Flächendeckende Versorgung Todkranker soll künftig von Kattenturm aus geleistet werden AOK lässt Palliativnetz Nord abblitzen

Beim Aufbau einer flächendeckenden palliativmedizinischen Versorgung für unheilbar Kranke in Bremen-Nord wird eine örtliche Anbietergemeinschaft nicht zum Zuge kommen. Die AOK als größte Krankenkasse hat in dieser Woche die seit anderthalb Jahren geführten Verhandlungen mit dem Palliativnetz Bremen-Nord aufgekündigt. Sie wird einen Vertrag mit einem Dienst abschließen, der am Klinikum Links der Weser (LdW) in Kattenturm ansässig ist.
21.11.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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AOK lässt Palliativnetz Nord abblitzen
Von Jürgen Theiner

Beim Aufbau einer flächendeckenden palliativmedizinischen Versorgung für unheilbar Kranke in Bremen-Nord wird eine örtliche Anbietergemeinschaft nicht zum Zuge kommen. Die AOK als größte Krankenkasse hat in dieser Woche die seit anderthalb Jahren geführten Verhandlungen mit dem Palliativnetz Bremen-Nord aufgekündigt. Sie wird einen Vertrag mit einem Dienst abschließen, der am Klinikum Links der Weser (LdW) in Kattenturm ansässig ist.

Bremen-Nord. Ambulante Palliativmedizin - also die auf Linderung abzielende häusliche Versorgung Sterbenskranker - gibt es in Bremen-Nord bisher nur in Ansätzen. Einige Hausärzte mit Zusatzqualifikation versorgen ihre Patienten so gut es geht. Doch eine professionell verzahnte, flächendeckende ärztliche und pflegerische Betreuung existiert bisher nicht. Anders im Stadtgebiet südlich der Lesum. Diesen Bereich deckt der Ambulante Palliativdienst Bremen ab, ein spezialisierter Pflegedienst, der eng an das LdW angelehnt ist. Mit den Kassen existieren entsprechende Versorgungsverträge.

Bereits seit mehreren Jahren sind Bemühungen im Gang, für Bremen-Nord ebenfalls eine palliativmedizinische Versorgung aus einer Hand aufzubauen. Einschlägig qualifizierte Hausärzte und Pflegedienste aus Bremen-Nord sowie das Klinikum Nord hatten sich zu diesem Zweck zu einer Anbietergemeinschaft zusammengefunden, dem Palliativnetz Bremen-Nord.

Die Verhandlungen mit der AOK als größtem Kostenträger gestalteten sich indes ausgesprochen zäh. Es ging - natürlich wie so oft - ums Geld. Das Palliativnetz Nord verlangte eine höhere Tagespauschale als der LdW-gestützte Dienst, bot dafür aber nach eigener Darstellung eine umfassendere Betreuung.

Für den vergangenen Mittwoch war eine entscheidende, letzte Gesprächsrunde mit dem Vertragsdirektor der AOK, Olaf Woggan, anberaumt. Doch die ging schnell zu Ende. "Herr Woggan eröffnete uns, dass er den Termin nur aus Höflichkeit wahrnehmen wollte, denn er sei sich bereits mit einem anderen Anbieter handelseinig geworden", berichtet der Verhandlungsführer des Palliativnetzes Nord, der Fähr-Lobbendorfer Allgemeinmediziner Peter Rudolph. Nach einer halben Stunde sei man wieder auseinandergegangen.

AOK-Sprecher Jörn Hons bestätigt das Scheitern der Verhandlungen. "Wir haben immer wieder versucht, Brücken zu bauen und Kompromisse einzugehen, aber das hat letztlich zu nichts geführt," sagt er. Da es einen gesetzlichen Auftrag für eine flächendeckende Palliativ-Versorgung gebe, habe die AOK nicht länger zuwarten können. Es liege nun ein unterschriftsreifer Vertrag mit dem Ambulanten Palliativdienst Bremen vor, der in Kürze abgeschlossen werde.

Todkranke in Bremen-Nord sollen nun also bald von Kattenturm aus versorgt werden. Die räumliche Distanz, die Anfahrten von mehr als einer halben Stunde erfordert, sehen weder die AOK noch die Zentrale für private Fürsorge als ein ernsthaftes Hindernis. Die Zentrale ist neben dem LdW einer der beiden Träger des Fachdienstes. Geschäftsführer Johannes Foppe: "Wir werden uns entsprechend aufstellen und zusätzliche ärztliche und pflegerische Kräfte bereithalten." An einen zweiten Stützpunkt in Bremen-Nord sei nicht gedacht. Mittelfristig plane man aber eine Präsenz am Waller Hospiz.

Peter Rudolph sieht die Versorgung aus der Ferne mit großer Skepsis. "Ich werde mir sehr überlegen, so etwas für meine Patienten in Anspruch zu nehmen", sagt Rudolph. Die Reaktionszeit der Kattenturmer Palliativpfleger sei einfach schlicht zu lang. "Nur weil die mit der AOK einen Vertrag geschlossen haben, wachsen denen ja keine Flügel."

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