Ethnisches Profiling Angst vor Gegenanzeige

Ethnisches Profiling ist ein Problem, sagen nicht nur Mitarbeiter von Antidiskriminierungs-Projekten, sondern auch Experten von der Polizei. Doch Statistiken dazu? Fehlanzeige.
24.08.2015, 00:00
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Ethnisches Profiling ist ein Problem, sagen nicht nur Mitarbeiter von Antidiskriminierungs-Projekten, sondern auch Experten von der Polizei. Doch Statistiken dazu? Fehlanzeige.

Thomas Müller, Integrationsbeauftragter der Polizei in Bremen, spricht von Studien auf EU-Ebene, die besagen, dass Menschen mit bestimmtem Aussehen, wie etwa afrikanischer oder arabischer Herkunft, häufiger von der Polizei kontrolliert werden als andere. Auch würden sie bei Kontrollen anders behandelt. Nicht alle lassen sich das gefallen. In Deutschland gab es im Mai dieses Jahres zehn laufende Verfahren vor Verwaltungsgerichten.

Belastbare Daten oder Statistiken zu diesem Thema aus Bremen gibt es nicht. Auch Kritiker der Polizei können damit nicht dienen. Dass in Bremen häufig Menschen allein wegen ihres Aussehens kontrolliert werden, scheint – abgesehen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen – nicht der Fall zu sein, im Gegenteil, der Landespolizei wird bescheinigt, bei diesem Thema vergleichsweise sensibel vorzugehen.

Doch sicher ist auch das nicht. „Wir müssen von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgehen“, sagt Olaf Bernau vom Projekt „Antidiskriminierung in der Arbeitswelt“. Das Problem sei, dass sich viele der Betroffenen nicht trauen würden, etwas gegen die Kontrollen zu tun. „Wenn die einen Polizisten anzeigen, müssen sie immer mit einer Gegenanzeige rechnen“, sagt Bernau. Schließlich sei so eine Kontrolle auch immer „ein Stück weit eine konfrontative Situation“. Da sei dann schnell die Rede davon, dass der Kontrollierte gegen die Polizisten gepöbelt habe oder sogar handgreiflich geworden sei.

„Und wenn Aussage gegen Aussage steht, glauben die Gerichte eher den Polizisten“, so die Erfahrung von Bernau. Er leitet daraus eine Forderung ab: „Für solche Fälle brauchen wir eine unabhängige Beschwerdestelle.“

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