, sagt einer der Hausleiter. „Da fühlen sich viele angegriffen – das ist nicht nur die Friese, die angegriffen wurde.“

Viele Bands kommen derzeit nicht an ihre Ausrüstung

In einem kleinen und reduzierten Umfang kann das Team noch handlungsfähig bleiben, ohne das Haus betreten zu müssen. „Doch wir mussten natürlich die Jugendlichen mitnehmen, mit ihnen kommunizieren und sie auffangen – schließlich ist ihr Haus abgebrannt.“ Ebenfalls problematisch: Viele Bands, die in der Friese regelmäßig proben, lagern dort ihr privates Equipment und haben derzeit keine Möglichkeit, an ihre Ausrüstung zu kommen. „Doch es gab ein großes Netzwerk, um zu helfen. Die Friese hat nicht nichts getan und zumindest die jüngsten Bands haben die Möglichkeit bekommen, in einem Tonstudio zu proben.“ Die Verantwortlichen bemühen sich, für die regelmäßigen Besucher weiter da zu sein. „Es ist nicht alles auf Null geschraubt. Die Sozialpädagoginnen stehen mit den Jugendlichen in Kontakt. Und die Jugendlichen brennen darauf, etwas zu machen.“

An dem Abend des Brandes sei es großes Glück gewesen, dass ein Mitarbeiter des Hauses schon direkt vor Ort und nicht nur in Rufbereitschaft gewesen sei. So habe er die Situation im Haus schnell mit den Einsatzkräften von Feuerwehr und Polizei regeln können. Selbstverständlich sei das allerdings nicht gewesen, wie die Verantwortlichen erzählen: „Grundsätzlich ist die Stadt gefordert, die Jugendarbeit endlich adäquat finanziell auszustatten. Wir müssen sehen, dass wir insbesondere in der offenen Jugendarbeit auch bei Krankheit und Urlaub immer genügend Menschen haben, die hier gleichzeitig arbeiten – doch das ist in diesem Finanzrahmen derzeit schwierig“, sagt einer der Verantwortlichen. „Eine Personalaufstockung wäre hier ganz sicher sinnvoll. Im Haus muss für Mitarbeitende und Besuchende ein sicheres Klima herrschen.“

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Das Jugendfreizeitheim als Ort, wo Jugendliche demokratisiert werden, wo sie eigenständig und eigenverantwortlich handeln können, das müsse bleiben, da sind sich die drei einig. Die Friese sei ein offener Ort, der gleichzeitig auch als Schutzraum fungiere. Dieses Konzept steht seit dem Brand offenbar zur Debatte: „Die Frage ist, wie offen ein solcher Schutzraum sein kann?“ Und es komme noch hinzu: „Dass wir uns vorstellen können, dass diese Brandstiftung einen rechten Hintergrund haben könnte, das ist das Bedenkliche.“ Nun fragen sich die Verantwortlichen, ob man auch die technische Ausstattung des Hauses anpassen muss. Im Gespräch sei eine Klingel an der Tür oder ein Alarmknopf im Haus. „Darüber machen wir uns Gedanken“, meint einer der Hausleiter und betont: „Früher haben wir über solche Sicherheitskonzepte nicht nachdenken müssen.“

Baupläne sind unvollständig und ungenau

Konkret möchten sie sich darüber erst dann austauschen, wenn das Haus wieder geöffnet ist. Und das kann noch dauern, denn der Sachschaden sei erheblich. Immobilien Bremen bemühe sich derzeit um die Schadensbeseitigung. Das kann auch Peter Schulz von Immobilien Bremen bestätigen: „Wir haben den Brandraum entkernt, die umliegenden Räume wurden durch einen Sachverständigen auf Chemikalien durchsucht.“ Dabei seien keine Schadstoffe gefunden worden, „das hat uns schon mal weitergebracht.“ Schwierigkeiten gibt es dennoch: „Dadurch, dass das Gebäude früher mal ein Wohn- und Geschäftshaus war, müssten Baupläne vorliegen. Doch die sind unvollständig und ungenau.

Das macht die Sanierung schwierig, man tappt im Dunkeln.“ Es gehe nun von Schritt zu Schritt voran, damit man den Handwerkern später genau sagen könne, was sie tun können. „Das ist die Phase, in der wir stecken.“ Vor dem Hintergrund könne er noch nicht sagen, wann die Friese wieder geöffnet werden kann: „Das ist ein Spiel mit Unbekannten.“ Und seit es die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie gibt, hat sich ohnehin alles verändert.

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