Jugendliche zeigen 89 Exponate

„American Graffiti" im Kulturhaus Pusdorf

Woltmershausen. Im Kulturhaus Pusdorf ist die Kunstausstellung „American Graffiti“ der Oberschule Roter Sand, der Graffiti Nerd’s und Jugendlichen des Jugendraumes Horst zu sehen. Die Arbeiten werden bis zum 2. September gezeigt.
17.07.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von ANGELA SEEGERS
„American Graffiti" im Kulturhaus Pusdorf

Mona Thaden beim Gesang und mit ihrem Werk

Im Kulturhaus Pusdorf ist die Kunstausstellung „American Graffiti“ der Oberschule Roter Sand, der Graffiti Nerd’s und Jugendlichen des Jugendraumes Horst zu sehen. Die Arbeiten werden bis zum 2. September gezeigt.

Der Raum im Kulturhaus Pusdorf ist voller Schülerinnen und Schüler, die ihre Kunstwerke einer breiten Öffentlichkeit zeigen wollen. Zugleich ist es der Abschluss der freien Graffiti-Gruppe Graffiti Nerd’s, die jetzt eigene künstlerische und nach Schulabschluss berufliche Wege gehen werden und sich bei ihrem Mentor Siko Ortner, der dieses Projekt seit Jahren als Künstler und Graffiti-Dozent betreut, bedanken.

Die Ausstellung mit 89 Exponaten eröffnen die Schüler selbst mit einem Klaviersolo. Es spielt der 16-jährige Jan Erjawetz aus der Oberschule Utbremen, der nicht nur als Graffiti Nerd überzeugt, sondern auch als Pianist. Seine Bilder sind geprägt durch verschiedene Techniken und Farben, die nach der „Siko-Ortner-Lehrmethode“ erarbeitet wurden. Jan nimmt die Zuschauer mit in sein Bild. Begeistert und perfekt zeigt er seine gesprühten Mangas, japanische Comics, die eine lange Tradition in Japan haben. „Hier stehen sich Protagonist und Antagonist gegenüber, die das Gute und das Böse, Unscharfe verkörpern sollen, unterbrochen durch Linien, die sich wie eine dünne Eisschicht über das Gemälde spannen.“ In der Mitte dominiert sein Pseudonym „Sera“. Seiner großen Leidenschaft, dem Klavierspiel, hat er unten rechts im Bild einen Platz in Form eines Flügels eingeräumt.

In den drei Klavierstücken, die er vorträgt, wird er im Song „Yesterday“ der Beatles von Mona Thaden aus Woltmershausen als Sängerin begleitet. Die Schülerin der gymnasialen Oberstufe am Leibnizplatz, die ebenfalls als Graffiti Nerd seit drei Jahren unter Anleitung von Siko Ortner die Kunst der Graffiti erlernt hat, überzeugt mit ihrem Bild „Mona’s Lisa“, das im Eingang zum Kulturhaus hängt. Eine frappierende Ähnlichkeit mit der echten Mona Lisa von Leonardo da Vinci ist dem Gemälde nicht abzusprechen. Sie gesteht: „Da Vinci ist schon seit der Kindheit mein Favorit, er hat mich fasziniert.“ Eine logische Konsequenz, sein bekanntestes Werk zu sprayen.

Monas Eltern sind sichtlich stolz auf ihre Tochter. Neben dem Gitarrespiel und Gesang ist ihre Freizeit der Graffiti-Kunst gewidmet. Leise und tiefgründig ist ihr Ansatz. Sie erzählt von Außen-Graffiti, die sie mit den Graffiti Nerds gesprüht hat: am Restaurant Kostas in der Woltmershauser Straße, im Spiel- und Wassergarten im Weseruferpark, wo Container mit Landschaftsmotiven besprüht wurden, und eine Wand des Polizeisportvereins in der Volkmannstraße.

Der gebürtige Hamburger Siko Ortner (47) aus der Neustadt, der seit dreizehn Jahren in Bremen lebt, hat in der Graffiti-Kunstszene einen Namen, und viele Ausstellungen in Hamburg und Bremen zeugen davon. Er hatte aus der Aquarelltechnik kommend vor 25 Jahren das erste Mal eine Spraydose in der Hand, und es hat ihn seitdem nicht mehr losgelassen. Der Künstler betont: „Durch meinen Kunstunterricht sollen Jugendliche gelenkt werden, nicht illegal zu sprühen. Dafür stehe ich mit meinem Namen als Graffiti-Dozent. Graffiti ist Kunst und bietet den Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten, kreativ tätig zu sein.“

Graffiti-Kunst müsse aus der Illegalität heraus, erklärt Siko Ortner. Mit seinen Projekten für Kinder und Jugendliche gelingt ihm das. Er ist Feuer und Flamme, wenn er von seinen 5. und 7. Klassen der Oberschule Roter Sand, den Jugendlichen aus dem Jugendraum Horst und den Graffiti Nerds erzählt. „Sie sind alle so begabt, man muss sie nur an die Hand nehmen und mit ihnen arbeiten.“

Und das hat Franka Behrmann (13) aus Hude mit ihrem ersten Bild auch bewiesen. Sie hat vor einem Monat im Kurs angefangen und vielfarbige Luftballons mit ihrem Namenszug darunter in Schablonentechnik auf Papier gebannt. Stolz steht sie neben ihrer Mutter, die sie damals im Kulturhaus Pusdorf angemeldet hat. Frankas große Liebe gehört aber dem koreanischen Kampfsport Taekwondo.

Wie funktioniert eine Sprühdose?

Die zwölfjährige Didem aus Woltmershausen, Schülerin der 7. Klasse der Oberschule Roter Sand, hat sich zur Verstärkung zwei Freundinnen mitgebracht. Sie hat das Ausstellungsposter in Form von Stancels (Schablonentechnik), „Garfield in rosa DiDi Wolken“ erarbeitet. Schüchtern, aber selbstbewusst berichtet sie über die von Siko Ortner geleitete Unterrichtseinheit im Rahmen des Schulprojektes mit ihrer Schule. Einmal in der Woche sind die letzten zwei Stunden des Unterrichts für die Graffiti-Kunst vorgesehen. Die Schüler lernen erst einmal die Funktionsweisen von Sprühdosen kennen, es folgen Technikübungen (schmale Linien, Ausfüll- und Fadingtechnik, Farbverläufe, Farbübergänge, Sprenkel- und Drippingtechnik).

Nachdem die Spraytechnik „sitzt“, werden Papierschablonen (stancels) ausgeschnitten bevor weitere verfeinernde Nuancen mit diesen Schablonen ausprobiert werden. Die Erstellung einer Bleistiftzeichnung steht ganz am Anfang eines „Gemäldes“, wobei perspektivisches Darstellen, Licht- und Schattenaspekte eine wichtige Rolle spielen. „Es ist klassischer Kunstunterricht“, wie Siko Ortner betont. Er möchte auch Erwachsenen diese Kunstform eröffnen und arbeitet an einem zusätzlichen Workshop für Erwachsene.

Die Ausstellung „American Graffiti“ ist bis 2. September im Kulturhaus Pusdorf, Woltmershauser Straße 444, zu sehen. Im August ist das Haus allerdings nur zeitweise besetzt, da in der Zeit vom 4. bis 8.August ein Kulturcamp für Kinder und Jugendliche am Pusdorfer Strand stattfindet. Mehr Informationen unter www.kulturhaus-pusdorf.de.

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