Musikerkarriere begann in Vegesack

André Rabini ist ein "Swingin' Fireball"

Auf der kleinen Bühne des "Muddy" in Vegesack hat die musikalische Karriere von André Rabini begonnen. Seit nunmer 17 Jahren gibt er den Ton bei den "Swingin' Fireballs" an.
26.01.2016, 00:00
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Ulf Buschmann

Auf der kleinen Bühne des "Muddy" in Vegesack hat die musikalische Karriere von André Rabini begonnen. Seit nunmer 17 Jahren gibt er den Ton bei den "Swingin' Fireballs" an.

Am Anfang steht die Terminabsprache. Am besten dort, wo alles begonnen hat. Das ist eine gute Idee. Also im „Muddy“ am Vegesacker Bahnhof. An diesem Abend irgendwann in einer ganz gewöhnlichen Woche ist es dort fast leer. André Rabini könnte sich überall hinsetzen. Doch er nimmt lieber eine der beiden Sitzgruppen, die etwas erhöht stehen. Wenn Livemusik auf dem Programm steht, ist es der Platz der Bands.

Auf dieser kleinen Bühne hat das Musikerleben von André Rabini begonnen. Der Blues und der Soul haben es ihm anfangs angetan. Da ist der Weg zum Swing nicht weit. Seit nun schon 17 Jahren gibt André Rabini den gesungenen Ton bei den „Swingin’ Fireballs“ an. Für den 44-Jährigen ist die Zusammenarbeit mit „seinen Kumpels“, wie er sie nennt, in jeder Hinsicht einer der glücklichen Wechselfälle seines Lebens, der bis heute anhält. Und das nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich. André Rabini sagt: „Es ist immer noch ein Gefühl von Klassenfahrt.“

André Rabini und die „Swingin‘ Fireballs“, das ist eine Symbiose. Es passt alles zusammen. Die Mannen können sich blind aufeinander verlassen. Auf der Bühne und dahinter haben sie Spaß. Die „Fireballs“ sind André Rabinis Betriebsstoff fürs musikalische Glück. Dieser Mann brennt für das, was er tut. „Für mich ist Musik eine Bauch- und Gefühlssache. Vor allem aber ist es Unterhaltung des Publikums. Da muss man sich auch mal selbst auf die Schippe nehmen können“, sagt André Rabini.

Das mag sich für manch einen Menschen profan anhören. Doch das ist es nicht, im Gegenteil. André Rabini hat sich mit dem Swing einem Stil verschrieben, der viele Strömungen in sich vereint. Swing ist so etwas wie eine musikalische Stilikone, die heute wieder viele Fans hat und die obendrein die Basis für weitere Entwicklungen bildet. Den Rock ’n’ Roll zum Beispiel.

Musik zu machen ist für André Rabini „eine andere Galaxie und ein ganz großes Geschenk“ – das er sich schon als Teenager selbst gemacht hat. Zwischen 1985 und 1994 berauschte sich der heute 44-Jährige am Spiel von Bands wie „No Mercy“, „Fasten Seatbelts“ und „Double-O-Soul“. Seit 1987 erklimmt André Rabini selbst die Bühne: Als Bassist bei „Windfall“, „Rihm Shots“ und „Harpface & The Heat“, sein Debüt als Sänger der „Herz Ass Combo“, das „Westcoast Projekt“ und 1997 bis 1999 die erste richtige Swingband des Nordbremers: „André Rabini & The Swingin‘ Jets“.

Alle Bandprojekte drehten sich rund ums „Muddy“, das in früherer Zeit auch mal „Jazz Lok“ hieß. Vor diesem Hintergrund ist das Treffen zum Gespräch in der Vegesacker Kneipe am Bahnhof Vegesack ein Stück weit die Rückkehr zu den Wurzeln des Sängers. Er schaut sich zwischendurch immer mal wieder um und schüttelt ungläubig den Kopf. „Was hier alles seinen Anfang genommen hat...“, philosophiert André Rabini halblaut.

Brücken zu größeren Dingen hat er hier für sich gebaut. So mit seinen „Swingin‘ Jets“. Sie seien für ihn die „Brücke vom Blues zum Jazz“ gewesen. Die wesentlich größere Brücke hat André Rabini indes zu seinem musikalischen Jetzt zimmern können. Im Jahr 1999 suchten die „Fireballs“-Gründer einen Sänger. Joachim Refardt, Pianist und Arrangeur, und Volker Bruder, Saxofonist, Manager, sowie ebenfalls Arrangeur, „haben mich im Muddy mit den ,Swingin‘ Jets’ gesehen und danach für die ,Fireballs’ gefragt“, steht in seiner Vita.

Seinen Einstieg bei den „Swingin’ Fireballs“ haben ihm sicherlich die zahlreichen Auftritte erleichtert, die er von 1995 bis 2000 mit Rainer Söchtings „Harpface & the Heat“ absolvierte. Und: „Bei ,Harpface & The Heat‘ habe ich gelernt, wie wichtig es ist, sich diszipliniert und kooperativ gegenüber der Person zu verhalten, die sich um die Auftritte kümmert, denn die kann größtenteils nichts dafür, wenn mal die Rahmenbedingungen eines Auftrittes nicht stimmen.“

Auftritte gibt es seit Gründung der „Swingin’ Fireballs“ reichlich, und André Rabini erinnert sich an so viele Sachen, die er mit einer unvergleichlichen Inbrunst erzählt. Billy May etwa, der Arrangeur des großen Frank Sinatra, lobte die Arrangements seines „Fireballs“-Kollegen Joachim Refardt.

Ebenso unglaublich ist für den Nordbremer André Rabini noch immer, dass ein anderes Kind der Stadt Kontakt zu den „Swingin’ Fireballs“ hielt: James Last. Immer dann, wenn „Hansi“ bei seinen Tourneen Station in Bremen machte, ging es für die „Fireballs“ zuerst zu den Konzerten und dann zur Aftershow-Party. Als James Last zum Ehrensenator der Hochschule für Künste ernannt wurde, hatte André Rabini gar die Ehre, zwei der größten Hits von James Last zu singen: „Games That Lovers Play“ und „Happy Heart“ arrangiert von Joachim Refardt. „Es war bewegend zu sehen, wie sehr Hansi es gefreut hat, seine Kompositionen als Swing-Titel arrangiert zu hören“, erzählt der Nordbremer.

Er holt drei weitere Ereignisse aus dem reichen Schatz seiner Erlebnisse hervor: Anno 2004 spielten die „Swingin‘ Fireballs“ bei „Hannover swingt“. Gleich nach den Bremern kam indes nicht irgendeine Band, sondern die Formation des Swing überhaupt: das „Count Basie Orchestra“. 17 000 Menschen lauschten den beiden Formationen. „Das werde ich nie vergessen“, erinnert sich André Rabini noch immer ein wenig ungläubig.

Nicht weniger eindrucksvoll ist für den agilen Musiker der Abstecher nach Peking zum „Nine Gates Festival“ im Jahr 2010. Es ist eines der wenigen Jazzevents, die es im Reich der Mitte gibt. Das Glück, dort aufzutreten verdankten die „Fireballs“ der damaligen Bundesratspräsidentschaft Bremens. Als Präsident der Länderkammer oblag es dem damaligen Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen, die Feiern zum Tag der Deutschen Einheit auszurichten. In seinem Gefolge befanden sich neben Wirtschaftsvertretern dann ebenfalls die „Swingin‘ Fireballs“.

Mehr als 1000 Auftritte haben André Rabini und seine Mannen inzwischen hingelegt. Dabei ist jeder anders, es kommen für den Sänger immer wieder neue Erfahrungen hinzu, freut sich André Rabini. Nicht missen möchte er das Projekt, das die Bremer zusammen mit der Niederländerin Greetje Kauffeld auf die Beine stellen: „In The Mood For Christmas“. Swingende Weihnachtslieder im besonderen „Fireballs“-Arrangement zu hören, ist für die Zuschauer immer wieder etwas Besonderes.

Die Zusammenarbeit mit Greetje Kauffeld zählt zu Rabinis ganz besonderen Highlights. Es sei unfassbar inspirierend für den eigenen Gesang, mit einer solch erfahrenen und versierten Künstlerin auf der Bühne zu stehen. Und dass Swing-Tanzen wieder in Mode ist, freut André Rabini auch riesig, denn solche Veranstaltungen zählen für ihn zu den Highlights.

Doch satt, nein, das ist André Rabini noch lange nicht. Und so hat er das „André Rabini Sextett“ gegründet, mit dem er Anfang 2015 seine erste eigene CD „You Know What To Do“ produziert hat. Überdies hat er sich im vergangenen Jahr auf zu neuen Ufern gemacht: Adrie Braat, Bassist der „Dutch Swing Collage Band“, holte ihn als Sänger in die von Braat geleitete

„Biggles Big Band Amsterdam“. Mit ihr ist André Rabini im Nachbarland unterwegs. Auch nach Übersee ging es schon: Für neun Konzerte und Workshops an Schulen flogen die 20 Musiker und vier Streicher für dreieinhalb Wochen nach Thailand.

Gibt es denn etwas, was er unbedingt noch machen möchte? Dazu fällt dem Nordbremer einiges ein: In Großbritannien, Italien, Spanien, auftreten, mal wieder Blues, Funk und Soul singen und noch einmal etwas mit den alten Nordbremer Kumpels auf die Beine stellen. Aller Wahrscheinlichkeit nach im „Muddy“.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+