Chancen und Risiken der digitalen Welt

Digitale Angebote im Alter sicher nutzen

Der Verein „Ambulante Versorgungsbrücken“ bietet sich der Generation 60plus als Ansprechpartner für Fragen rund um die digitale Welt und Einstiegshilfen an. Nun ist er Mitglied im Netzwerk „Digital-Kompass“.
21.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Holthaus
Digitale Angebote im Alter sicher nutzen

„Wir wollen die Chancen und Risiken der digitalen Welt aufzeigen und Ängste abbauen“, sagt Ricarda Möller.

Christina Kuhaupt

„Das Lernen findet hier statt“, bringt es Ricarda Möller auf den Punkt. Hier, das sind die Ambulanten Versorgungsbrücken in der Humboldtstraße, die seit Anfang September Teil des Netzwerkes „Digital-Kompass“ sind. Dieses Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen über 60 Jahren den Umgang mit den digitalen Medien zu erleichtern.

Hinter dem „Digital-Kompass“ stehen die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) und der Verein „Deutschland sicher im Netz“ (DisN), ein gemeinnütziges Bündnis unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums des Innern. Der „Digital-Kompass“ bietet neben dem aktuellen Austausch auch gedruckte und digitale Medien sowie Seminare.

„Wir wollen als Bremer Seniorenbüro die Chancen und Risiken der digitalen Welt aufzeigen und Ängste abbauen“, sagt Ricarda Möller über die Arbeit der Ambulanten Versorgungsbrücken, die seit 2017 Tablet- und Smartphoneschulungen anbieten. Ihr Verein stehe in Bremen und Bremerhaven für die Generationen 60 plus als Ansprechpartner in allen Fragen rund um die digitale Welt zur Verfügung, so die Vereinsvorständin, und biete individuelle Begleitung beim digitalen Einstieg an.

Hohe Nachfrage nach Schulungen

„Die Nachfrage nach unseren Tablet- und Smartphone-Schulungen ist groß. Um dem gerecht zu werden, schulen wir ehrenamtliche Digitalassistentinnen und -assistenten, die den älteren Menschen zur Seite stehen können“, sagt Möller. Mit der Eröffnung des „Digital-Kompass“-Standorts in Bremen bekomme ihr Verein nun sehr gute Voraussetzungen, um seine Zielgruppe noch besser unterstützen zu können.

Als „Digital-Kompass“-Standort kann der Verein auf eine Vielzahl praxisnaher Informationsmaterialien zurückgreifen. Anleitungen zu den Themen Google Maps, Whatsapp oder Online-Banking sind ebenso dabei wie Erklärungen, wie Suchmaschinen oder Mediatheken funktionieren, wie ein Facebook-Profil eingerichtet wird oder online eingekauft werden kann.

In Zusammenarbeit mit den Diako-Gesundheitsimpulsen bietet der Verein auch Grundkurse für die Nutzung eines Smartphones an. Da lernen die Teilnehmenden zum Beispiel, was eine App ist und wie einzelne Anwendungen funktionieren, etwa die der Deutschen Bahn. Außerdem gehört der Verein zum bremenweiten Netzwerk „Digitalambulanz“: „Dort versuchen wir, die Offliner an die Thematik heranzubekommen“, sagt Möller.

Imke Engelbrecht, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit des Vereins, sagt: „Es gibt zu wenig Schulungen für digitale Angebote.“ Auch, um diesen Umstand zu ändern, engagiert sich der Verein darin, digitale Inhalte zu vermitteln. „Wir wollen, dass sich das verstetigt“, sagt Möller. „Wir sehen die digitale Welt als einen Teil des Gesundheitssystems, das muss gefördert werden.“

Und diese Förderung vollzieht sich in kleinen Schritten, wie Engelbrecht erläutert: „Zuerst wird klein angefangen: Es wird etwa gezeigt, wie eine SMS geschrieben und verschickt wird. Später schauen wir dann, wie zum Beispiel die Tagesschau-App funktioniert oder Skype.“

Praktische Vorteile bietet die digitale Welt ebenfalls, meint Wolfgang Gottschalk. Er leitet das Café WLAN: „Zum Beispiel kann man auf die digitale Zeitung umsteigen, damit man nicht mehr das Altpapier runterbringen muss.“ Das Café ist an jedem Freitag von 15 bis 17 Uhr geöffnet und es ist eine offene Sprechstunde für all diejenigen, die Fragen zum Thema Internet oder zu Endgeräten haben. Grundsätzlich sei diese Arbeit eine Vertrauensarbeit, sagt Möller. „Wenn man bei den Menschen angekommen ist, sind sie auch interessiert. Sie wollen dann einen Nutzen sehen, einen Vorteil.“

Eine Funktion zur Zeit

Online-Banking, Facebook, Mails, Whatsapp – „wenn man sich das punktuell vornimmt, also eine App zurzeit, dann ist das gut“, sagt Engelbrecht. Und nicht gleich das große Ganze. „Die Älteren wollen erst einmal eines, zum Beispiel SMS. Das machen sie dann wochenlang und kommen dann von alleine, um etwas Neues zu lernen. Doch das dauert.“

Was ein Problem darstellt, ist die in Bremen vielfach anzutreffende Altersarmut: „Die Endgeräte, das Internet und die Installation: Das alles ist teuer“, sagt Möller. Habe man sich dafür entschieden und benötige Hilfe, müsse man dort auch noch hin, was wiederum Fahrtgeld koste.

Die Vorständin findet: „Die älteren Menschen müssten da mehr Unterstützung haben.“ Jeder wolle schließlich selbstbestimmt älter werden, sagt sie. Deshalb gibt es im Café WLAN die Möglichkeit, sich beraten zu lassen. Was nach Möllers Ansicht ein weiterer Vorteil ist: „Man trifft Gleichgesinnte, tauscht sich aus – das ist Hilfe zur Selbsthilfe beim Älterwerden.“

Wissen um digitale Inhalte immer wichtiger

Die Ambulanten Versorgungsbrücken können zudem gespendete Tablets an ältere Menschen verleihen, die sich dafür interessieren. „Bevor sie sich ein teures Gerät kaufen, können sie auf diese Weise erst einmal feststellen, ob es etwas für sie ist“, sagt Möller. Die Ausleihe der Geräte ist an eine Schulung gekoppelt, die wöchentlich veranstaltet wird. Die Nutzung ist kostenfrei.

„Dem Alter sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Möller abschließend und ist überzeugt davon, dass das Wissen um digitale Inhalte immer wichtiger wird. „Alle Anträge und alle Behördengänge werden bald digital“, sagt sie und verweist auf die Telefon-Hotline. „Das ist die erste Hilfe, und die zweite gibt es dann hier bei uns. Wir brauchen für das Digitale immer auch die Menschen.“

Info

Zur Sache

Hotline für Generation 60plus

Die Ambulanten Versorgungsbrücken haben eine kostenfreie Hotline zur Unterstützung bei digitalen Fragen neu eingerichtet. Unter der Telefonnummer 0421/964 20 20 können Bremer und Bremerhavener der Generation 60plus von Dienstag bis Donnerstag jeweils von 10 bis 13 Uhr anrufen und Fragen zu Schwierigkeiten mit dem Smartphone oder Tablet stellen.

Lässt sich das Problem so nicht lösen, wird mit dem Verein ein zeitnaher Hausbesuch vereinbart. Die Eins-zu-eins-Unterstützung zu Hause ist kostenpflichtig: Für 60 Minuten zahlen Vereinsmitglieder elf, Nichtmitglieder 22 Euro.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu den Aktivitäten und zur Arbeit des Vereins sind im Internet unter https://ambulante-versorgungsbruecken.de zu finden.

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