Sozialsenatorin legt ein Konzept vor, das Auswirkungen auf die Zuschüsse für Senioren-Treffpunkte hat

Anders begegnen

Bremen-Nord. Bei den Begegnungsstätten in Bremen muss es Veränderungen geben. So sieht es das zuständige Sozialressort.
10.06.2017, 00:00
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Von Sylvia Wörmke
Anders begegnen

Marion Stolle-Werner (links), Leiterin der DRK-Begegnungsstätte in Aumund, und die ehrenamtliche Mitarbeiterin Silvia Ganthur bei der Modenschau, die in dem Treff zweimal jährlich stattfindet. Die Begegnungsstätte wird nach dem neuen Konzept als „Zentrum“ eingestuft.

Markus Goetz und Deutsches Rotes Kreuz, Deutsches Rotes Kreuz

Bremen-Nord. Bei den Begegnungsstätten in Bremen muss es Veränderungen geben. So sieht es das zuständige Sozialressort. Besucherzahlen gehen zurück, Männer, die Generation 60 plus, also die jungen Alten, sowie die Bevölkerungsgruppe der Migranten fehlen auch. Das sind die Hintergründe für ein Konzept, das jetzt in der Deputation für Soziales auf den Weg gebracht wurde und das auch Auswirkungen auf die Begegnungsstätten und deren Träger in Bremen-Nord hat. Die Reaktion der Einrichtungsträger darauf ist gespalten.

Nach den Vorstellungen der Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) und ihrer Behörde soll es in Zukunft drei Arten von Begegnungsstätten geben: das Begegnungszentrum-plus, das Begegnungs-Zentrum und den Begegnungs-Treff. Das sind nicht einfach nur neue Namen.

Das sogenannte Drei-Kategorien-Modell sortiert die jeweiligen Senioren-Einrichtungen nach Vorgaben ein. Nach den Öffnungszeiten zum Beispiel – für ein Zentrum plus sind es fünf Tage pro Woche – nach dem Angebot für das gewünschte Publikum, junge Alte, Migranten, Menschen mit Behinderungen und Männer. Die Zentren Plus sollen mit 15 bis 19,5 Leitungsstunden pro Woche finanziert werden. Ein Zentrum hat geringere Öffnungszeiten (mindestens drei bis vier Tage) und das Angebot bleibt in etwa wie bisher. Knapp die Hälfte der genannten Leitungsstunden wird finanziert. Treffs wiederum sollen überwiegend mit Honorarkräften arbeiten und das Angebot am Bedarf im Stadtteil ausrichten. Für Treffs gibt es keine Vorgaben.

Nach den Einordnungen gibt es Zuwendungen. Entsprechend der Einstufung, das ist überwiegend bei den Treffs der Fall, kann die bisherige Förderung auch reduziert werden. In Bremen-Nord sind Einrichtungen in Grambke, Rönnebeck und Farge (Träger Verein Aktive Menschen Bremen, Ameb), in Aumund (Träger Deutsches Rotes Kreuz) und die beiden Begegnungsstätten der Kirchengemeinden in St. Magnus und Blumenthal (Träger Diakonisches Werk) betroffen. Alle sollen zu Zentren werden und die Begegnungsstätte in Blumenthal sogar zum Zentrum plus hochgestuft werden.

Die Träger der Einrichtungen, die bis Ende August dazu Stellung nehmen sollen, reagieren unterschiedlich auf die Ideen. Vonseiten des Vereins Aktive Menschen Bremen, der alle Begegnungsstätten der Arbeiterwohlfahrt in Bremen übernommen hat, gibt es scharfen Protest. Der Vereinsvorstand Hubert Resch lehnt das von ihm so bezeichnete „Drei-Klassen-Modell für die Begegnungsstätten“ grundsätzlich ab, „obwohl die drei Ameb-Begegnungsstätten in Bremen-Nord etwas dazu bekommen“.

Ameb ist hauptsächlich von Herabstufungen seiner Einrichtungen in Bremen zu Treffs betroffen. Dementsprechend wird auch die Förderung reduziert. Das wirkt sich zum Beispiel bei der Ameb-Einrichtung in Horn-Lehe so aus, dass nicht mehr 30 469 Euro an Zuwendungen, sondern nur noch 5000 Euro gezahlt werden sollen.

Bisher ist es so, dass pro Einrichtung ein Sockelbetrag von 27 000 Euro bezahlt wird. Je nach Größe der Einrichtung kommt dann noch ein Bonus für das Programm hinzu. Darum liegen die Zuwendungen für die Begegnungsstätten in Bremen zwischen 27 000 und 35 000 Euro. Resch kommentiert die Planungen: „Die Starken werden gestärkt und die Schwachen geschwächt.“

Er meint damit, dass andere Begegnungsstätten durch ihre Träger eine viel finanzkräftigere Struktur im Rücken haben als Ameb. Darum gebe es schon eine höhere Stundenzahl bei den Leitungen und hauptamtliche Kräfte. „Wir haben nur Einnahmen aus Spenden und den öffentlichen Zuschuss“, sagt er. Darum könne eine Einrichtungsleitung auch nur 8,5 Stunden eingesetzt werden. „Wir erfüllen eigentlich alles. Nur mit der Stundenzahl geht es nicht.“ Im Grunde, so Resch, könnten alle Ameb-Einrichtungen in Bremen-Nord Zentren plus werden.

Die Leitungen in den Begegnungsstätten von Ameb sind aber 8,5 Stunden pro Woche im Dienst und werden auf 450-Euro-Basis bezahlt. Sie stützen sich auf Ehrenamtliche, um das Angebot zu gewährleisten. „Das Konzept ist willkürlich“, lautet darum Reschs Einschätzung. Seine grundsätzliche Forderung an die Behörde für alle Einrichtungen und Träger: „15 bis 20 Stunden für die Leitungen und entsprechend mehr Geld.“ Dann könnte auch Ameb die neuen Qualitäts- und Anforderungskriterien erfüllen.

Vom Diakonischen Werk kommt grundsätzlich erst einmal Dankbarkeit, „dass es ein Konzept gibt und die Einrichtungen erhalten bleiben sollen“. Manfred Meyer, Vorstand des Diakonischen Werkes Bremen, das für die Kirchengemeinden an den Verhandlungen mit der Behörde teilnimmt, denkt dabei an das Jahr 2013, als die Begegnungsstätten auf der Kippe standen und Senioren protestierend vors Rathaus zogen. Dies sei erst einmal ein guter Schritt zum Erhalt der Begegnungsstätten. Er hätte sich aber gewünscht, dass grundsätzlich mehr Stunden mit der Konsequenz auch mehr Geld zur Verfügung gestellt werden. „Insgesamt sind wir zufrieden“, sagt er.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist mit der Einstufung der Begegnungsstätte in Aumund als „Zentrum“ zufrieden. „Wir begrüßen es grundsätzlich, dass unsere Initiativen der letzten Jahre, die Begegnungsstätte für einen möglichst großen Personenkreis zu öffnen damit gewürdigt worden sind“, sagt Lübbo Roewer, Pressesprecher des Bremer DRK. Durch die Einbindung im DRK-Haus könnten die Aktivitäten der Begegnungsstätte auch gut mit anderen Rotkreuz-Angeboten vernetzt werden.

Allerdings wird bedauert, dass die Zuwendungen für die Einrichtung um rund 2400 Euro gekürzt werden sollen, „da das sicherlich Auswirkungen auf die inhaltlichen Angebote haben wird“. Roewer: „Es ist nur aufzufangen, wenn das Bremer Rote Kreuz seinen finanziellen Eigenanteil steigert.“ Auf jeden Fall will man für die Zukunft alles daran setzen, die Begegnungsstätte weiter zu entwickeln. Das große Ziel: Einstufung zum Zentrum plus.

900 000 Euro werden pro Jahr in Bremen für alle 28 Begegnungsstätten zur Verfügung gestellt. Die sollen nun anders verteilt werden. Jede Begegnungsstätte kommt auf den Prüfstand. Das könnte sich nach der Neustrukturierung für die Einrichtungen in Bremen-Nord wie folgt auswirken: Grambke (plus 2045 Euro), Rönnebeck (minus 1213 Euro), Farge (2577 plus); St. Magnus (1262 plus); Aumund (2410 minus); Blumenthal 10 448 Euro plus). Insgesamt plant die Sozialbehörde in Zukunft für die Begegnungsstätten in Bremen-Nord 208 000 Euro (vorher 195 291) ein.

Bis Ende August sollen die Träger Stellung zu den Vorstellungen nehmen. Laut Pressemitteilung der Sozialsenatorin sollen die Vorschläge „im nächsten Schritt mit den Trägern weiterentwickelt und im kommenden Jahr in der Deputation beschlossen werden“. Auch bei den Zahlen für die einzelnen Standorte handle es sich um eine vorläufige Planung. Für die endgültige Entscheidung über die Förderhöhe im Einzelnen müssten unter anderem noch Gespräche mit den Trägern geführt, Anträge gestellt und Finanzierungspläne der Träger vorgelegt und geprüft werden.

Die Begegnungsstätte Luise Morgenthal Die Grambker Begegnungsstätte ist zurzeit das Sorgenkind des Vereins Aktive Menschen Bremen (Ameb). Die Einrichtung ist seit dem 1. Januar geschlossen. Zum Ende des Jahres 2016 hat nach Auskunft von Ameb-Vorstand Hubert Resch auch die Leiterin aus Altersgründen ihren Job aufgegeben. In dem Gebäude gab es nach Auskunft der Wohnungsgesellschaft Vonovia einen Wasserschaden. „Und das gleich an mehreren Stellen – so hat die genaue Leckortung länger gedauert“, erläutert Unternehmenssprecher Max Niklas Gille das Problem. Jetzt seien die betroffenen Stellen gefunden worden und man sei mit Ameb im Austausch über die Sanierungsarbeiten. Gille rechnet damit, dass die Sanierung Ende Juli beendet sein wird. Als Übergangslösung habe Ameb Räume im benachbarten „Treff 16“ zur Verfügung gestellt bekommen. Auch eine Mietminderung habe Vonovia vorgenommen. Nach Auskunft der Sozialbehörde wurde darum in Absprache mit Ameb die Förderung für die Begegnungsstätte vorübergehend eingestellt.
„Die Starken werden gestärkt, die Schwachen geschwächt.“ Hubert Resch, Ameb-Vorsitzender
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