Esel Anton ist tot

Anton lehrte Kinder Liebe und Geduld

Das Team des Tier- und Landschaftsprojekts des Sportgarten in der Pauliner Marsch trauert um den Esel-Wallach Anton, der nach schwerer Krankheit eingeschläfert werden musste.
16.03.2020, 05:34
Lesedauer: 2 Min
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Anton lehrte Kinder Liebe und Geduld
Von Anne Gerling
Anton lehrte Kinder Liebe und Geduld

Frech und munter: So haben die Besucher des Tier- und Landschaftsprojekts in der Pauliner Marsch Esel Anton (links) in Erinnerung. Sein älterer Bruder Moritz ist dort nun vorerst allein.

Sportgarten

Seit einigen Tagen ist es ungewohnt still auf den Wiesen beim Jürgenshof in der Pauliner Marsch: Das Team des Tier- und Landschaftsprojekts des Sportgarten trauert um Esel Anton, der Anfang März gestorben ist. Nachdem das fast 14 Jahre alte Tier an einer Mittelohrenentzündung erkrankt war, hatten vier Tierärzte um sein Leben gekämpft – doch leider vergeblich: Anton kam nicht wieder auf die Beine.

„Mittelohrentzündung kommt bei Eseln ausgesprochen selten vor, die Behandlung ist äußerst langwierig. Erst hatte die Behandlung ganz gut angeschlagen“, sagt Sportgarten-Chef Ulli Barde. „Dann kam die Krankheit aber in vollem Umfang zurück, sodass man vermuten musste, dass eine zerebrale Störung, also ein Gehirntumor oder eine Hirnhautentzündung, vorliegt. So mussten wir dann die traurige Entscheidung fällen, Anton von seinem Leid zu erlösen.“

Besonders traurig ist dies vor dem Hintergrund, dass vor etwas mehr als einem Jahr bereits die 24 Jahre alte Eseldame Greta gestorben war, die seit 2005 Teil des Tier- und Landschaftsprojektes war. Das Team hatte Greta damals gemeinsam mit ihrem gerade frisch geborenen Esel-Sohn Moritz auf dem Brokser Heiratsmarkt erstanden. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits wieder trächtig: Anton ist im Sommer 2006 auf der Weide in der Pauliner Marsch auf die Welt gekommen. Die Weide mit zwei Offenställen teilte er sich mit seinem älteren Bruder Moritz, den Ziegen Lilly und Rana und den Ponys Jip und Sally.

„Anton war munter, zufrieden und oft flott unterwegs, wenn die Herde in Bewegung kam“, beschreibt ihn Katja Steinkühler, die das Tier- und Landschaftsprojekt leitet. „Allgemein war Anton ein schneller und aufmerksamer Esel-Wallach. Er konnte Spanischen Schritt, auf Kommando rückwärts gehen, kletterte auf Podeste und zeigte gerne sein Kompliment. Am Strick war er sehr auf den Menschen bezogen, kam mit in den Sportgarten und liebte lange Spaziergänge auf der anderen Weserseite.“

Das Team vermisse Anton sehr und werde ihn als frechen und verspielten Esel in Erinnerung behalten, der alles mitgemacht habe: „Er kletterte gerne an Hängen und Treppen hoch, sprang auch mal wie verrückt durch die Gegend und zeigte Kindern wie man führen muss, um ein Sensibelchen vorwärts zu kriegen: Mit Druck und Zwang kam man nicht weiter – mit Liebe und Geduld schon.“

Auch Esel Moritz trauert um seinen Bruder, wie Ulli Barde erzählt: „Er ist bei den Pferden und Ziegen, aber Anton – sein Gefährte – fehlt ihm. Die beiden waren ja immer zusammen. Wir kümmern uns um ihn und machen Spaziergänge mit ihm – aber einen Bruder können wir nicht ersetzen.“ Barde zufolge soll perspektivisch nach einem neuen Gefährten für Moritz gesucht werden. Bis dahin wolle das Team jedoch zunächst gerne die Anlage umgestalten, um dort weiterhin eine artgerechte Haltung betreiben zu können.

Die Pauliner Marsch war über Jahrhunderte das Weideland für die Stadtbewohner. Bereits seit einigen Monaten wird beim Sportgarten aber über Optimierungsmaßnahmen nachgedacht, die durch den Klimawandel und die zunehmend feuchte Witterungslage nötig geworden seien, wie Barde sagt. Denn Esel, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammen, sind an sandige und steinige Böden und trockenes warmes Klima gewöhnt. In der Pauliner Marsch ist unter anderem ein Überweg mit scharfkantigen Steinen so gestaltet worden, dass die Hufe der Langohren auf natürliche Weise gepflegt werden.

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