Mitpatient mit Glasscherbe verletzt

Angeklagter bestreitet Mordabsicht

Zuerst ein Geständnis, dann spricht der Angeklagte von einem Unfall: Der 30-Jährige soll einem Mitpatienten in der forensischen Psychiatrie des Klinikums Bremen-Ost im April 2016 den Hals aufgeschlitzt haben.
01.03.2017, 21:49
Lesedauer: 2 Min
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Angeklagter bestreitet Mordabsicht
Von Jan Oppel
Angeklagter bestreitet Mordabsicht

Der Fall wird vor dem Landgericht Bremen verhandelt.

dpa

Zuerst ein Geständnis, dann spricht der Angeklagte von einem Unfall: Der 30-Jährige soll einem Mitpatienten in der forensischen Psychiatrie des Klinikums Bremen-Ost im April 2016 den Hals aufgeschlitzt haben.

Mit der Aussage des Beschuldigten und der Vernehmung weiterer Zeugen ist am Mittwoch im Landgericht der Prozess gegen einen Patienten der forensischen Psychiatrie des Klinikums Bremen-Ost fortgesetzt worden. Angeklagt ist er wegen versuchten Mordes. Im April 2016 soll der 30-Jährige einem Mitpatienten mit einer Glasscherbe den Hals aufgeschlitzt haben. Die Hauptschlagader verfehlte er nur knapp. Hatte er die Tat zum Prozessauftakt am Dienstag noch gestanden, sprach er am Mittwoch von einem Unfall.

Der Angeklagte konsumierte regelmäßig Drogen, die offenbar von Patienten und Besuchern in die geschlossene Einrichtung geschmuggelt wurden. Einige Tage vor der Tat hatte er Heroin und Marihuana von einem Mitpatienten bekommen, dafür sollte er ihm nach eigener Aussage 20 Euro zahlen. Weil er aber mit der Qualität der Rauschmittel nicht zufrieden war, verweigerte er das Geld. Daraufhin sei er von dem Mann massiv bedroht worden.

Halsverletzung durch ruckartige Bewegung

Um diesem Stress ein Ende zu setzen, so der Angeklagte, sei er am Abend des 28. April in dessen Zimmer gegangen und habe ihm von hinten eine Glasscherbe an den Hals gehalten. „Jetzt ist Schluss mit deinen Bedrohungen“, habe er gesagt. Und: „Dein Geld bekommst du nicht.“ Daraufhin sei der Mann aufgesprungen. Durch diese ruckartige Bewegung sei es dann zu der Halsverletzung gekommen.

„Ich wollte ihn nicht töten – das war ein Unfall“, sagt der Beschuldigte. Richter Helmut Kellermann meldet Zweifel an dieser Version an. Zwölf Zentimeter habe sich die Wunde über den Hals des Geschädigten gezogen. Allein durch das Aufspringen sei eine derartige Verletzung „technisch quasi unmöglich“.

Die Scherbe stammte von einem Kaffeeglas, das der Angeklagte in seinem Zimmer zerbrochen hatte. Ehe ein Pfleger die Scherben beseitigte, hatte der Beschuldigte unbemerkt zwei Glasstücke beiseitegeschafft. Nach der Tat alarmierten zwei Patienten die Pfleger, die den Verletzten in ärztliche Obhut und den Täter in einen geschlossenen Raum brachten. Danach riefen sie die Polizei.

Angeklagter leidet an Schizophrenie

Zur geistigen Verfassung und zum Verhalten der beiden Männer haben die vor Gericht geladenen Pfleger nicht viel zu sagen. „Geschockt“ seien sie gewesen. „So etwas habe ich nicht im Entferntesten erwartet“, sagt die Psychologin. Vor und nach der Tat sei ihr aber nichts besonders aufgefallen. Die Männer hätten fast gleichgültig reagiert.

Der Angeklagte ist seit zehn Jahren in der Forensik untergebracht. Er leidet an Schizophrenie. 2006 hatte er Stimmen gehört, die ihm befahlen, eine Handtasche zu klauen. Mit einem Messer stach er daraufhin in Bremerhaven auf eine junge Frau ein, die überlebte schwer verletzt.

Zum Prozessauftakt hatte Richter Kellermann eine Erklärung von Aktivisten verlesen. Sie werfen der Leitung des Klinikums Bremen-Ost vor, ihre Aufsichtspflicht nicht zu erfüllen. Die Patienten der Forensik seien weitestgehend sich selbst überlassen. Ferner reichten die Therapieangebote für Drogensüchtige nicht aus.

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