Der Veterinär vom Zirkus Belly Andreas Fey hat die Spritzen für die Löwen

Blumenthal. Totenstille. Der Mann mit dem Gewehr im Anschlag legt an. Zielt. Die sieben Raubkatzen hinter den Gitterstäben lassen ihn nicht eine Sekunde aus den Augen. Löwin Kimba trifft der Pfeil als erste. Sie brüllt los - wohl mehr aus Schreck als vor Schmerz.
23.06.2010, 05:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Christina Denker

Blumenthal. Totenstille. Der Mann mit dem Gewehr im Anschlag legt an. Zielt. Die sieben Raubkatzen hinter den Gitterstäben lassen ihn nicht eine Sekunde aus den Augen. Löwin Kimba trifft der Pfeil als erste. Sie brüllt los - wohl mehr aus Schreck als vor Schmerz. Als nächste ist Rani an der Reihe. Es hilft eben nichts: Auch die großen Verwandten unserer Stubentiger müssen geimpft werden. Beim Zirkus Belly, der derzeit auf dem BreNor-Gelände gastiert, erledigt das Andreas Fey: Veterinär, Landwirt und Tiertrainer aus Berkenthin.

Nicht nur die vier Löwen und die drei Tiger sind heute dran. Auch das Rocky, das Zebra, kommt noch an die Reihe. Er hat es mit den Zähnen. Kein Wunder, 33 Jahre hat er schon auf dem Buckel. Anders als die Raubkatzen wird das Wildpferd nicht um eine Vollnarkose herumkommen, 'sonst komme ich nicht an die Zähne ran', sagt Andreas Fey.

Er ist die Ruhe selbst. Noch ist er mit Rani, Kimba und Konsorten nicht fertig. Oberstes Gebot des Tierarztes: Möglichst jene Stellen am Körper der Tiere treffen, an denen sie sich die Narkosepfeile nicht selbst herausziehen und verschlucken können. So etwas ist auch für den normalerweise robustesten Tiermagen nicht nur schwere, sondern auch lebensbedrohliche Kost.

Heikle Situation

Den Pfeil entfernt Aron Köhler vom Zirkus Belly aus dem Fell der Tiere: Mit einem langen, am Ende gesplissten Bambusstab macht er sich so lange an der Einstichstelle zu schaffen, bis das Projektil zu Boden fällt. Keine Frage: In dieser heiklen Situation langen weder er noch sein Vater, Belly-Chef Klaus Köhler, mit der Hand durch die Gitterstäbe. Seitdem Andreas Fey mit seinem Wagen vor die Raubtierkäfige gefahren ist, sind die Tiere nervös. Jetzt wird nicht mehr gedöst. Jede Bewegung des Tierarztes wird genau verfolgt. Obwohl die letzte Impfung ein Jahr zurückliegt, scheinen alle Katzen zu wissen, was ihnen gleich blühen wird. 'Ganz klar, sagt Klaus Köhler, 'sie erkennen ihn wieder, den Andreas'.

Man merkt es, er hält große Stücke auf den 51-jährigen Veterinär. Wenn es um die Gesundheit seiner Tiere geht, kann er vieles selbst erledigen. Einen Tierarzt aber kann er natürlich nicht ersetzen. Auch dem Schimpansen Ronnie scheint der Mann mit dem Gewehr kein Unbekannter zu sein. In sicherer Entfernung sitzt der 36-jährige Affe in seinem Gehege und beobachtet genau, was passiert. Alle paar Minuten trommelt er sich nach bester Affenart gegen die Brust und stößt markerschütternde Schreie aus. 'Ich soll zu ihm kommen', erklärt Köhler das Verhalten des Tieres. Primaten, können also auch eifersüchtig sein.

Köhler, Zirkusdirektor und Tiertrainer in Personalunion, hält sich von seinen Raubkatzen jetzt lieber ein bisschen fern. 'Damit meine Tiere diese negative Erfahrung nicht mit mir verbinden'. Vielleicht auch besser so - Köhler steht schließlich Abend für Abend mit seinen Katzen in der Manege.

Löwen und Tiger geimpft, Zebra behandelt. Alles ist gut gegangen und Andreas Fey macht sich wieder auf den Weg nach Hause. Erwartet wird er dort in Berkenthin von seinen eigenen Zebras, von Kamelen, Eseln und Bisons. Der Veterinär, Landwirtssohn, hat schon in früher Kindheit seine Liebe zu Tieren entdeckt und sich mittlerweile einen privaten Zoo exotischer Tiere angeschafft. Seine gute Beobachtungsgabe, sein Gefühl für die Tiere und ein gewisser Instinkt haben ihn offenbar zu einem gefragten Zirkus-Tierarzt gemacht. Alle möglichen Exoten behandelt der Veterinär mit seiner mobilen Praxis, vom Affen über Elefanten, Krokodile und Großkatzen bis hin zum Zebra.

Hinzu kommt, dass Fay sich als Tiertrainer einen Namen gemacht hat: Die Maultierherde in dem Film 'Die Päpstin'stammt von seinem Hof - er selber hatte eine kleine Rolle als Bergführer übernommen. Der Ruf des Tierarztes mit seinem Faible fürs Exotische hat sich mittlerweile bis zum Norddeutschen Rundfunk herum gesprochen: Derzeit laufen Dreharbeiten zu einem Portrait über ihn, das im Sommer dieses Jahres ausgestrahlt werden soll.

Zirkus Belly öffnet seine Manege nochmals morgen und übermorgen (jeweils 17 Uhr) sowie am Sonnabend und Sonntag um 16 Uhr.

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