Auch Gedenkfeier in Bremen Kerzen und stilles Gedenken an Tatorten des Hanauer Anschlags

Ein Jahr nach dem rassistisch motivierten Anschlag von Hanau haben zahlreiche Menschen an den damaligen Tatorten an die neun Opfer erinnert. Auch in Bremen versammelten sich etwa 1000 Menschen.
20.02.2021, 09:37
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulrich Steinkohl und Esra Ayari

Ein Jahr nach dem rassistisch motivierten Anschlag von Hanau haben sich auch Menschen in Bremen versammelt, um an die neun Opfer zu erinnern. Nach Angaben der Polizei kamen rund 1000 Menschen am Freitagabend auf dem Marktplatz zu einer Gedenkfeier zusammen.

Trauer und Schmerz, aber auch Enttäuschung und Bitterkeit – die Hinterbliebenen sind gezeichnet von ihrem schweren Verlust. „Seitdem steht die Welt um uns still. Nichts ist mehr so wie es einmal war“, sagte Armin Kurtović, dessen Sohn Hamza am 19. Februar 2020 getötet worden war, am Freitagabend bei einer Gedenkveranstaltung in Hanau. Tag für Tag beschäftige ihn die Frage, wie es so weit kommen konnte. „Seit einem Jahr versuchen wir selbst Antworten auf unsere Fragen zu finden, da wir von den zuständigen Stellen kein Gehör finden und immer wieder abgewiesen werden“, sagte Kurtović.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stellte sich bei der Gedenkveranstaltung hinter die Forderung der Angehörigen. „Aufklärung und Aufarbeitung stehen nicht in freiem Ermessen. Sie sind Bringschuld des Staates gegenüber der Öffentlichkeit und vor allem gegenüber den Angehörigen“, sagte der Bundespräsident. Er wisse, dass es Kritik und Fragen an das staatliche Handeln gegeben habe und weiter gebe. Auch der Staat und die, die in ihm Verantwortung tragen, seien nicht unfehlbar. Wo es Fehler oder Fehleinschätzungen gegeben habe, müsse aufgeklärt werden. „Nur in dem Maße, in dem diese Bringschuld abgetragen wird und Antworten auf offene Fragen gegeben werden, kann verlorenes Vertrauen wieder wachsen. Deshalb müssen wir uns so sehr darum bemühen. Der Staat ist gefordert."

Der 43-jährige Deutsche Tobias R. hatte am Abend des 19. Februar 2020 neun Menschen mit ausländischen Wurzeln an mehreren Orten in der Stadt erschossen, bevor mutmaßlich er seine Mutter tötete und anschließend sich selbst. Zuvor hatte er Pamphlete und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht.

Die „Initiative 19. Februar Hanau“, ein Zusammenschluss von Hanauer Angehörigen, spricht unter anderem von einem „Versagen der Behörden vor, während und nach der Tat“. Angehörige der Opfer hatten wiederholt Aufklärung gefordert, etwa zur Frage, warum der unter Wahnvorstellungen leidende Täter Waffen besitzen durfte.

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