Medina Feinkost Antipasti und Suppe mit Stärken und Schwächen

Das Medina verspricht eine kulinarische Weltreise. Mit freundlicher Einrichtung versprüht es mediterrane Leichtigkeit, doch bei der Rafinesse der Speisen erhält es Punktabzug.
05.10.2015, 09:16
Lesedauer: 3 Min
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Von Karina Skwirblies

Das Medina verspricht eine kulinarische Weltreise. Mit freundlicher Einrichtung versprüht es mediterrane Leichtigkeit, doch bei der Rafinesse der Speisen erhält es Punktabzug.

Eine kulinarische Weltreise verspricht das Feinkostgeschäft & Café Medina, das im Februar dieses Jahres in der Stader Straße eröffnet hat. Das kleine Familienunternehmen hat es sich seinem Prospekt zufolge zur Aufgabe gemacht, seine Kunden glücklich zu machen. Ein hehrer Anspruch, doch manchmal liegt das kleine Glück in einer Tasse Kaffee oder einer warmen Suppe.

Der Wille zählt, und dieses überaus freundliche Bemühen spüre ich, als ich das Medina aufsuche, um einen Mittagstisch mitzunehmen. Das Entgegenkommen zeigt sich bereits darin, dass das Medina mit einer großen hölzernen Rampe zum Wintergarten für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Auch im Lokal selbst ist ausreichend Platz für einen Rollstuhl oder Kinderwagen.

Essen hält nicht, was es verspricht

Die Einrichtung ist hell und freundlich mit schönen Holztischen und hellgrünen Plastikstühlen. Das Ambiente versprüht mediterrane Leichtigkeit und die kulinarischen Angebote zielen in dieselbe Richtung. Es gibt Weine und Marmeladen, Kuchen und Torten sowie selbst gemachte Antipasti. Der Mittagstisch, der zeitlich nicht begrenzt ist, besteht wahlweise aus einer Suppe für 3,90 Euro oder einem Teller mit vier Köstlichkeiten aus dem Tresen für 5,90 Euro.

Da ich einer Kollegin versprochen habe, das Essen mitzubringen, nehme ich nicht in dieser kleinen Oase Platz, die das Medina eindeutig ist. Wenn ich den Mittagstisch mitnehmen wolle, müsse ich einen anderen Preis bezahlen, erklärt mir die überaus entgegenkommende junge Frau. Dann gelten für die Köstlichkeiten aus dem Tresen die Kilopreise, die sich zwischen 16 und 22 Euro bewegen. Das ist deutlich teurer, ich komme am Ende auf einen Preis von 8,66 statt 5,90 Euro. Die Suppe kostet außer Haus 4,20 Euro.

Es ist eine Kürbis-Ingwer-Suppe, von der ich ein großes Gefäß voll erhalte. Es sind bestimmt 0,3 Liter. Bei den Köstlichkeiten habe ich die Wahl zwischen Oliven, gebratenen Champignons, Paprikasalat, gefüllter Tomate mit Schafskäse und Bulgur, gebratenen Kartoffelknödeln, Rosenkohl mit Sellerie, mediterranen Rinderrouladen mit Ziegenkäse und Aprikosen und noch anderen Speisen. Ich entscheide mich für die letzten vier genannten.

Suppe hätte mehr Ingwer vertragen können

Mit der Kollegin mache ich die Speisen warm. Zuerst kosten wir die Suppe. Sie ist sämig und duftet angenehm nach Kürbis. Der Ingwer ist nur mit einem Hauch vertreten. Die Kräuter, deutlich zu erkennen, sind dagegen gar nicht zu schmecken. So bleibt das Geschmackserlebnis bei einer schlichten Kürbissuppe, die wenig raffiniert ist und mehr verspricht, als sie hält. Hier hätte die Köchin einen deutlicheren Ingwer-Akzent setzen sollen.


Die Enttäuschung über die mangelnde Raffinesse der Suppe wiederholt sich bei einigen der anderen Speisen. Die Knödel, schön kross gebraten und von guter, grober Konsistenz, sind ganz passabel. Mir fehlt allerdings eine Soße dazu.

Roulade überzeugt überhaupt nicht

Die Rinderroulade kann diese leider auch nicht liefern, denn sie hat zwar eine scharf gewürzte, dabei jedoch spärliche und recht sämige Soße. Ich trauere ein wenig dem Bratensaft hinterher, doch diese Roulade ist nun mal eine mediterrane. Neben Ziegenkäse und Aprikosen findet sich eine wenig schmackhafte saure Gurke darin.
Der Käse passt ausgezeichnet, die Aprikose ist für den deutschen Gaumen gewöhnungsbedürftig (ist doch die Roulade mit Speck und saurer Gurke der Festbraten ganzer Generationen und eine Art Heilige Kuh). Außerdem ist das Fleisch recht trocken. Die Roulade überzeugt mich also überhaupt nicht.

Die gefüllte Tomate hingegen ist ein Gedicht. Neben dem Schafskäse und dem Bulgur sind noch Kapern, Oliven und Spinat in der wahrhaft köstlichen Speise. Eine sehr stimmige Komposition, gut zubereitet. Hier setzt sich die mediterrane Küche gut durch. Rosenkohl mit Sellerie ist die vierte Köstlichkeit, doch das Gemüse ist etwas zu weich geraten. Diese Speise ist ebenfalls nicht wirklich überzeugend.

Medina Feinkost & Café, Stader Straße 114, 28205 Bremen, Telefon 89775318, rollstuhlgerecht. Getränkepreise: Kaffee 1,90 Euro, Wasser (0,3 l) 1,90 Euro, Softdrinks (0,3 l) 2,40 Euro, Kinderglas (0,1 l) 0,80 Euro, Wein (0,2l) ab 3,80 Euro.

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