Serie „Die Brinkmänner“ Am Stammtisch lebt Brinkmann weiter

Frühere Mitarbeiter der Bremer Firma Martin Brinkmann AG treffen sich regelmäßig zum Stammtisch in der Neustädter Kneipe „Zur gemütlichen Ecke“.
21.06.2019, 18:15
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Am Stammtisch lebt Brinkmann weiter
Von Detlev Scheil

Die kleine Kneipe im Kirchweg in der Neustadt heißt „Zur gemütlichen Ecke“, und dort scheint die Zeit stillzustehen. Genau der richtige Ort für einen Stammtisch von ehemaligen Mitarbeitern der Martin Brinkmann AG, die schon seit Langem im Ruhestand sind. Horst Kück, Horst Oeltjenbruns, Jürgen Harms, Hermann Tietjen und ein weiterer früherer Kollege, der an diesem Tag verhindert ist, treffen sich regelmäßig einmal im Monat zum Knobeln. Alle vier berichten, ausgesprochen gerne bei Brinkmann in Woltmershausen gearbeitet zu haben. Und wer lange dabei war, freut sich jetzt auch über eine gute Betriebsrente.

Entstanden ist der Stammtisch aus einer Kegelgruppe von Brinkmann-Beschäftigten, die sich bereits seit 1966 regelmäßig traf und auch gemeinsame Reisen unternahm. Als der Kegelsport aus Altersgründen zu beschwerlich wurde, ging man vor drei Jahren zum Würfeln bei einem gepflegten Bier über. In der Runde kommen immer wieder Anekdoten aus der Brinkmann-Zeit zur Sprache. Dabei geht es zum Beispiel um die „Texas-Elf“.

Firmenchef Wolfgang Ritter war ein großer Fußballfan und unterstützte großzügig den Verein Werder Bremen. Ritter hatte damals die Zigarettenmarke „Texas“ auf den Markt gebracht, und so wurde die Mannschaft, deren Spieler er förderte, „Texas-Elf“ genannt. Mehrere Werder-Spieler waren ab den 1950er-Jahren bei Brinkmann beschäftigt – ob nun nur pro forma oder tatsächlich arbeitend, war nicht immer klar. „Darunter waren die Mittelfeldspieler Max Konopka und ‚Heini’ Tünnermann, und auch die Torwart-Legende Dragomir Ilic hat bei Brinkmann gearbeitet“, weiß die Stammtischgruppe aus Erzählungen von Betriebsangehörigen.

Hermann Tietjen begann 1968 bei Brinkmann im Verwaltungsgebäude in der Dötlinger Straße. „Es war eine richtig schöne Zeit – bis dann Mitte der 1980er-Jahre ein hartes Sparprogramm und die Produktionsverlagerungen nach Berlin kamen“, sagt Tietjen. Horst Oeltjenbruns musste sich damals als Betriebsratsmitglied mit den Massenentlassungen beschäftigen: „Das traf viele der rund 1000 Mitarbeiter sehr hart, auch wenn es vernünftige Abfindungen gab“, sagt er. Oeltjenbruns begann 1966 als junger kaufmännischer Angestellter bei Brinkmann. Seine Mutter hatte ihm die Arbeitsstelle empfohlen, sie arbeitete in der Kartonagenfabrik von Brinkmann. Gleich zum Einstieg habe es überraschend eine Gehaltserhöhung gegeben, weil Tarifverhandlungen just abgeschlossen worden waren. Oeltjenbruns: „Das waren noch Zeiten, die Tariferhöhungen betrugen bis zu zwölf Prozent.“ Seine Aufgabe war es, den Fuhrpark zu verwalten, der rund 200 Fahrzeuge umfasste. Sie trugen den Brinkmann-Schriftzug und waren im gesamten Bundesgebiet unterwegs, um den Handel mit Zigaretten und Tabak zu beliefern. Als sich der junge Mann erfolgreich in seiner Freizeit zum Betriebswirt weiterbildete und ein entsprechendes Zertifikat bekam, gewährte ihm die Firma umgehend eine Gehaltserhöhung. 1979 wechselte er in die Zigarettenfabrik zur Betriebsbuchhaltung. Trotz guter Arbeitsbedingungen und einer nahen Wohnung in Woltmershausen fühlte sich Oeltjenbruns in den Krisenjahren der Firma zunehmend unwohl und wollte gern noch einmal etwas Neues wagen: Er verließ das Unternehmen im Herbst 1984 und landete schließlich in der Immobilienbranche.

„Ja, die Arbeit hat Spaß gemacht und wurde gut bezahlt“, sagt Jürgen Harms, der 13 Jahre bis 1984 zur „Brinkmann-Familie“ gehörte, wie die Belegschaft oft genannt worden sei. Der heute 64-Jährige kümmerte sich um das Abwiegen von verschiedenen Rohtabaksorten bei der Zusammenstellung der Mischungen. Horst Kück, der von 1967 bis Anfang der 1990er-Jahre in der Verwaltung in Woltmershausen gearbeitet hat, blickt ebenfalls fast schon etwas wehmütig auf die Brinkmann-Zeit zurück. In seiner Abteilung kümmerte er sich mit 20 weiteren Kollegen um die Buchhaltung und Planung für den Tabakeinkauf.

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