Müllproblem

Am Werdersee ist Besserung in Sicht

Bremen. Ab nächster Woche werden offene Feuerstellen und damit das Grillen am Werdersee nur noch an den eingerichteten Grillplätzen erlaubt sein. Die Umweltbehörde setzt damit ihr Pilotprojekt "Werdersee" in die Praxis um.
06.04.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Voker Junck
Am Werdersee ist Besserung in Sicht

Rainer Imholze (l) und Umwelt-Staatsrat Wolfgang Golasowski präsentieren en "Umweltschutzbeschützersack" am Werdersee

RAFAEL BRIX

Bremen. Der Gegensatz hätte nicht größer sein können: Am Freitag vergangener Woche sammelten 15000 Schüler und Erwachsene tonnenweise Müll in öffentlichen Grünflächen - und am Wochenende sah es am Werdersee oder am Osterdeich so wüst aus wie lange nicht mehr. Zumindest für den Werdersee ist nun Besserung in Sachen Müll und Dreck in Sicht.

Nächste Woche verkündet eine Allgemeinverfügung der Unteren Naturschutzbehörde beim Umweltressort im Amtsblatt, dass offene Feuerstellen und damit das Grillen am Werdersee nur noch an den eingerichteten Grillplätzen erlaubt seien. Die Umweltbehörde setzt damit ihr Pilotprojekt "Werdersee" mit insgesamt sechs Grillplätzen, entsprechenden Hinweisschildern und Ablageplätzen für spezielle Müllsäcke mit der Aufschrift "usbs" ("Umweltschutzbeschützersack") in die Praxis um.

Umwelt-Staatsrat Wolfgang Golasowski: "Ermahnungen oder Aufrufe zur Müllbeseitigung an die meist jungen Partyfeierer bringen nicht viel, wir müssen das richtig managen." Das macht sein Mitarbeiter Rainer Imholze, der 3000 der blauen "usbs"Säcke bestellt hat und sie an Neustädter Geschäfte und vor allem an den Rewe-Markt beim Deichschart am Werdersee verteilt. Dort decken sich viele der Feiernden mit Grillzubehör und Getränken ein. Zum Leidwesen der Umweltbehörde allerdings auch mit sogenannten Einmalgrills, die das größte Problem darstellen, wenn sie mit den fettigen Resten einfach stehen gelassen werden.

So wie am vergangenen Wochenende bei prächtigem Wetter an Werdersee und Osterdeich, als den Spaziergängern Mülltüten und überfüllte Papierkörbe einen abschreckenden Anblick bot. Die Umweltbehörde und der ihr unterstellte Umweltbetrieb Bremen sprechen von einem Ausnahmetag, an dem im Grunde alles schief gegangen sei: Die für den Werdersee beauftragte Privatfirma habe die Reinigung am Sonntag schlicht und einfach vergessen, und für den Osterdeich hatte man an dem Wochenende nicht mit einem derartigen Ansturm gerechnet.

Müllmengen am Osterdeich

Der Umweltbetrieb, zuständig für öffentliche Grünflächen, Schulen, Kitas, Parks, Sportplätze, Badeseen oder Friedhöfe, hat die Pflege zum größten Teil an Privatfirmen vergeben. Heribert Eschenbruch vom Umweltbetrieb: "Wir verdichten bis Ostern den Reinigungstakt am Osterdeich von montags, mittwochs und freitags auch auf das Wochenende."

Zudem werde wieder ein größerer Müllbehälter aufgestellt. Für den Bereich rund um das Weserstadion, in dem es nach dem Spiel am Sonnabend ebenfalls wie auf einer großen Müllhalde aussah, ist Werder Bremen zuständig.Doch mit den winzigen Papierkörben entlang der Uferpromenade ist es auch an normalen Wochentagen bei schönem Wetter nicht getan. Besonders auf dem Rasenplatz bei den Weserterrassen sind Grillpartys inklusive zurückgelassenem Müll keine Seltenheit. Ein offizielles Grillverbot auf öffentlichen Grünflächen gibt es seit der Anpassung des Bremer Naturschutzgesetzes an das Bundesnaturschutzgesetz im vergangenen Jahr nicht mehr. Das geltende Ortsgesetz schreibt lediglich Einschränkungen bei Osterfeuern vor, wie Pressesprecher Rainer Gausepohl für das Sport- und Innenressort bestätigt.

Somit muss nun das Umweltressort per Allgemeinverfügung aktiv werden, um den Werdersee als beliebten Freiraum einesteils für feiernde junge Leute, andernteils aber auch für Badende, Spaziergänger und Sportler vor der Vermüllung zu bewahren. Unterstützt wird die Behörde dabei von der Initiative "Rettet den Werdersee" um Gerhard Bomhoff. Seit Jahren kämpft sie für saubere Ufer und insbesondere gegen die vielen Glasscherben.

Mit dem Bau von insgesamt sechs gepflasterten Grillplätzen am Badestrand und bei der Brücke am Deichschart, Hinweisschildern und 3000 "usbs"-Säcken investiert die Behörde insgesamt rund 20000 Euro. Golasowski: "Für die Ahndung nächtlicher Ruhestörungen durch laute Musik und von Sachbeschädigungen ist allerdings nach wie vor die Polizei zuständig."

Wenn sich das Pilotvorhaben Werdersee bewährt, könnte es laut Golasewski auch auf andere Bereiche wie Unisee oder Sodenmattsee ausgeweitet werden. Am Huchtinger Gewässer gibt es bereits eine ausgewiesene Grillfläche mit Metallbehältern für den Abfall. Doch auch hier sähe es nach lauen Abenden mitunter sehr wüst aus, wie Ortsamtsleiter Uwe Martin bedauert.

Einsicht im Bürgerpark

Zufrieden ist dagegen Bürgerpark-Direktor Werner Damke. Seit 1999 verbietet eine eigene Parkordnung Grillen und offene Feuer im gesamten Bürgerpark und Stadtwald. Zehn Schilder an markanten Punkten verweisen darauf. Laut Damke würden diese immer mal wieder missachtet, doch zeigten sich die meisten Leute einsichtig, wenn sie von Kontrolleuren angesprochen würden. Somit musste die schärfste Androhung, nämlich ein Parkverbot, bisher noch nicht ausgesprochen werden.

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