Vor 100 Jahren starb der große Bremer Mäzen / Wittheit erinnert mit Vorträgen an ihn An Franz Schütte kommt keiner vorbei

Altstadt. Vor 100 Jahren, am 11. Februar 1911, ist Franz Schütte gestorben. Der bedeutende Stifter und Mäzen hat der Hansestadt Bremen vieles hinterlassen, das heute noch das Stadtbild prägt. Die Wittheit zu Bremen erinnerte im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5, an den Petroleumkönig.
21.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Susanne Labatzke

Altstadt. Vor 100 Jahren, am 11. Februar 1911, ist Franz Schütte gestorben. Der bedeutende Stifter und Mäzen hat der Hansestadt Bremen vieles hinterlassen, das heute noch das Stadtbild prägt. Die Wittheit zu Bremen erinnerte im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5, an den Petroleumkönig.

Professor Hans Kloft, Vizepräsident der Wittheit zu Bremen, begrüßte die Zuhörer im Olbers-Saal zu der Jubiläumsveranstaltung. Besonders herzlich hieß er die anwesenden Mitglieder der Familie Schütte willkommen, die auf den ersten Stuhlreihen Platz nehmen konnten.

Der pensionierte Althistoriker der Universität Bremen gab das Wort an Professor Konrad Elmshäuser vom Staatsarchiv weiter, der in einer Kurzbiografie das Leben und die Stiftungstätigkeiten Franz Schüttes zusammenfasste. Dabei zeichnete er das Bild des Flaneurs, der auf seinem Spaziergang durch die Hansestadt nicht an Franz Schütte vorbeikommt.

Botanischen Garten gestiftet

Der Kaufmann habe beispielsweise Anfang des 20. Jahrhunderts den großen Botanischen Garten am Osterdeich (später nach Horn verlagert) gestiftet, das Bismarck-Denkmal, die Türme des Doms, den Neubau des Rathauses und etliches mehr mit Stiftungsgeldern mit finanziert. Seinen märchenhaften Reichtum erlangte der 1836 geborene Franz Schütte durch das neue Ölimportgeschäft. Der Petroleumkönig, so fasste es Konrad Elmshäuser zusammen, habe mit seinen Wohltaten und seiner Freigiebigkeit beispiellosen gesellschaftlichen Aufstieg erlangt. Schon damals förderte er Familien in Not und die Aus- und Weiterbildung begabter junger Menschen. Noch heute übernimmt diese Aufgabe die aus dem Nachlass gegründete Franz-Schütte-Stiftung in Bremen.

In Bremen erinnert die von seinen Erben mitbezahlte Franz-Schütte-Allee zwischen Rockwinkeler Landstraße und der Straße In der Vahr an den Mäzen - die gegen einigen Protest 1994 noch ein Stück an die Richard-Boljahn-Allee verlor (siehe Bericht "Der Petroleumkönig" von Erika Thies, WESER-KURIER vom 11. Februar).

Professorin Marita Krauss, die von 2005 bis 2008 in Bremen gelehrt hatte, sprach im Haus der Wissenschaft über Mäzenatentum und Bürgertum im 19. Jahrhundert und lieferte damit Hintergrundinformationen zum Thema. Die Professorin für Regionalgeschichte an der Universität Augsburg zeigte am Beispiel Bayerns die Bedeutung des Mäzenatentums für die Wirtschaftsgeschichte auf und schilderte ihr neuestes Forschungsvorhaben zu den etwa 2000 Kommerzienräten in Bayern in den Jahren 1880 bis 1923.

Der prestigeträchtige Ehrentitel des Kommerzienrats, verbunden mit einem staatlichen Amt, war für viele Industrielle und Kaufleute interessanter als ein Adelstitel, weil damit wichtige Netzwerke zwischen Staat, Wirtschaft und Industrie aufgebaut wurden. Die zahlreich erhaltenen Gutachten, ob man des Titels würdig sei, enthalten wichtige Informationen zu den Lebensläufen innovativer Unternehmer und ihren sozialen und kulturellen Aktivitäten.

Ein idealer Kommerzienrat war zwischen 50 und 60 Jahren alt und lebte in geordneten Verhältnissen, führte Professorin Marita Krauss aus. Er sollte seriös und parkettsicher sein. Sein solider bürgerlicher Charakter sollte dem ehrbaren Kaufmann ein Anliegen sein. Er hatte auch für das Wohl seiner Arbeiter zu sorgen. "Wer sich für das Gemeinwohl einsetzte, qualifizierte sich für Amt und Macht", sagte die Historikerin. Interessant sei, dass auch nach dem Verbot 1919 in Bayern weiterhin dieser Titel verliehen wurde. Krauss vertritt die Ansicht, dass es für Bremen und andere Hansestädte gesonderte Forschungen geben müsste, da sich das Bürgertum dort anders als in Reichs- und Residenzstädten entwickelt habe.

Andreas Schweitzer war aus Interesse an Bremer Geschichte aus Weyhe ins Haus der Wissenschaft gekommen - und auch, um seine ehemalige Professorin zu hören. Der 38-jährige Historiker fand die dargestellten Wechselwirkungen von Spendentätigkeit und Titelvergabe spannend. Jedoch hätte er sich mehr Bremer Bezug gewünscht. Christel Odewald (73) aus der Neustadt, die häufig Veranstaltungen im Haus der Wissenschaft besucht, interessierte besonders der von der Professorin erwähnte Aspekt, ob damals ein finanzieller Anreiz durch steuerliches Absetzen von Stiftungsgeldern bestand. Diese Frage müssen weitere Forschungen auf diesem Gebiet erst noch beantworten.

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