Bürgerhaus Weserterrassen wird 35 Jahre alt und sammelt Erinnerungen aus dreieinhalb Jahrzehnten

Anfangs redete jeder mit

Peterswerder. Seit 35 Jahren gibt es das Bürgerhaus Weserterrassen. Doch das Gebäude am Osterdeich ist wesentlich älter und hat eine abwechslungsreiche Geschichte. 1933 als Ausflugslokal gegründet, war es unter anderem Tanzcafé, Rot-Kreuz-Lazarett und Offizierskasino. Anlässlich des Geburtstags sammelt das Bürgerhaus Weserterrassen Geschichten über das Haus.
14.04.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Solveig Rixmann

Peterswerder. Seit 35 Jahren gibt es das Bürgerhaus Weserterrassen. Doch das Gebäude am Osterdeich ist wesentlich älter und hat eine abwechslungsreiche Geschichte. 1933 als Ausflugslokal gegründet, war es unter anderem Tanzcafé, Rot-Kreuz-Lazarett und Offizierskasino. Anlässlich des Geburtstags sammelt das Bürgerhaus Weserterrassen Geschichten über das Haus.

Bei Kaffee und Kuchen wurde in einem ersten Erzählcafé die Gelegenheit geboten Erlebnisse rund ums Bürgerhaus Weserterrassen auszutauschen. "Da geht es eigentlich darum, Geschichten zu sammeln", sagt Stephan Pleyn aus der Neustadt, der Leiter des Bürgerhaus Weserterrassen. Er will die Geschichten bis zum Sommerfest am 18. Juni aufbereiten und dann dort präsentieren. Beim ersten Erzählcafé trafen sich etwa 12, vorwiegend im Verein Bürgerhaus Weserterrassen Aktive. Ein weiteres Treffen ist geplant

1934 hatte Hermann Hütte am Osterdeich ein Tanz- und Ausflugslokal eröffnet. Ursprünglich war man sich in der Bremischen Bürgerschaft nicht einig gewesen, wo dieses Ausflugslokal entstehen sollte. Die politischen Debatten von damals seien gut protokolliert, berichtet Harald Klingebiel aus Hastedt. Schließlich einigte man sich auf den heutigen Standort, obwohl an sich nicht in einen Deich gebaut werden darf, da der dem Küstenschutz dient. "Weserterrassen sagte man gar nicht, man ging zu Hütte", erzählt August Specht aus dem Peterswerder. Er kann sich auch noch gut daran erinnern, dass dieses Tanzlokal einen Portier hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Haus von den Amerikanern beschlagnahmt. Es wurde Offizierskasino und war den Bremern nicht mehr zugängig. Später eröffnete wieder ein Tanzlokal. Erinnerungen an große Silvesterbälle in den 50er Jahren sind einigen noch gut im Gedächtnis. Damals putzte man sich zu solchen Anlässen richtig raus. Ein Abendkleid war da Pflicht.

Leerstand in den 60ern

"Es stand einige Jahre leer, Ende 60er Jahre", sagt Helga Werner aus dem Steintor, die sich seit 1978 im Bürgerhaus ehrenamtlich engagiert und eine Gymnastikgruppe leitet. Von 1980 bis 2000 war sie Vorsitzende des Vereins. Ende der 60er Jahre drohte der Abriss des Hauses. "Und dann ist es dem Beirat Östliche Vorstadt zu verdanken, dass es Bürgerhaus wurde", sagt Helga Werner.

Aus der damaligen Initiative entstand der Verein. In einer ersten Phase wurde das Bürgerhaus Weserterrassen von vielen Ehrenamtlichen renoviert. Von diesen Renovierungsarbeiten gibt es auch noch einige Bilder. In den Anfängen war jeder, der Interesse hatte, bei den Hausversammlungen auch stimmberechtigt. "Die starke Demokratie hatte ihre starken Schwächen", erinnert sich Helga Werner. Die Ideen einzelner, die zur Hausversammlung genug Freunde mobilisierten, wurden umgesetzt. Dies erwies sich im Laufe der Zeit als nicht sehr praktikabel und wurde geändert.

Sogar bei der Rekrutenvereidigung am 6. Mai 1980 spielte das Bürgerhaus Weserterrassen eine wichtige Rolle. Wegen der Nähe zum Weserstadion wurden die bei den Ausschreitungen Verwundeten dorthin gebracht. Spontan wurde das Bürgerhaus damals zum Lazarett.

Seit 1979 engagiert sich Hiltrud Wessel, die momentan zwei große Gymnastikgruppen leitet, im Bürgerhaus Weserterrassen. An große Feste mit Aufführungen der Bürgerhaus-Gruppen kann sie sich erinnern. "Wir haben Gymnastikgeräte selber hergestellt", erzählt sie. Auch daran, dass manchmal sehr gemischtes Publikum zu den Feiern erschien, erinnert sich Hiltrud Wessel und zeigt Fotos auf denen eine Gruppe Punker zu sehen ist.

Auch Anneliese Mrukwa aus Schwachhausen engagiert sich seit 20 Jahren im Bürgerhaus. Sie ist damals durch ihre Mutter Trudel Middelkamp da reingerutscht. Die heute 102-Jährige hatte dort schon vor der Gründung des Bürgerhauses gearbeitet. Anneliese Mrukwa kann sich noch daran erinnern, dass die Leute sich anfangs noch ihre Brote von Zuhause mitbrachten und sich dann einen Kaffee kauften.

Der große Umbau des Bürgerhauses Anfang der 90er Jahre war der letzte bedeutende Einschnitt. Der Garten wurde mit einbezogen, die Veranda erweitert und das Haus war von da an auch am Wochenende für Veranstaltungen geöffnet.

Am Donnerstag, 5. Mai, ab 15 Uhr ist das nächste Erzählcafé im Bürgerhaus Weserterrassen. Ältere, nicht mehr mobile Zeitzeugen haben auch die Möglichkeit, einen Termin mit Stephan Pleyn zu vereinbaren. Zudem werden noch Bilder vom Bürgerhaus gesucht. Kontakt über die Zentrale unter 54 94 90.

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