Gut für die Pflichtversicherten in Bremen

AOK senkt Beiträge

Die AOK Bremen/Bremerhaven hat den Anfang gemacht und will den Zusatzbeitrag erneut um 0,1 Prozentpunkte senken. Was die HKK plant, und wie viel die Versicherten dadurch mehr im Geldbeutel haben werden.
10.12.2018, 20:46
Lesedauer: 3 Min
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AOK senkt Beiträge
Von Florian Schwiegershausen
AOK senkt Beiträge

Die AOK Bremen/Bremerhaven senkt den Zusatzbeitrag erneut um 0,1 Prozentpunkte, die HKK wird am 20. Dezember nachziehen.

Gambarini/DPA

Die AOK Bremen und Bremerhaven wird für das kommende Jahr erneut ihren Zusatzbeitrag um 0,1 Prozentpunkte senken. Das hat der Verwaltungsrat der Krankenkasse am Montagabend beschlossen. Da ab 2019 der Arbeitgeber wieder die Hälfte des Zusatzbeitrags übernimmt, zahlt der Versicherte ab dem neuen Jahr also nur noch 0,35 Prozent seines Lohns oder Gehalts zusätzlich. Nach Angaben der AOK Bremen/Bremerhaven werden ihre Mitglieder damit insgesamt um rund fünf Millionen Euro entlastet.

Die Krankenkasse folge damit auch dem Gebot des Gesetzgebers, Rücklagen abzubauen. Bereits in den vergangenen Monaten hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angesichts der hohen Reserven bei Deutschlands gesetzlichen Krankenkassen gefordert, dass diese „alle Spielräume konsequent nutzen, um ihre Zusatzbeiträge zu senken.“ Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Rentner müssten endlich an den Überschüssen der Kassen beteiligt werden. Es gebe keinen Grund, Beitragsgelder „weiter zu horten“.

Die beiden Verwaltungsratsvorsitzenden der AOK Bremen und Bremerhaven, Annette Düring und Wolfgang Söller, sehen dieses gesetzliche Gebot aber kritisch: „Wir haben schon gezeigt, dass wir unsere Beitragszahler in erfolgreichen Jahren entlasten, dass wir aber zugleich verantwortungsvoll über mehrere Jahre planen und dafür Rücklagen brauchen."

Zusätzliche AOK-Geschäftsstellen in Bremen

Die Zahl der Versicherten wuchs bei der AOK um 3,3 Prozent auf knapp 260.000. Die Ausgaben stiegen um 0,6 Prozent je Versicherten. Das Durchschnittsalter der AOK-Versicherten liegt bei 41,6 Jahren – rund 2,5 Jahre niedriger als das Durchschnittsalter in anderen Kassen. „Das sichert unserer Kasse die Zukunft“, sagte der Vorstandsvorsitzende Olaf Woggan. Viele junge Menschen seien als Mitglieder hinzugekommen. Die AOK Bremen/Bremerhaven ist dabei, viele interne Prozesse in Richtung Digitalisierung zu optimieren. Zudem soll eine neue AOK-Geschäftsstelle jeweils in Huchting und eine in Blockdiek im Wohngebiet Ellener Feld entstehen.

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Auch andere Krankenkassen in Bremen haben bereits ihren Zusatzbeitrag gesenkt oder wollen ihn senken. Bereits im Oktober hatte der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherungen empfohlen, den Zusatzbeitrag um 0,1 Punkte auf durchschnittlich 0,9 Prozent zu senken. Dieser Empfehlung will in Bremen auch die HKK folgen.

Dort tagt der Verwaltungsrat zwar erst am 20. Dezember, doch HKK-Vorstand Michael Lempe hat bereits in Aussicht gestellt: „Die Senkung wird höher ausfallen als die vom Bundesgesundheitsministerium vorgesehene Absenkung des Durchschnittsbeitrags um 0,1 Prozent. Damit bleibt die HKK wie in den vergangenen Jahren voraussichtlich Preisführer unter den bundesweiten wählbaren Krankenkassen.“ Die genaue Höhe des Beitragssatzes werde die Krankenkasse am 21. Dezember bekanntgeben.

Die BKK Firmus mit ihren 90.000 Kunden, die ihren Hauptverwaltungssitz ebenfalls in Bremen hat, wird ihren Zusatzbeitrag zum 1. Januar auf 0,44 Prozent senken. Arbeitnehmer zahlen in Zukunft also 0,22 Prozent, da der Arbeitgeber die andere Hälfte übernimmt.

Verwaltungsrat entscheidet Freitag

Auch Rentner zahlen in Zukunft nur noch 0,22 Prozent zusätzlich. Da die HKK in den letzten Jahren den Ehrgeiz entwickelt hat, die günstigste gesetzliche Krankenkasse Deutschlands zu sein, ist damit zu rechnen, dass sie die 0,44 Prozent der BKK Firmus unterbieten wird. Der Verwaltungsrat der TK wird Freitag über die Beiträge entscheiden.

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Die AOK Bremen/Bremerhaven rechnet vor, dass ein Durchschnittsverdiener mit einem Monatsgehalt von 3000 Euro brutto im kommenden Jahr zusammengerechnet rund 162 Euro weniger Beitrag zahlen wird. Zwar wird ab Januar der Beitrag für die Pflegeversicherung um 0,5 Punkte auf 3,03 Prozent steigen. Kinderlose zahlen dann künftig 3,3 Prozent. Gleichzeitig sinkt aber die Arbeitslosenversicherung um 0,5 Punkte auf 2,5 Prozent.

Das Bundesgesundheitsministerium sieht noch weiteres Potenzial für niedrigere Beiträge bei den gesetzlichen Krankenkassen. Sie erwirtschafteten nach Angaben des Ministeriums in den ersten drei Quartalen einen Überschuss von rund 1,86 Milliarden Euro. Insgesamt sollen die Kassen über Betriebsmittel und Rücklagen in Höhe von insgesamt 21 Milliarden Euro verfügen. Alle Kassen haben außerdem angekündigt, dass sie ihr Leistungsangebot in einigen Bereichen verbessern wollen.

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