Serie „Die Brinkmänner“ An Erfolgsrezepten für den Pfeifentabak Stanwell mitgewirkt

Für den heutigen Gerd Meyer, der 1971 bei der Martin Brinkmann AG anfing, drehte sich in der letzten ­Periode seines Berufslebens fast alles um die Pfeifentabak-Marke Stanwell.
21.06.2019, 18:10
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
An Erfolgsrezepten für den Pfeifentabak Stanwell mitgewirkt
Von Detlev Scheil

Die Werbespots mit den Knollennasen-Figuren von Loriot und dem eingängigen Merksatz sind längst Kult: „Drei Dinge braucht der Mann: Feuer – Pfeife – Stanwell“. Dass der Pfeifentabak Stanwell ein Produkt der Martin Brinkmann AG in Bremen war, ist allerdings eher wenig bekannt. Er brachte viel Geld ein.

Die erstmals im Jahr 1964 bei Brinkmann in Lizenz produzierte Tabakmarke erfreut sich mit zahlreichen Geschmacksvarianten bis heute bei passionierten Pfeifenrauchern großer Beliebtheit. Ein Vertriebszentrum verblieb in der Hansestadt: die Stanwell Nobel Vertriebs GmbH, die seit 2003 zum dänischen Konzern Scandinavian Tobacco gehört und eine Niederlassung in der Überseestadt hat.

Für den heutigen Rentner Gerd Meyer, der 1971 bei Brinkmann anfing, drehte sich in der letzten ­Periode seines Berufslebens fast alles um Stanwell. 1988 übernahm er die Geschäfts­führung der wenige Jahre zuvor von Brinkmann gegründeten Stanwell Nobel GmbH. Seine Mission: „Die neue Firma sollte den Pfeifentabak-Absatz, der bei Brinkmann einige Zeit vernachlässigt worden war, wieder auf gute Beine stellen“, berichtet Meyer. Der Name Stanwell gehörte zu einer großen dänischen Pfeifenfabrik, die 1982 vom Konzern Rothmans übernommen wurde; seit 1972 hatte Rothmans bereits bei Brinkmann das Sagen. Als Stanwell in den 60er-Jahren in Brinkmanns Produktionspalette aufgenommen wurde, gab es in der Bundesrepublik noch etwa 2,8 Millionen Pfeifenraucher. Wie Marktanalysen von Brinkmann besagen, verschmauchten sie binnen Jahresfrist etwa 6000 Tonnen Tabak. Zum Vergleich: Heute gibt es in ganz Deutschland etwa 800 000 Pfeifenraucher.

Hauptlieferant der deutschen Pfeifenraucher war in den 60er- und 70er-Jahren eindeutig die Bremer Martin Brinkmann AG, die auf einen Marktanteil von fast 50 Prozent kam. Allein im Jahr 1969 setzte sie rund 100 000 Kilogramm Pfeifentabak ab. Die Marken Stanwell und Lincoln Cavendish waren unter den mehr als 1000 Tabakmischungen in Westdeutschland unangefochtene Bestseller. „Es lief viele Jahre sehr, sehr gut für Brinkmann“, sagt Gerd Meyer, der heute in Ganderkesee wohnt. Die Gewerkschaft NGG (Nahrung, Genuss, Gaststätten) habe die Bremer Tabakfabrik wegen der großzügigen Sozialleistungen für ihre Beschäftigten sogar als Aushängeschild betrachtet.

Dass die Brinkmann-Chefs Gerd Meyer einiges zutrauten, zeigte sich früh. Nach einem Betriebswirtschaftsstudium hatte er als 27-Jähriger 1971 in der Hamburger Niederlassung beim Vertrieb der Brinkmann-Zigaretten angefangen. Dann ging es Schlag auf Schlag. Etwa alle zwei Jahre kletterte er auf der Karriereleiter eine Stufe höher: 1978 wurde er Verkaufsleiter im Rhein-Main-Gebiet, bald darauf Verkaufsdirektor für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. 1982 übernahm er in Bremen die Leitung des gesamten Außendienstes, dem rund 450 Mitarbeiter angehörten.

Mitte der 80er-Jahre kam für viele Beschäftigte überraschend der Umbruch. Die fetten Jahre waren vorbei. Brinkmann hatte einige Trends und technische Innovationen sträflich vernachlässigt. Ein harter Einschnitt sollte das Unternehmen wieder profitabler machen. Meyer: „Zuvor war Brinkmann als sehr soziales Unternehmen bekannt und beliebt. Doch dann wurden wegen der Produktionsverlagerungen nach Berlin plötzlich 1000 Mitarbeiter in Bremen abgebaut.“ Auch die Verkaufsdirektion wurde umgekrempelt, sodass Gerd Meyer zur neuen „Fachberatung Pfeifentabak“ (später in Stanwell Nobel umbenannt) wechselte. Tatsächlich gelang es ihm zusammen mit seinen Leuten, den Umsatz zu stabilisieren. Angesichts der rückläufigen Zahl von Pfeifenrauchern ein Riesenerfolg. „Es half, dass wir jedes Jahr eine neue Stanwell-Geschmacksrichtung auf den Markt brachten“, so Meyer. Nach der Fusion von Rothmans, die sich Brinkmann einverleibt hatten, und British American Tobacco (BAT) 1999 erteilte das Bundeskartellamt die Auflage, Stanwell Nobel abzugeben. 2003 ging die Firma an den Konzern Scandinavian Tobacco, der neben Pfeifentabak diverse Marken und Produkte aus den Bereichen Zigarren, Zigarillos sowie Pfeifen verkauft. Meyer machte den Wechsel mit und blieb Stanwell-Manager bis 2006.

Info

Zur Sache

Die Artikelreihe

In der ehemaligen Zigaretten- und Tabakfabrik Martin Brinkmann AG in Woltmershausen waren einige Tausend Mitarbeiter beschäftigt. Das Firmengelände ist jetzt im Umbruch: Rund 1200 Wohnungen sollen dort entstehen und die alten Gebäude für moderne Bürolofts genutzt werden. In dieser Artikelreihe, deren Beiträge in unregelmäßiger Folge erscheinen, erinnern sich frühere Beschäftigte an ihre Arbeit in den verschiedenen Brinkmann-Abteilungen. Im nächsten Teil stehen die Rohtabak-Abteilung und die Tabakfabrik im Mittelpunkt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+