Polizei und Verkehrsbehörde: Kein Unfallschwerpunkt

Ampelschaltung stiftet Verwirrung

„Es soll verhindert werden, dass Fußgänger auf der Mittelinsel warten müssen.“ Martin Stellmann vom ASV Altstadt·Ostertor.
25.02.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Liane Janz

An diesen Kreuzungen scheiden sich die Geister. Kritiker und Passanten sehen eine Gefahr, für das Amt für Straßen und Verkehr und die Polizei ist dagegen alles in bester Ordnung. Konkret geht es um die Ampelschaltung an den Kreuzungen Sielwall, Vor dem Steintor, Am Dobben und Ostertorsteinweg sowie Am Wall, Ostertorstraße und Altenwall, die für Verwirrung sorgen. Brenzlige Situationen sind die Folge.

An beiden Kreuzungen gibt es für jede Art von Verkehrsteilnehmer eine Ampel. An der Sielwallkreuzung sind Radfahrer- und Autofahrerampeln gleichgeschaltet. Autofahrer und Radler haben länger Grün als die Fußgänger. Stadteinwärts kommt es immer wieder zu Beinahe-Zusammenstößen.

Vom Ostertorsteinweg haben Autofahrer die Möglichkeit, links in den Dobben abzubiegen. Dann haben die Radfahrer, die aus dem Steintor kommen und geradeaus ins Ostertor weiterfahren, noch Grün. Autofahrer, die aus dem Ostertor kommen, sehen das aber nicht. Sie sehen nur die – gegebenenfalls schon rote – Fußgängerampel. Wenn also ein Radfahrer angerauscht kommt und – korrekterweise – über die Straße fährt, registriert der linksabbiegende Autofahrer das eventuell zu spät, wähnt sich im Recht, weil die Fußgängerampel ja schon rot ist, und hat entweder den Radfahrer auf der Haube liegen oder muss mit allem, was er hat, in die Bremse treten.

Weiter vorn, am Anfang des Ostertors, liegt ein anderes Problem vor. Die Ampel dort wird je nach Verkehrsaufkommen unterschiedlich geschaltet. Dadurch kann keine Routine aufkommen. Mal haben die Radfahrer die längste Grünphase, indem sie zuerst Grün bekommen und die Fahrradampel auch erst nach der Autoampel auf Rot umspringt. Das sei für Rechtsabbieger hinderlich, die vom Wall an der Kunsthalle aus kommend in den Wall am Polizeirevier Mitte abbiegen wollen, sagen Kritiker. Vor allem zu Stoßzeiten, wenn auf der Strecke viele Radfahrer unterwegs sind, könne der rechtsabbiegende Autoverkehr nur schwer abfließen.

Darüber hinaus sind auch Passanten an dieser Ampel verwirrt, denn die Fußgänger in derselben Richtung bekommen keinesfalls alle gemeinsam Grün. Dadurch darf eine Richtung schon über die Straße laufen, während die Gegenrichtung noch Rot hat. Man zucke immer schon, wenn man sieht, dass die Gegenseite läuft, beschreibt eine Fußgängerin die Situation. Beim Blick auf die Ampel sehe sie dann aber, dass sie noch gar nicht gehen dürfe. „Die Fußgänger-Anfangsgrünzeiten für die einzelnen Querungen sind nicht für alle Richtungen gleich, weil die beiden Fußgängerfurten über den Wall beziehungsweise Altenwall jeweils eine Mittelinsel für die Querung haben. „Hier werden die Fußgängergrünzeiten gestaffelt freigegeben“, teilt ASV-Sprecher Martin Stellmann auf Nachfrage mit. „Damit soll verhindert werden, dass die Fußgänger auf der Mittelinsel warten müssen.“ Sie sollen die gesamte Furt in beiden Richtungen möglichst in einem Zug passieren können.

Das funktioniert aber nur bedingt, denn nicht selten ist es so, dass gerade Kindergruppen sich auf der Mittelinsel drängen oder mit Erlaubnis der Kontaktpolizisten und von ihnen geführt, die Straße auch bei Rot überqueren. Und es gibt viele Kindergruppen, die über diese Kreuzung kommen. Sowohl Kunsthalle als auch das Theater am Goetheplatz bieten Führungen beziehungsweise Vorstellungen für Kinder an. Und die Busse der Auswärtigen parken dann häufig am Altenwall. Auch der Spielplatz Robinsöhnchen zieht viele Kinder an. „Wenn sie von der Innenstadt kommen, sehen sie Erwachsene, die vermeintlich bei Rot gehen“, sagt eine Fußgängerin, die als ehemalige Schülerlotsin den ganz Kleinen kein schlechtes Vorbild sein will. „Zumindest wenn ich auf meiner Seite alleine bin, bleibe ich solange stehen, bis die Kinder gegenüber auch Grün haben.“

Mit den Recherchen des Stadtteilkuriers konfrontiert, haben das Amt für Straßen und Verkehr und die Polizei die genannten Kreuzungen überprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen: Alles in Ordnung. Das ASV wird an den Schaltungen nichts ändern und auch die Polizei sieht keine Veranlassung. „Die Radverkehrssignalisierung hat phasenweise einen Grünlichtvor- und -nachlauf gegenüber dem MIV (Anmerkung: motorisierten Individualverkehr) und den ÖPNV-Signalen. Es wurden keine Behinderungen und/oder Gefährdungen zwischen dem MIV/ÖPNV und dem Radverkehr festgestellt“, heißt es von der Polizei-Pressestelle. Alles sei gesetzeskonform.

Und weiter: „Aufgrund der Zunahme des Radverkehrsanteils und der wissenschaftlich hinterlegten Verkehrsunfallanalysen der letzten Jahre, ist unter anderem eine direkte Radverkehrsführung, wenn technisch möglich, allen anderen Verkehrsführungen vorzuziehen.“ Auf eine Unfallstatistik speziell für diese beiden Kreuzungen angesprochen, teilt die Polizei mit, dass es 2015 an beiden Kreuzungen insgesamt vier Unfälle mit Rad- und Autofahrern gegeben habe – weil rechtsabbiegende Autofahrer Radfahrer in derselben Richtung übersehen oder Radfahrer ihr Rotlicht missachtet hätten.

„Eine Orientierung durch Verkehrsteilnehmer auf eine andere als die für ihn geltende LSA (Anmerkung der Redaktion: Amtsdeutsch für Lichtsignalanlage) darf grundsätzlich nicht erfolgen“, äußert sich die Polizei zur gestaffelten Ampelschaltung für Fußgänger. „Aus allen Vorschriften und Rechtsprechungen ist hier kein Urteil bekannt, das grundsätzlich diese Darstellung positiv regelt. Außerdem ist es nie auszuschließen, dass andere Verkehrsteilnehmer ,ihr’ Rotlicht missachten.“ Es bleibt, wie es ist.

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