Neues Kontaktbüro im Familien- und Quartierszentrum Neue Vahr Nord berät Flüchtlinge und Ehrenamtliche Ankommen im Stadtteil

„Ich fungiere quasi als Wegweiser.“ Elke Dittmar Neue Vahr Nord.
17.08.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Annica Müllenberg

Geholfen hat Elke Dittmar schon immer gern. Mit nur einem Ehrenamt fühlt sich die Schwachhauserin, die oft im Bremer Osten anzutreffen ist, nicht ausgelastet. Deshalb darf es ruhig noch etwas mehr sein. Seit vergangener Woche sitzt sie montags für einige Stunden in einem Büro im Familien- und Quartierszentrum Neue Vahr Nord und berät Flüchtlinge und Ehrenamtliche. Mit ihrer Hilfe sollen Helfer und Zugezogene besser zueinander finden. Das neue Kontaktbüro für Flüchtlinge hat immer montags geöffnet.

Elke Dittmars Gesicht ist bekannt: breites Lächeln und freundlicher Blick hinter der Brille. Sie gründete den Verein kom.fort für barrierefreies Wohnen, unterstützte die Bürgerredaktion Schwachhausen Online und organisiert Veranstaltungen zur Leselust. Nun nutzt die 71-Jährige ihr Netzwerk und hilft Neubremern bei der Eingewöhnung in den Stadtteil. Im neuen Kontaktbüro für Flüchtlinge in der Vahr sitzt sie montags ab 15 Uhr für drei Stunden und koordiniert die Anfragen von Helfern und Flüchtlingen. Noch kann Elke Dittmar nicht genau einschätzen, was auf sie zukommt und wer an ihre Tür klopfen wird. Sie weiß aber genau, was sie erreichen möchte. „Ich will die Menschen, die nach Bremen kommen, willkommen heißen und ihnen als Ansprechpartner dienen.“

Nicht nur die Zugezogenen können in das Koordinierungsbüro kommen. Auch Menschen, die sich engagieren möchten, steht Dittmar mit Rat und Tat zur Seite. Wer sich berufen fühlt, seinen neuen Nachbarn bei der Eingewöhnung im Quartier zu helfen, aber nicht so recht weiß, wie, kann im Kontaktbüro das Gespräch suchen. Das Angebot ist bewusst niedrigschwellig und offen angelegt – der große Begriff Ehrenamt soll nicht vereinnahmend wirken.

Oft sind es Kleinigkeiten, die das Ankommen erleichtern: Eine Mutter zum Elternabend begleiten, bei einem Spaziergang durch den Stadtteil die wichtigen Anlaufstellen zeigen und einen Spielplatzbesuch organisieren.

Ein Ehrenamt muss nicht gänzlich und für allemal binden, auch kurzfristige Aktionen dann und wann sind nützlich.

Weil ein Drittel aller Flüchtlinge nach dem Aufenthalt in den Wohnheimen in die Vahr zieht, ist gerade dort ein Kontaktbüro wichtig. „Es gibt schon eine Vielzahl von Einrichtungen, die beratend tätig sind, eine Koordinierungsstelle aber noch nicht, zu der Ehrenamtliche und Flüchtlinge gehen können. Es wird eine Lücke geschlossen“, sagt Ortsamtsleiterin Karin Mathes. Ein noch fehlender Baustein im schon weit verästelten Unterstützungsnetzwerk sei damit gefunden worden, indem sich nun direkt um die Menschen gekümmert werde, die ein Appartement bezogen haben. Und davon gibt es in der Vahr einige.

Das Unternehmen Gewoba mit einem großen Bestand im Stadtteil, stellt monatlich zehn Wohnungen zur Verfügung. „Schon seit März gibt es das Projekt ,Angekommen in der Wohnung – Begleitung von Flüchtlingen in der Neuen Vahr‘. Mit dem Kontaktbüro haben wir uns neu aufgestellt“, sagt Dirk Stöver, Quartiersmanager der Neuen Vahr. Es handelt sich um ein Projekt, das zunächst für ein Jahr aus dem Topf „Wohnen in Nachbarschaften (WiN) mit 12000 Euro finanziert wird. Das Geld wird beispielsweise für Honorarkräfte gebraucht, die als Übersetzer eingesetzt werden. Außerdem sollen auf lange Sicht auch Treffen für die Ehrenamtlichen im Familien- und Quartierszentrum angeboten werden, um einen Austausch sowie eine weitere Vernetzung zu fördern.

Das Kontaktbüro wird in den kommenden Jahren wichtiger Anlaufpunkt bleiben, vermuten Stöver und Mathes. Aus diesem Grund wünschen sie sich, dass die Stadt eine regelmäßige Finanzierung sichert, unabhängig vom WiN-Fördertopf. „Es könnte als Pilotprojekt anlaufen und dann in weiteren Stadtteilen adaptiert werden. Über das Kontaktbüro wird die Integration gefördert, und dafür brauchen wir eine gesicherte Finanzierung“, wünscht sich die Ortsamtsleiterin.

Elke Dittmar bereitet sich derweil auf die ersten Besucher vor. „Ich fungiere quasi als Wegweiser. Ich werde die Menschen mit dem Stadtplan für Flüchtlinge versorgen. Wir haben auch Bildwörterbücher, die beim Meistern erster Sprachbarrieren helfen“, erklärt die einstige Referentin, die über ihren damaligen Beruf gut in der Stadt vernetzt ist. Dittmar selbst hat einst für einige Jahre in Großbritannien gewohnt und im Anschluss ausländische Stipendiaten in Bremen betreut. Sie kann nachvollziehen, was Ankommen in einem fremden Land bedeutet. Für weitere Unterstützung ist sie offen und wird Kontakt zur benachbarten Kirchengemeinde und zu den Flüchtlingswohnheimen suchen.

Mit dabei sind auch weitere Mitstreiter: Barbara Schneider vom Verein Zuflucht ist Scout für Ehrenamtliche, und die Leiterin des Sozialzentrums Ulrike Meyer ist die Projektleiterin. Das Familien- und Quartierszentrum ist mit Dirk Stöver und Kirsten Bung sowieso dabei. Falls Elke Dittmar im Urlaub sein sollte, übernimmt einer der Partner die Sprechstunde – besetzt ist das Büro montags in jedem Fall. „Wir sind alle froh, dass Elke Dittmar nun dabei ist. Sie ist sehr zuverlässig und bewandert auf dem Gebiet des Ehrenamts“, sagt Dirk Stöver. Sie sei die Beste, um auch bisher Unerfahrenen das Engagement schmackhaft zu machen.

Das Kontaktbüro für Flüchtlinge ist im Familien- und Quartierszentrum Neue Vahr Nord, August-Bebel-Allee 284. Es hat montags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Elke Dittmar beantwortet in dieser Zeit Anfragen persönlich und unter der Nummer 847 89 456 oder auch Anfragen per Mail unter fluechtlinge-vahr@web.de.

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