Peter Schmidt und das Team von „Science goes public“ untersuchen Besucherzahlen kultureller Einrichtungen

Anreize für breites Publikum schaffen

Neustadt. „Warum kommen Sie nicht ins Museum?“ Mit dieser Frage konfrontierte Peter Schmidt die etwa 30 Besucherinnen und Besucher in der Theaterkneipe „Falstaff“ gleich zum Einstieg in das Thema dieses Abends aus der Reihe „Science goes public“. Gemeinsam mit Kristina Seifert, Mitglied im Organisationsteam der wissenschaftlich geprägten Veranstaltungsreihe, referierte der Professor für Volkswirtschaftslehre und Statistik über Möglichkeiten, Anreize zu schaffen, damit zukünftig wieder mehr Besucher in Museen oder andere kulturelle Einrichtungen kommen.
09.11.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Markwort
Anreize für breites Publikum schaffen

Die Gäste im "Falstaff" bringen ihre Gedanken zum Thema Besucherzahlen in kulturellen Einrichtungen per Kärtchen ein.

Walter Gerbracht

Neustadt. „Warum kommen Sie nicht ins Museum?“ Mit dieser Frage konfrontierte Peter Schmidt die etwa 30 Besucherinnen und Besucher in der Theaterkneipe „Falstaff“ gleich zum Einstieg in das Thema dieses Abends aus der Reihe „Science goes public“. Gemeinsam mit Kristina Seifert, Mitglied im Organisationsteam der wissenschaftlich geprägten Veranstaltungsreihe, referierte der Professor für Volkswirtschaftslehre und Statistik über Möglichkeiten, Anreize zu schaffen, damit zukünftig wieder mehr Besucher in Museen oder andere kulturelle Einrichtungen kommen.

Der Leiter des Master-Studiengangs Kulturmanagement und der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Bremen (HSB) schob gleich einen Fakt nach: Es besuchen deutlich mehr Frauen als Männer ein Museum oder andere kulturelle Einrichtungen.

Ein statistisches Ergebnis, das sich mit Besucherbefragungen deckt. Solche führten viele Museen nach Schmidts Aussage regelmäßig durch. „Dadurch wissen sie zwar mehr über ihre Besucher: Sie erfahren unter anderem, wer diese sind, kennen manche Vorlieben, Wünsche und wie sich die Besucher informieren.“ Warum die Befragten aber ins Museum kommen und andere Menschen nicht, bleibt dabei unbeantwortet. „Es bringt nichts, die Besucher zu fragen, die in einem Museum oder Theater angetroffen werden“, verdeutlichte Schmidt, „denn die sind ja schon da.“

Was müsste also passieren, damit Nichtbesucher doch einmal gucken kommen? Wo und wie könnten Verantwortliche kultureller Einrichtungen mit sogenannten Nichtbesuchern ins Gespräch kommen? Wie könnten Museumsleiter oder Theaterintendanten zusätzliche Erkenntnisse gewinnen, um Museen oder Theater attraktiver zu machen, sodass mehr Besucher kommen? Diese und weitere Fragen warf Peter Schmidt in die Runde. Kristina Seifert verteilte dann kleine Kärtchen, auf denen die Besucherinnen und Besucher ihre Antworten auf die gestellten Fragen aufschreiben sollten, damit sie an einem Flipchart gesammelt allen präsentiert werden konnten. Auf diese Weise erlebte das Publikum keinen Vortrag, sondern es wurde interaktiv eingebunden. Am Ende diskutierten die beiden Protagonisten mit den Besucherinnen und Besuchern über die Ergebnisse.

Und die waren teilweise verblüffend: Die Gründe, nicht in eine kulturelle Einrichtung, welcher Couleur auch immer, zu gehen, waren vielfältig. Fehlendes Interesse, zu hoher Eintritt oder viele Alternativen zu einem Museums- oder Theaterbesuch wurden ebenso genannt wie die Forderung nach stärker an einer Zielgruppe orientierten Angeboten oder mehr Interaktion mit den Besuchern.

Als Volkswirt ist Peter Schmidt der Überzeugung, dass Bildung und Kultur von grundlegender Bedeutung für eine positive Entwicklung der Gesellschaft sind. „Nur wenn die Menschen Wissen und Kreativität entwickeln, wird Neues und Zukunftsweisendes entstehen“, erklärte der renommierte Wissenschaftler dem wissbegierigen und überaus diskutierfreudigen Publikum. Vor diesem Hintergrund seien Argumente wie zu wenig Geld oder fehlende Zeit „eher Ausreden, als echte Gründe, nicht in ein Theater zu gehen“, konstatierte Schmidt, der diesen Fragestellungen seit rund 15 Jahren für zahlreiche Museen nachgeht.

Zahlreiche Museen etwa böten Sonderkonditionen an, führte er aus. Und einen Besuch könne man zudem zeitlich gut vorausplanen. Aber: „Die Menschen setzen halt andere Prioritäten, wie sie ihre Freizeit verbringen“, hat Schmidt festgestellt. „Ein Theater- oder Museumsbesuch gehört eher zu den Vorlieben der Generation 40 plus als zu denen der jüngeren Menschen.“

Gemeinsam mit Mitstreitern der Reihe „Science goes public“ möchte Schmidt daher den vielen Bremer Kultureinrichtungen dabei helfen, ihre Angebote „zielgruppengerecht“ zu den Menschen zu transportieren. „Das könnte über Umfragen an verschiedenen Orten geschehen, die nichts mit Theater oder Museum zu tun haben“, schlug Schmidt unter anderem vor. „Oder man könnte die jeweiligen Angebote exakter definieren.“

Die Besucherzahl könnten Museen beispielsweise durch sogenannte Cross-over-Veranstaltungen erhöhen, meinte der Professor für Volkswirtschaftslehre und Statistik. Sprich die Verbindung einer künstlerischen Ausstellung mit neuen Technologien, einer modernen Plakatierung im öffentlichen Raum oder einer zielgruppenorientierten Ansprache direkt in Kindergärten, Schulen oder Freizeiteinrichtungen mit jungem Publikum.

„Für eine nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft müssen wir uns auch unserer eigenen Kulturgeschichte bewusst sein“, sagte Schmidt. „Und genau deshalb helfen wir interessierten Kultureinrichtungen dabei, ihre Angebote zielgruppengerecht zu den Menschen zu bringen.“

Ein weiterer Aspekt, den der Professor für Volkswirtschaftslehre und Statistik anführte, war: „Dass ein Museumsbesuch in den 1970er-Jahren dazu diente, zu sehen und gesehen zu werden.“ Heute stehe dagegen das reine Amüsement im Mittelpunkt, ergänzte Schmidt, der auch Mitarbeiter des Instituts „markt. forschung. kultur“ ist. „Die Menschen möchten also unterhalten und nicht nur belehrt werden.“

Die Veranstaltungsreihe „Science goes public“ vermittelt in regelmäßigen Abständen spannende Einblicke in die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Dabei werden Wissenschaftsthemen zweimal im Jahr in ausgewählten Kneipen und Bars in Bremen und Bremerhaven abwechslungsreich und humorvoll präsentiert.

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