Aktion ging bis 4 Uhr morgens

Anti-Terror-Übung im Bremer Hauptbahnhof beendet

Von Donnerstagabend bis weit in den Freitagmorgen hinein trainieren Landes- und Bundespolizei im Bremer Hauptbahnhof die Abwehr eines terroristischen Angriffs. Insgesamt waren 1200 Einsatzkräfte vor Ort.
12.09.2019, 19:23
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Anti-Terror-Übung im Bremer Hauptbahnhof beendet

Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen übten die Einsatzkräfte in der Nacht an realitätsnahen Szenarien das Zusammenspiel in lebensbedrohlichen Situationen.

Frank Thomas Koch

Schüsse, Explosionen, Schreie: Von Donnerstagabend bis weit in den Freitagmorgen hinein trainierten Landes- und Bundespolizei im Bremer Hauptbahnhof die Abwehr eines terroristischen Angriffs. Die Übungen sollten äußerst realistisch wirken.

Mit Knallkörpern, Platzpatronen und viel Theaterschminke wurden dabei unterschiedliche fiktive Terror- und Anschlags­szenarien durchgespielt. 1200 Einsatzkräfte, die um 21 Uhr in Empfang genommen wurden, übten sowohl das Vorgehen gegen terroristische Täter als auch das Zusammenspiel zahlreicher Akteure bei Rettung und Versorgung von Verletzten in lebensbedrohlichen Einsatzlagen. „Die Übung wird uns in Grenzbereiche führen“, sagte Martin Kuhlmann, Präsident der Bundespolizeidirektion Hannover, am Donnerstagabend. Viele der Teilnehmer seien noch in der Ausbildung.

Es sei die größte Übung seit vielen Jahren, sagt Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). „Wir haben in Berlin erlebt, wie dicht der Terror auch bei uns ist. Anhand der Terroranschläge sehen wir, dass Terroristen eine Blutspur der Verwüstung ziehen", so der 68-Jährige. "Es gilt, dafür vorbereitet zu sein.“

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Um 22 Uhr begann das erste Szenario in der Bahnhofshalle. Insgesamt spielten die Einsatzkräfte vier Szenarien bis 4 Uhr morgens durch, zum Teil auf den Bahnsteigen 1 und 2. Eine Schießerei in einem Zug stellten die Teilnehmer unter anderem nach. Maschinenpistolen mit Platzpatronen sowie Übungspistolen mit Farbmunition setzten die Beamten für die Übung ein. Ihre Dienstwaffen mussten sie zuvor bei einer mobilen Waffenkammer im Hauptbahnhof abgeben.

Der halbe Bahnhof war durch Sichtschutzwände für die Öffentlichkeit gesperrt. Züge wurden teilweise auf andere Gleise verlegt. Zur Information und Beruhigung der Reisenden wiesen im Hauptbahnhof und in den ankommenden Zügen Durchsagen auf die Übung hin.

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Die Deutsche Bahn unterstütze die "notwendigen Vorbereitungen und Maßnahmen mit allen involvierten Bereichen", sagte Manuela Herbort, Konzernbevollmächtigte der DB AG. Schließlich seien die Übungen "unabdingbar für den Schutz der Infrastruktur und Bahnhofsnutzer."

Terrorübung am Bremer Hauptbahnhof

Im Bremer Hauptbahnhof übten die Landes- und Bundespolizei für den Ernstfall.

Foto: Frank Thomas Koch

Für Bremens Polizeipräsident Lutz Müller diente das Training dazu, eigene Konzepte zu überprüfen. „Die Teilnehmer sollen eine Gelegenheit bekommen, eine solche Situation greifbar und emotional zu erleben." Dies sei auch der Fall gewesen, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Bundes- und Landespolizei: Obwohl sich alle Beteiligten darüber klar gewesen seien, dass es sich um eine Übung handele, seien sie emotional sehr betroffen gewesen.

Die Polizei zeigte sich am frühen Morgen zufrieden. Es seien wichtige Erkenntnisse gewonnen wurden, um die Abläufe weiter zu optimieren und die Bürger zu schützen. Es habe keine Unfälle oder andere Zwischenfälle gegeben. Die vollständige Auswertung wird einige Wochen dauern. "Nach der Auswertung der Videodokumentationen versprechen wir uns ebenfalls wertvolle Erkenntnisse, um Maßnahmen noch schneller durchzuführen", sagte Lutz Müller. (mic/mmi/var)

+++ Dieser Text wurde um 08.18 Uhr aktualisiert. Eine Reportage folgt im Laufe des Tages. +++

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