Früherer Jura-Professor und Frau vor Gericht

Strafbefehl gegen Bremer Betrüger-Paar

Wegen mehrerer Betrugs- und Untreuehandlungen hat das Amtsgericht Bremen einen Strafbefehl gegen einen ehemaligen Jura-Professor und seine Frau erlassen. Die Angeklagten waren zur Verhandlung nicht erschienen.
14.11.2020, 05:00
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Strafbefehl gegen Bremer Betrüger-Paar
Von Jürgen Theiner
Strafbefehl gegen Bremer Betrüger-Paar

Nach Auffassung des Gerichts hatten die Angeklagten das Vermögen der Günter-Grass-Stiftung geschädigt.

Christina Kuhaupt

Ein ehemaliger Jura-Professor und eine frühere Stiftungs-Geschäftsführerin als Angeklagte vor Gericht – das hat Seltenheitswert. Am Freitag sollte sich das Ehepaar wegen teils gemeinschaftlich verübter Betrugs- und Untreuedelikten vor dem Amtsgericht verantworten, doch die beiden zogen es vor, nicht zu erscheinen. Abgeschlossen wurden das Verfahren trotzdem. Das Schöffengericht verhängte gegen die Eheleute Strafbefehle, die Haftstrafen zur Bewährung von jeweils einem Jahr sowie Geldstrafen von insgesamt 3600 Euro vorsehen.

Das Ehepaar hat sich über die Jahre in Bremen durch eine ganze Reihe mutmaßlicher Betrügereien einen Ruf wie Donnerhall erworben. So wurde dem früheren Lehrstuhlinhaber an der Universität Bremen vorgeworfen, in mehreren Fällen Häuser gekauft zu haben und den Eigentümern den Kaufpreis schuldig geblieben zu sein, unter anderem in Borgfeld. In dem Zusammenhang waren mehrere Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Trotz dieser Vorgeschichte hatte der einst renommierte, inzwischen hoch verschuldete Jurist im Frühjahr 2019 erneut versucht, über einen Makler eine teure Immobilie in Oberneuland zu erwerben. Das Geschäft kam nicht zustande, weil der Vermittler bei einer Wirtschaftsauskunftei eine Bonitätsauskunft einholte, die desaströs ausfiel.

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Trotz seiner faktischen Mittellosigkeit lebte das Ehepaar, das zwei gemeinsame Kinder hat, gern auf großem Fuß und quartierte sich zeitweise in gehobenen Hotels ein, deren Betreiber am Ende auf dem größten Teil der Rechnung sitzen blieben.

In der Anklage, die die Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht erhoben hatte, fand sich allerdings nur ein sehr kleiner Teil dieser mutmaßlichen Delikte wieder. Sie reduzierte sich auf drei Fälle. In einem davon ging es um Untreuehandlungen zulasten der eigenen Kinder, denen aus einem Vermächtnis jeweils knapp 100.000 Euro zustehen. Als gesetzliche Vertreter hatten die Eheleute nach Darstellung der Staatsanwaltschaft über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder Teilbeträge von den Konten der Kinder auf andere Konten umgebucht, später abgehoben und für eigene Zwecke verwendet.

Abzweigung aus Stiftungsvermögen

Ein zweiter Betrugsvorwurf der Staatsanwaltschaft zielte auf nicht bezahlte Handwerkerrechnungen. Der dritte hatte mit einem Skandal zu tun, der im Frühjahr 2018 die in Bremen ansässige Günter-Grass-Stiftung erschütterte. Damals wurde bekannt, dass die Angeklagte vor ihrem Ausscheiden als Geschäftsführerin im Sommer 2017 einen größeren Geldbetrag aus dem Stiftungsvermögen abgezweigt hatte. Später legten die Eheleute vor einem Notar ein gemeinschaftliches Schuldanerkenntnis über einen Betrag von 23.660 Euro ab.

Diese Sachverhalte hätten am Freitag in einer öffentlichen Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht aufgeklärt werden sollen. Zum Prozessbeginn um 9 Uhr waren das Schöffengericht, der Staatsanwalt und die beiden Strafverteidiger im Sitzungssaal versammelt, nur die beiden Angeklagten glänzten durch Abwesenheit. Nach kurzen rechtlichen Beratungen zwischen den Prozessparteien wurde entschieden, das Verfahren per Strafbefehl zu erledigen. Binnen 14 Tagen wird nun eine Erklärung von den Eheleuten erwartet, ob sie ihn akzeptieren. Falls nicht, wird es voraussichtlich einen zweiten Termin geben.

Schaden im hohen fünfstelligen Bereich

In den Zuschauerreihen verfolgte mit Peter Bischoff auch einer der Geschädigten die kurze Verhandlung. Im Zusammenhang mit einem gerade noch rechtzeitig gestoppten Hausverkauf an das betrügerische Ehepaar war dem Worpsweder Rentner ein Schaden im hohen fünfstelligen Bereich entstanden. Nach der Verkündung des Strafbefehls wirkte Bischoff konsterniert.

Gemessen daran, dass die jetzt verurteilten Eheleute seit vielen Jahren immer wieder gutgläubige Menschen um ihr Hab und bringen, sei das Urteil enttäuschend. „Im Verhältnis zu den Taten ist das nicht angemessen“, sagte Bischoff. Leider werde den Geschädigten nicht einmal dabei geholfen, den aktuellen Wohnsitz des Ex-Professors und seiner Frau in Erfahrung zu bringen. Der Worpsweder will sich bei der Staatsanwaltschaft dafür einsetzen, dass sie sich mit dem Strafbefehl nicht zufrieden gibt. Sein Ziel bleibe es, dass der einstige Rechtsprofessor „endlich mal in den Knast geht“.

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