Angst vor Engpässen in Bremen

SWB: Aktuell kein Anlass für höheren Wasserpreis

Der Aufruf von Bremer Stadtwerken und Umweltsenatorin im Sommer, sparsamer mit Trinkwasser umzugehen, befeuert die Angst vor Versorgungsengpässen und möglichen Preissteigerungen.
20.10.2020, 05:00
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SWB: Aktuell kein Anlass für höheren Wasserpreis
Von Ulrike Troue
SWB: Aktuell kein Anlass für höheren Wasserpreis

Einfach den Hahn aufdrehen und in den Mund laufen lassen: Trinkwasser ist in Deutschland günstig und meist auch sauber.

Patrick Pleul/dpa

Im Hochsommer vermeldeten die Stadtwerke Bremen (SWB) als Netzbetreiber für den täglichen Wasserverbrauch in einen Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Normalmaß von 90.000 Kubikmetern. Gemeinsam mit Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) gab es einen Appell an die Bremer Haushalte, sparsamer mit der Ressource Wasser umzugehen als bisher. Das Versorgungssystem wäre das Problem, hieß es. Drohen angesichts steigender Wasserverbräuche Versorgungsengpässe in Bremen oder Preissteigerungen?

Eher nicht, denn durch einen heißen Sommer gibt es laut SWB lediglich mehr Verbrauchsspitzen. Übers Jahr gesehen gleiche sich das wieder aus, sagt SWB-Sprecher Christoph Brinkmann und gibt Entwarnung: „Die Lieferverträge mit den Vorlieferanten sind alle langfristig angelegt, sodass eine Belieferung auch langfristig gesichert ist.“

In anderen Kommunen sieht es anders als in der Hansestadt aus und die Verbraucher müssen sich auf steigende Preise einstellen: Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtete, hatte etwa der Stadtwerkeausschuss der Stadtwerke Norderstedt (Kreis Segeberg) eine Erhöhung für das kommende Jahr beschlossen und die Entscheidung mit dem höheren Trinkwasserverbrauch und mit Instandhaltungsarbeiten begründet.

Das Bremer Trinkwasser kommt zu 85 Prozent aus dem niedersächsischen Umland. Der Trinkwasserverband Verden mit den Wasserwerken Wittkoppenberg und Panzenberg, die Harzwasserwerke mit den Werken Holterheide und Ristedt sowie der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband mit dem Wasserwerk Wildeshausen sind die Vertragspartner der SWB.

Das Trinkwasser für Bremen stammt nach Mitteilung seines Kollegen Alexander Jewtuschenko aus 60 bis 280 Meter tiefen Grundwasserbrunnen. Obgleich ihre Ergiebigkeit je nach Lage leichten Schwankungen ausgesetzt sei, dürften die dort genutzten Vorkommen noch für Jahrzehnte gesichert sein.

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Für eine dauerhafte Sicherung der Wasserversorgung aus diesen Quellen müssen die Stadtwerke Bremen „rechtzeitig die notwendigen Verträge abschließen und die Versorgungsleitungen in entsprechender Dimensionierung vorhalten“, führt Christoph Brinkmann aus. Obgleich dies für das Unternehmen Mehraufwand bedeute und der durch den Klimawandel sinkende Grundwasserspiegel sich zum Problem entwickele, rechnet Brinkmann nicht damit, dass die Bremer für Trinkwasser kurzfristig tiefer in die Tasche greifen müssen.

„Aktuell kennen wir noch keine Veränderungen im Einkaufspreis“, antwortet er auf Anfrage dem WESER-KURIER. Der Nettopreis pro Kubikmeter Wasser beträgt derzeit 1,99 Euro. Der SWB-Sprecher räumt jedoch ein: „Das hängt von den Marktpreisen für Trinkwasser ab.“ Da die Stadtwerke das Gros des Trinkwassers zukaufen, sind sie fast vollständig davon abhängig.

Dennoch sieht Brinkmann im Wasserwerk Blumenthal, das 15 Prozent der Gesamtmenge des Bremer Trinkwassers liefert, einen „wichtigen Baustein der Zulieferung“. Um die Grundwasserentnahme langfristig sichern zu können, plane die Stadt die Erweiterung der Trinkwasserschutzzone in Vegesack. Bis Ende dieses Jahres will Bremen laut Jens Tittmann, Sprecher der Umweltbehörde, die Grenzen für eine neue, größere Zone dort festlegen. Ein hydrogeologisches Gutachten mit einem Abgrenzungsvorschlag dafür liege mittlerweile vor. Es gibt jedoch ein Problem: die dort ansässigen Industrien und Altlasten im Boden.

„Weitere aufeinander folgende trockene Sommer mit zusätzlich wenig Niederschlag im Winter hätten in jedem Fall negative Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit“, heißt es aus dem Umweltbundesamt, das aus Klimaschutzgründen zum bewussten Umgang mit Wasser ermahnt. Tipps dazu gibt es in Bremen bei der SWB und Verbraucherzentrale.

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In den vergangenen fünf Jahren sei der Trinkwasserverbrauch insgesamt in Bremen leicht gestiegen, sagt Christoph Brinkmann weiter. Dabei müsse der erhebliche Zuwachs bei der Bevölkerungszahl in den vergangenen fünf Jahren berücksichtigt werden. Laut statistischem Landesamt betrug sie 2015 durchschnittlich 554 600 Einwohner, im April dieses Jahres waren es 567 100. Durch steigende Bevölkerungszahlen könnte der Wasserkonsum in den nächsten Jahren steigen. Der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch an Trinkwasser liegt nach Brinkmanns Auskunft aktuell bei 120 Liter. Zwei Liter mehr waren es laut Statistischem Landesamt 2016. Damit lag Bremen unter dem Bundesdurchschnitt, der 2018 pro Kopf 127 Liter betrug.

Info

Zur Sache: Trinkwasserpreise in Niedersachsen

In Niedersachsen weist der Trinkwasserpreisvergleich der beim Niedersächsischen Wirtschaftsministerium angesiedelte Landeskartellbehörde zum Stichtag 31. Dezember 2019 große Unterschiede aus. Im Schnitt bezahlten die Niedersachsen 2,12 Euro pro Kubikmeter netto, also ohne Umsatzsteuer. Der Nettopreis pro Kubikmeter des Wasser­­beschaffungsverbandes Syker Vorgeest liegt aktuell bei 1,10 Euro, beim Wasser- und Abwasserverband Osterholz bei 0,79 Euro, bei den Stadtwerken Delmenhorst bei 1,59 Euro und der Trinkwasserverband Verden verlangt 0,80 Euro.

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