Niederdeutsche Sprache Angebot aus Mannheim für Bremer Platt-Institut

Das von der Schließung bedrohte Bremer Institut für niederdeutsche Sprache schöpft Hoffnung. Jetzt bietet das renommierte Institut für deutsche Sprache in Mannheim eine Übernahme an.
20.02.2017, 17:53
Lesedauer: 2 Min
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Von Antje Stührmann

Das von der Schließung bedrohte Bremer Institut für niederdeutsche Sprache schöpft Hoffnung. Jetzt bietet das renommierte Institut für deutsche Sprache in Mannheim eine Übernahme an.

Das Institut für niederdeutsche Sprache (INS) mit Sitz in Bremen könnte Teil des renommierten Instituts für deutsche Sprache (IDS) in Mannheim werden. Dies bestätigte der Leiter des Instituts, Professor Ludwig Eichinger, dem WESER-KURIER.

Sein Angebot ist eine Option für den Fortbestand des INS, nachdem vergangenen Dezember die Länder Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen das Abkommen über die gemeinsame Finanzierung des INS zum Jahreswechsel 2017/2018 kündigten. Ohne dieses Geld kann das INS nicht existieren.

Die vier Länder – und das ist Option Nummer zwei – verhandeln über die Einrichtung einer neuen Koordinierungsstelle für die niederdeutsche Sprache. Die Details befinden sich nach Angaben des Bremer Kulturressorts in der Endabstimmung. Dem Vernehmen nach können sich die Länder vorstellen, eine öffentlich-rechtliche Gesellschaft mit Sitz in Bremen zu gründen, die sehr ähnliche Aufgaben übernimmt wie derzeit das INS – abgesehen vom wissenschaftlichen Arbeiten. Ein Konzept wollen die Länder im März vorlegen.

"Wir haben Interesse daran, dass das INS erhalten bleibt."

Unklar ist, was aus dem Verein „Institut für niederdeutsche Sprache“ und dessen Mitarbeitern wird. Bislang arbeiten sechs Voll- und Teilzeitkräfte für den Verein, der das INS und im Schnoor nach eigenen Angaben die deutschlandweit größte und wichtigste Biblio- und Mediathek für niederdeutsche Sprache betreibt. Die Zukunft des Vereins soll im Juni Thema der Hauptversammlung sein.

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Aus Mannheim kommt ein klares Angebot: „Wir haben Interesse daran, dass das INS erhalten bleibt“, sagt Ludwig Eichinger, „zumindest die Forschung“. Allerdings wird auch das Mannheimer Institut von Land und Bund finanziert. Doch Eichinger ist zuversichtlich, dass er das INS unter die Fittiche des IDS nehmen könnte.

„Ich würde mich freuen, wenn das klappen würde.“ Die Bremer sind nicht abgeneigt. Denkbar ist laut Eichinger auch, die Mitarbeiter des Vereins zu übernehmen. Die kulturpolitische Arbeit, zum Beispiel die Organisation von Veranstaltungen und die Interessenvertretung in politischen Gremien, sieht Eichinger indes weiter beim Land.

Seit acht Monaten Suche nach einer Lösung

Aus der Hand geben wollen die vier Nordländer das INS aber nicht. Der Vereinsvorsitzende Reinhard Goltz kritisiert, die Länder wollten zwar eine Koordinierungsstelle für die Pflege der niederdeutschen Sprache im Sinne der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen schaffen, aber ohne das Fachwissen des Vereins einzubeziehen. „Wir fühlen uns vom Land und vom Kulturressort im Stich gelassen.“

Die seit Monaten andauernde Suche nach einer Lösung und die damit verbundene Unsicherheit sorgten bei den Mitarbeitern für Frust. Goltz dringt darum auf eine deutliche Willensbekundung der Politik: „Ich wünsche mir, dass ein Politiker sagt, welche unsere Aufgaben im Bereich der Plattdeutsch-Förderung sind und dass wir auf die erfahrenen Kräfte des Vereins setzen.“ Nur so könne man verhindern, dass am Ende der Verein scheitere und die neue, unvernetzte Koordinierungsstelle womöglich nicht funktioniere.

Im Kulturressort entgegnet Sprecherin Alexandra Albrecht: „Erst wenn man genau weiß, was die Koordinierungsstelle leisten soll, macht es Sinn, mit dem Verein zu sprechen.“ Danach könne man verhandeln, was der Bremer Verein und andere Einrichtungen beisteuern könnten und wollten.

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