Feuerwerk der Turnkunst in Bremen An die Grenze der Vorstellungskraft

Das Feuerwerk der Turnkunst ist am Montag und Dienstag in Bremen zu Gast gewesen. Knapp 16.000 Zuschauer haben sich von der atemberaubenden Show begeistern lassen.
06.01.2016, 00:00
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An die Grenze der Vorstellungskraft
Von Kristin Hermann

Das Feuerwerk der Turnkunst ist am Montag und Dienstag in Bremen zu Gast gewesen. Knapp 16.000 Zuschauer haben sich von der atemberaubenden Show begeistern lassen.

Das große Licht erlischt, der Spot ist auf Felice Aguilar gerichtet. Sie tanzt und verrenkt sich auf einer Drehscheibe, die auf einen großen Kubus montiert ist. All seine vier Seiten zeigen auf LED-Wänden die Bewegungen, die die 1,55 Meter große Frau macht. So wie sie sich dort oben dreht, sieht Aguilar wie eine Ballerina auf einer Spieluhr aus – grazil und anmutig. Die Tochter von Regisseurin Heidi Aguilar nimmt die Besucher der ÖVB-Arena mit in eine Welt der Vorstellungskraft.

Unter dem Titel „Imagine“ gastierte das Feuerwerk der Turnkunst am Montag und Dienstag in der ÖVB-Arena und begeisterte wie schon in den Vorjahren das Publikum mit Akrobatik, Tanz und vielen Emotionen. Zu den zwei Abendvorstellungen kamen insgesamt knapp 16.000 Besucher. Heidi Aguilar hat sich in diesem Jahr etwas Besonderes für das Spektakel des Niedersächsischen Turner-Bundes einfallen lassen. Knapp die Hälfte der Darbietungen wird mit Live-Musik durch die Band Foxos begleitet.

Bevor Felice Aguilar in ihre Traumwelt entführte, wurde die Show von zwei Lokalgruppen von Bremen 1860 eröffnet. In Schwarz und Rot tanzten die Gymnastinnen zu stimmungsvoller Bolero-Musik. Anschließend zeigten knapp 70 Turner des Klubs im Alter zwischen sechs und 45 Jahren erstmals einen Showtanz, den sie im Vorfeld speziell für diesen Abend eingeübt hatten. Sängerin Diana Babalola tanzte mit den Vereinsmitgliedern zu dem Song „Enjoy your rhythm“ den Turnfest-Tanz, den die Vereine als eine eigene Alternative zu Zumba entwickelt haben.

Für ihren ersten großen Auftritt haben die Nachwuchstänzer von 1860 im Vorfeld mit ihren Trainerinnen Luca Krohn und Francisca Andersen fleißig geübt. „Wir konnten aber nie mit allen zusammen tanzen“, sagt Andersen. „Das war heute Premiere.“ Für Leonie und Merle ganz schön aufregend. „Wir sind noch nie vor so vielen Menschen aufgetreten“, sagen die beiden Elfjährigen. Angst und Aufregung waren unbegründet. Der Auftritt glückte ohne große Patzer.

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Imagine – das Motto haben Aguilar und ihr Team nicht etwa gewählt, weil ihnen der Song von John Lennon so sehr am Herzen liegt, sondern weil man bei einigen der Nummern der Show seine ganze Vorstellungskraft benötigt. Bei einem ganz besonders: Wall Clown Tobias Wegner. Ähnlich wie Felice Aguilar nutzt auch er bei seinem Auftritt den knapp zwei Meter großen Videowürfel. Dabei spielt er mit Perspektiven und Realitäten. Man weiß nie, ob Wegner gerade die Wand hochgeht oder auf dem Rücken strampelt. Beim Publikum kommt die verdrehte Wirklichkeit gut an. Wegner bringt sie zum Lachen und Staunen.

Beifall ohne Ende erntete auch die Dancefloor Destruction Crew (DDC). Die fünf jungen Männer kombinieren in ihrer Tanzformation Breakdance mit Klassik und Swing. Zu einem abwechslungsreichen Musikmix wechselten sie zwischen den verschiedenen Tanzrichtungen und sorgten mit ihren humorvollen Einlagen für viele Lacher.

Bereits zum zwölften Mal macht die Show des Niedersächsischen Turner-Bundes auf der Bremer Bürgerweide halt. Zu den Acts der Show gehören Künstler aus der ganzen Welt. Die Nachfrage ist so groß, sagen die die örtlichen Veranstalter von Spospom, einer Tochterfirma von Bremen 1860, dass das Feuerwerk mittlerweile nicht mehr nur an einem, sondern an zwei Tagen in der ÖVB-Arena stattfindet. Zwar gab es noch einige Restkarten für beide Abende, trotzdem ist Veranstalter Jan Brüning mit der Auslastung von insgesamt 16 000 Zuschauern zufrieden: „Wir freuen uns, dass das Format so beliebt ist“, sagt er.

Die Chinesen von Troupe Yunnan sind die Publikumslieblinge

Das Feuerwerk der Turnkunst ist ein Wechselbad der Gefühle. Neben den temporeichen Nummern von DDC oder Totem Entertainment zeigen die Artisten auch immer wieder emotionale Darbietungen, die zum Träumen und Nachdenken anregen wie Rosa Tyyskä am Cyr-Ring, die Ukrainer Viktoria Gnatiuk und ihr Partner Artem Ghazarian, die akrobatische Meisterleistungen in einer lichtgetränkten Wasserschüssel vorführen oder Lin Deng und Miao Changwei, bei denen Ballett auf Kopf und Schulter getanzt wird. Viel Applaus erhielt das Tanzduo Piti für seine Vorstellung. Die beiden Männer Pierre Büchner und Timo Gödeke sind die aktuellen Gewinner der Fernseh-Tanzshow „Got to Dance“ und verschmelzen Ballett und Akrobatik miteinander.

Absolute Publikumslieblinge sind an diesem Abend aber eine Gruppe junger Männer aus China, die in zwei verschiedenen Nummern die ÖVB-Arena zum Jubeln bringen. Die Troupe Yunnan hüpft und springt über und durch alles, was ihnen in die Quere kommt. Das sind zunächst meterhohe Metallreifen, durch die sie mit einer Dynamik springen, die man sonst nur aus dem Zirkus kennt. In der zweiten Vorstellung hüpfen sie vom Trampolin an hohe Stangen und turnen daran. Zwischenzeitlich animieren sie die Bremer erfolgreich zum Klatschen und Mitwippen – begleitet von toller Musik und einer genau abgestimmten Lichtshow. „Die haben am meisten Stimmung gemacht, das hat uns gut gefallen“, sagen Wibke Ditman und ihre Tochter Selina, die sich schon das zweite Jahr in Folge das Feuerwerk der Turnkunst anschauen. Dafür reisen sie extra aus der Nähe von Hamburg an. „Uns gefällt die Leichtigkeit der Turner.“

Und diese Leichtigkeit bleibt bis zum Schluss. Das krönende Finale gehört Bo Li. Während alle Akrobaten und Künstler wieder auf die Bühne kommen und Foxos den extra für die Show komponierten Song „Imagine“ singen, zeigt der junge Chinese eine völlig neue Handstandartistik auf sieben Meter langen Bambusstäben. Was er auf den schwingenden Stäben leistet, braucht, wie die Show selbst, viel Vorstellungskraft, um es glauben zu können.

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