Kita-Plätze fehlen

Angestellte Tageseltern sollen helfen

Bisher sind Betreuungspersonen meistens selbstständig - die Linke will durch den neuen Modus mehr Plätze für Kleinkinder schaffen.
22.01.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Angestellte Tageseltern sollen helfen
Von Sara Sundermann
Angestellte Tageseltern sollen helfen

Auf Initiative der Linken sollen Tagesmütter und Tagesväter nun auch bei der Stadt angestellt werden.

Jan-Philipp Strobel/dpa

In Bremen fehlten zuletzt mehr als 1000 Kita-Plätze. Um in Zeiten des Erziehermangels zusätzliches Personal für die Kinderbetreuung zu gewinnen, sollen nun auf Initiative der Linken Tagesmütter und Tagesväter auch bei der Stadt angestellt werden. Bislang sind Tageseltern meistens selbstständig und betreuen in ihrer eigenen Wohnung bis zu fünf Kinder unter drei Jahren. Tagespflegepersonen sind oft die ersten Menschen jenseits der Familie, zu denen Kinder in der Kleingruppe eine engere Beziehung aufbauen.

Die Anstellung solle den Beruf für neue Zielgruppen attraktiv machen, die vielleicht vor einer Selbstständigkeit zurückschreckten, sagt Linken-Fraktionschefin Sofia Leonidakis: „Selbstständigkeit bedeutet auch Verwaltungsaufwand und finanzielle Risiken.“ Dass Bremen den Angestellten-Modus für Tageseltern ausprobieren will, wurde Leonidakis zufolge bereits in der vergangenen Legislaturperiode auf Vorschlag der Linken im Unterausschuss für frühkindliche Bildung beschlossen, aber bisher nicht umgesetzt. Nun bringt Leonidakis den Vorschlag neu ins Gespräch – angesichts der vielen Plätze, die gerade in benachteiligten Stadtteilen wie Hemelingen, Vegesack oder Huchting fehlen. Die Ausbildung und Anstellung von Tageseltern könne möglicherweise helfen, kurzfristig Betreuungsplätze zu schaffen, so ihre Hoffnung.

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„Unsere Vorstellung ist, dass man den angestellten Tageseltern Räume für die Kinderbetreuung zur Verfügung stellt“, sagt Leonidakis. Inzwischen fehle es in einigen Stadtgebieten nicht mehr an Räumen: „Das fehlende Personal ist das größte Problem.“ Damit zusätzliche Betreuungsplätze entstehen, müssten neue Tageseltern ausgebildet werden, die dann fest angestellt würden. Leonidakis spricht von einem Qualifizierungsprogramm: „Wir wollen neue Personen für die Betreuung gewinnen und schulen.“ Denkbar sei, dass Interessierte sich zunächst als Tageseltern ausbilden lassen und später berufsbegleitend zu Sozialassistenten weitergebildet würden. Sozialassistenten arbeiten oft gemeinsam mit Erziehern in Kitas.

Tageseltern werden in Bremen über die zentrale Stelle Pflegekinder in Bremen (PIB) an Familien mit Betreuungsbedarf vermittelt. Und bei PIB ist der Angestellten-Modus bereits in Vorbereitung, sagt PIB-Geschäftsführerin Judith Pöckler-von Lingen: „Wir sind in der Tat gerade in der Überlegung, wie wir Kindertagespflegepersonen bei uns anstellen können, über die Umsetzung sind wir mit der Bildungsbehörde im Gespräch.“ Ziel sei es, ein solches Projekt möglichst zum Start des neuen Kita-Jahres im August auf die Beine zu stellen. Die Ausbildung von Tagesmüttern und -vätern ist kürzer als die Erzieher-Ausbildung: Sie besteht der PIB-Leiterin zufolge aus 360 Qualifizierungsstunden, Praxisphasen und Prüfungen.

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Für die Bildungsbehörde ist der Plan, Tagesmütter und -väter fest anzustellen, Teil der Strategie gegen den Fachkräftemangel, sagt Ressortsprecherin Annette Kemp. Derzeit erarbeite man mit PIB ein Konzept dazu. Mit dem Festangestellten-Modus wolle man vor allem auch neue Zielgruppen erreichen, zum Beispiel Empfänger von Sozialleistungen und Migranten. Zudem solle Tageseltern der Weg geebnet werden, sich zu Sozialassistenten weiterzubilden. „Wir unterstützen externe Tagespflegestellen, indem wir uns im Gespräch mit der Baubehörde nach geeigneten, leerstehenden Räumen umsehen“, so Kemp.

Die Tagespflege ist eine wichtige Säule der Betreuung: Zuletzt gab es nach Angaben von PIB in der Stadt 270 Kindertagespflegepersonen, die 1050 Kinder betreuten. Vereinzelt gibt es bereits angestellte Tageseltern, sagt Pöckler-von Lingen: Falls eine Betreuerin ausfällt, gebe es vier sogenannte Vertretungsstützpunkte, in denen vier angestellte Tagespflegepersonen Kinder betreuen.

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Die Pläne für einen Festanstellungs-Modus hält Tagesmutter Gabriela Onesseit für durchaus erfolgversprechend. Onesseit ist eine der Sprecherinnen des Tagespflegerates in Bremen. „Für mich käme eine Festanstellung nicht infrage, weil ich es schätze, mein eigener Herr zu sein“, sagt sie. „Aber es gibt viele Tageseltern, die zum Beispiel unzufrieden damit sind, dass sie als Selbstständige nur vier Wochen im Jahr frei und nur 15 Krankheitstage haben.“ Für sie könne eine Festanstellung besser sein. „Ich kann mir auch vorstellen, dass es für viele attraktiv wäre, Räume für die Betreuung gestellt zu bekommen.“

Zu Strategien für mehr Kita-Plätze plant die Linke eine Diskussionsrunde: Am Montag, 27. Januar, ab 18 Uhr sollen Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), Kindertagespflege-Expertin Claudia Reckfort (Verdi), Kita-Personalrat Toren Christians und Linken-Fraktionschefin Sofia Leonidakis diskutieren, wie das Recht auf Kinderbetreuung umgesetzt werden kann. Zu der Debatte im „Wurst Case“ hat der Linken-Bürgerschaftsabgeordnete Ingo Tebje eingeladen, der aus Hemelingen kommt und sich schon länger dafür einsetzt Tageseltern im Stadtteil fest anzustellen.

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