Sieben Bäume in der Kurfürstenallee

Amerikanischen Eichen droht Kettensäge

Schwachhausen. In der Kurfürstenallee stehen Bäume mit grünen Farbklecksen. Plant der Umweltbetrieb Bremen eine Fällaktion? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
06.04.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Rainer Kabbert
Amerikanischen Eichen droht Kettensäge

Diese amerikanischen Eichen gehören zum Stadtbild in der Kurfürstenallee. Baumkontrolleure haben jüngst Auffälligkeiten an ihnen entdeckt und sie mit grünen Punkten bemalt. Nun stehen sie unter Beobachtung. Im Mai wird über ihr Schicksal entschieden.

Petra Stubbe

In der Kurfürstenallee stehen Bäume mit grünen Farbklecksen. Plant der Umweltbetrieb Bremen eine Fällaktion? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Die sieben amerikanischen Eichen zwischen Schwachhauser Heerstraße und Kirchbachstraße stehen unter Beobachtung, weil die städtischen Gärtner hier besonders viel Totholz entdeckt haben. „Diese Bäume könnten den Verkehr gefährden“, erläutert Pressesprecherin Kerstin Doty. Im Mai wird entschieden, ob sie stehen bleiben – oder nicht.

Einem aufmerksamen Bürger sind jüngst Bäume auf dem Mittelstreifen der Kurfürstenallee aufgefallen, denen grüne Punkte aufgemalt wurden: „Ich fürchte, dass der Umweltbetrieb Bremen zum nächsten Schlag ausholt. Das wäre sicherlich ein

Jammer,“ meint Hans-Dieter Lampe.

Unwahrscheinlich ist es nicht, dass seine seine Befürchtung wahr wird. Denn Kerstin Doty, Pressesprecherin des Umweltbetriebs, bestätigt einen kritischen Zustand der sieben bemalten amerikanischen Eichen zwischen Schwachhauser Heerstraße und Kirchbachstraße. Während einer regelmäßigen Kontrolle sind vom Baumkontrolleur viele abgestorbene Äste entdeckt worden. Zudem ist Pilzbefall sichtbar, und der Specht hat Löcher in die Stämme gepickt – ein Indiz für eher weiches, vielleicht sogar morsches Holz. Die Bäume stehen nun unter besonderer Beobachtung.

Deshalb die grünen Punkte. Wobei die Farbe nichts über kommende Aktionen des Umweltbetriebs Bremen aussagt. Etwa nach dem Motto: Grün als grünes Licht für die Motorsägen, Rot für „Finger weg vom Baum“. „Da hat jeder Gärtner sein eigenes Farbsystem“, weiß Kerstin Doty. Der Farbklacks ist für den Mitarbeiter nur ein Hinweis, sich den Baum bei passender Gelegenheit noch einmal anzusehen.

Entscheidung im Mai

Doch bevor der Baum zu Boden kracht, wird sein Todesurteil noch von verschiedenen Instanzen überprüft. So blickt der Bezirksmeister – die Stadtteile in Bremen hat der Umweltbetrieb in Bezirke aufgeteilt – noch einmal auf das Geäst, ebenso der Referatsleiter des betroffenen Bezirks. Und bei sehr alten und wertvollen Bäumen wird auch schon mal ein externes Gutachten eingeholt. Im letzten Jahr waren es 186.

Anfang Mai wird Ralf Möller die Bäume noch einmal gründlich unter die Lupe nehmen. Der Referatsleiter für Grünflächenunterhaltung wird dann entscheiden, ob nur Totholz aus den Kronen geschnitten wird oder ob die Eichen weichen sollten. Im Oktober. Bisher, sagt er, ist die Situation nur „auffällig“, noch nicht „hochgradig gefährlich“. Wobei die amerikanische nicht mit der deutschen Eiche vergleichbar ist: Die amerikanische wächst viel schneller, ähnlich wie eine Pappel.

2013 mussten wegen Schäden rund 800 Bäume gefällt werden – bei rund 70 000 Straßenbäumen. Leicht fällt es den Gärtnern offenbar nicht. „Baumfällungen sind ein emotionales Thema in Bremen“, meint Doty, „hier und da wird ja auch Kritik von Bürgern geübt, die traurig über das Ende eines Baumes sind.“ Auch ihr, gesteht sie, sei es ähnlich ergangen – bevor sie Sprecherin des Umweltbetriebs Bremen wurde. Nun aber kennt sie Ursachen und Gründe, warum aus Bäumen Kleinholz wird.

Eiche, Linde, Buche und Ahorn sind die Arten, die am häufigsten gefällt werden. Gefolgt von Platane, Hainbuche, Mehlbeere, Birke, Esche und Robinie. Der Umweltbetrieb, sagt sie, habe die Verkehrssicherheit im Blick. „Niemand möchte, dass Menschen durch geschädigte und deshalb herabstürzende Bäume verletzt werden“, sagt Doty. Für Laien seien Schäden in der Krone nun mal nicht so leicht zu erkennen, und wenn dann ein Sturm das Gewächs aus dem Gleichgewicht bringt. . . „Bäume sind organische Wesen und auf Straßen großen Belastungen ausgesetzt“, gibt Doty zu bedenken. Mit Abgasen, Streusalz und Trockenperioden. Die Lebensdauer der Gehölze ist begrenzt. Wobei ein Ziel des Umweltbetriebs auch ist, sie möglichst lange zu erhalten.

Zielkonflikte zwischen Erhalt des Baumbestands und Verkehrssicherheit sieht Doty nicht. Entweder der Baum ist gesund – dann bleibt er stehen. Oder er ist krank mit viel Totholz – dann muss er weg. Wobei Doty auch Fällungen von gesunden Bäumen kennt: Zur Bestandssicherung werden Bäume abgesägt, damit sich die anderen besser entwickeln können.

Dabei wirft der Umweltbetrieb nicht nur die Kettensägen an, sondern sorgt auch für Aufwuchs. Auf 3 zu 2 schätzt die Pressesprecherin das Verhältnis zwischen Fällaktion und Neupflanzung. Wobei die finanziellen Mittel für den Nachwuchs nicht ausreichen. 2014 und 2015, sagt Referatsleiter Möller, wird es keine Neupflanzungen geben. Deshalb ruft Umweltbetrieb Bremen auf seiner Homepage zu Baumspenden auf. „Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der Stadt einen Baum!“, kann man unter www.umweltbetrieb-bremen.de lesen. So eine Patenschaft für einen Straßenbaum kostet 800 Euro, mit denen Aufzucht in der Pflanzenschule, Ankauf, Transport, Ausheben der Pflanzgrube und die entsprechenden Verankerungen abgegolten sind. Wer will, kann auch eine Teilpatenschaft übernehmen. Die ist schon ab 50 Euro zu haben.

Damit werden Baumlücken geschlossen. Die könnten im Herbst auch in der Kurfürstenallee entstehen – wenn die Bäume zwischen Schwachhauser Heerstraße und Kirchbachstraße die Bewährungsfrist nicht überstehen und gefällt werden.

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