Bremen

22-Jähriger nach brutaler Prügelattacke vor Gericht

Nach einem Disko-Besuch soll ein junger Mann 2018 in Bremerhaven zwei andere angegriffen und verletzt haben. Jetzt hat der Prozess am Landgericht begonnen. Die Anklage spricht von versuchter Tötung.
09.04.2020, 17:22
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
22-Jähriger nach brutaler Prügelattacke vor Gericht
Von Carolin Henkenberens
22-Jähriger nach brutaler Prügelattacke vor Gericht

Nach einem Disko-Besuch mit reichlich Alkohol war es zu einer schweren Gewalttat gekommen (Symbolbild).

Patrick Seeger/dpa

Wegen massiver Gewalt gegen zwei Männer muss sich ein 22-Jähriger vor dem Landgericht Bremen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag vor. Beim Prozessauftakt am Donnerstag hat der Angeklagte gestanden, im November 2018 nach einem Disko-Besuch in Bremerhaven zwei Männer geschlagen und getreten zu haben. Er beruft sich allerdings auf Notwehr und streitet ab, dass er seine Opfer habe töten wollen.

Eines der Opfer traktierte er mit zwei Faustschlägen und Tritten gegen den Kopf, der Geschädigte erlitt eine Gehirnerschütterung und Kieferfraktur, weshalb er jetzt dauerhaft eine Metallplatte im Kiefer trägt. Dem zweiten Geschädigten sprang der damals 20-Jährige gegen den Brustkorb. Der fiel daraufhin gegen eine Glastür. Sie zersplitterte.

Eskalierter Disko-Besuch?

„Ich bedaure das, was passiert ist, und bitte um eine möglichst milde Strafe für mich“, sagte der Angeklagte. Seine Worte wurden von einem Dolmetscher aus dem Polnischen übersetzt.

Und so soll es sich abgespielt haben: Der Angeklagte und drei Freunde feierten in der Diskothek „Virginia“ an der Hafenstraße. Sie tranken Whiskey-Cola, zuvor hatte der Angeklagte eigenen Angaben zufolge fünf bis sechs Flaschen Bier getrunken. In dem Club soll es nach Aussagen von Zeugen bei der Polizei zu einer Auseinandersetzung gekommen sein, sagte die Richterin. Dabei habe der Sicherheitsdienst einen Schlagstock und Pfefferspray einsetzen müssen. Der Angeklagte behauptete vor Gericht, daran keine Erinnerung zu haben. Es habe keinen Streit gegeben, er habe den Club allein verlassen, weil er müde gewesen sei. Er sei nicht wütend gewesen.

Draußen auf der Straße hätten sich ihm zwei Männer in den Weg gestellt, ihn angerempelt. Weil einer versucht habe, ihn zu schlagen, habe er sich verteidigen wollen. Er gab zu, einem Opfer ins Gesicht getreten zu haben, als das schon am Boden lag. „Ich hatte lediglich im Sinn, mich zu verteidigen“, sagte der Angeklagte, spricht von einem „Adrenalinschub“. Auf die Frage, warum er den am Boden Liegenden trat statt wegzurennen, sagte er: „Weiß ich nicht.“ Kurz nach der Tat sei er nach Polen zurückgekehrt, um dort eine Haftstrafe abzusitzen. Weshalb er dort ins Gefängnis musste, wollte der 22-Jährige nicht sagen.

Widersprüchliche Angaben

Die Vorsitzende Richterin bat den Angeklagten mehrfach, die komplette Wahrheit zu sagen. Unbeteiligte Zeugen hätten bei der Polizei ausgesagt, eine Gruppe gesehen zu haben, die gegen Gegenstände tretend die Hafenstraße entlang ging, so die Richterin. Auch gebe es ein Video, das ihn und einen zweiten Mann kurz nach der Tat zeige. Die Staatsanwaltschaft geht von einem weiteren, bisher unbekannten Schläger aus.

„Ich glaube, dass Sie Ihre Tatbeteiligung beschönigen“, hob die Staatsanwältin hervor. „Wenn die Zeugen uns das alle anders erzählen und wir hier eine lange Hauptverhandlung haben, müssen Sie davon ausgehen, dass Sie eine höhere Strafe bekommen, als wenn Sie uns jetzt sagen, wie es war.“ Der Angeklagte blieb dabei: Er sei allein gewesen. Er habe sich nur schützen wollen.

Die Verhandlung wird fortgesetzt am 30. April um 9 Uhr im Landgericht Bremen, Saal 249.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+