Wohnen ist nichts für jeden

Ansichtssache Wohnungsnot

„Wirtschaftliche Notlagen und schwierige persönliche Lebensumstände können zur Wohnungslosigkeit führen“, weiß die Diakonie Bremen. Bei einer Podiumsdebatte am Dienstag ging es um bezahlbaren Wohnraum.
26.11.2019, 20:37
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Ansichtssache Wohnungsnot
Von Justus Randt
Ansichtssache Wohnungsnot

Wohnungsnot in Bremen, darüber diskutierten die Teilnehmer einer Veranstaltung der Diakonie.

Frank Thomas Koch

„Unerhört sozial – in welcher Stadt wollen wir leben?“ Natürlich in Bremen, lautet die Antwort auf die rhetorische Frage, den Titel der Debattierstunde über Wohnungsnot, zu der die Diakonie und die Initiative Offene Gesellschaft in die Sparkasse am Brill eingeladen hatten. In Bremen leben, und zwar so, dass alle ihr Auskommen haben – auch mit wenig oder noch weniger Einkommen. Das Ideal ist längst nicht erreicht, so viel wurde klar.

Den ersten der Debatten-Impulse lieferte Peter Stubbe, Vorstandsvorsitzender der Gewoba, Aktiengesellschaft für Bauen und Wohnen, die nach seinen Angaben 18 Prozent Anteil am Mietwohnungsmarkt hat: „Was sozialen Wohnungsbau betrifft, ist Bremen sehr privilegiert.“ Ehemalige Wasserwerks-, Friedhofs- und Krankenhausgelände böten diverse Möglichkeiten. „Die Gewoba baut vermehrt öffentlichen Wohnraum. Bremen ist auf einem guten Weg, was die Veränderung hin zu Wohnraum betrifft, der von vielen bezahlbar ist.“ Senatsbaudirektorin Iris Reuther, die als Vertretung für Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) auf einem der sechs Podiumssessel saß, hob hervor, die „Dynamik am Wohnungsmarkt“ habe sich in den vergangenen Jahren verdoppelt. Bis 2024 sollten 8000 geförderte Wohnungen fertiggestellt sein.

Landesdiakoniepastor Manfred Meyer, der die Moderation der anderthalbstündigen Debatte übernahm, fasste Reuthers Impuls so zusammen: „Wir haben hohes Entwicklungspotenzial, der Bund schaut auf uns.“ Das würde auch Joachim Barloschky nicht ausschließen. Der Sprecher des Aktionsbündnisses Menschenrecht auf Wohnen verwies darauf, dass in Bremen 500 Obdachlose und „Tausende Wohnungslose ohne Mietvertrag oder Eigentum“ lebten. Die Quote für sozialen Wohnungsbau müsse dringend von 25 auf 30 Prozent erhöht werden. Barloschkys Tipp an Senatorin Schaefer: „Reden Sie mal mit den Betroffenen.“

Als Politiker saß der Bürgerschaftsabgeordnete Heiko Strohmann (CDU) auf dem Podium. Ihn ärgere, dass der Traum vieler Bremer vom Häuschen mangels Baugebieten eben jenseits der Grenze zu Niedersachsen Wirklichkeit werde. Joachim Linnemann, Geschäftsführer der Justus Grosse GmbH, sagte: „Wir haben keine extrem angespannt Wohnungslage, es ist möglich, für sechs Euro pro Quadratmeter etwas zu finden – vielleicht nicht im Viertel oder in Schwachhausen.“ Zudem entlaste auch jede Luxuswohnung den Markt. „Da gibt es einen Sickereffekt.“

Aus dem Publikum meldete sich Hermann Schulte-Sasse zu Wort. Der Vorsitzende des Verbandsrats des Paritätischen Bremen unterstrich, dass es nicht nur ums individuelle Recht auf Wohnen, sondern auch um „das soziale Unterstützungssystem“ gehe: „Straffällige junge Menschen in betreuten Wohnformen finden keine Wohnungen mehr.“

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