Demo vor dem Zirkus

Applaus für tierfreie Manege

Der Circus Roncalli verzichtet ab dem nächsten Jahr komplett auf Tierdarbietungen. Dafür gab es bei einer Aktion von Bremer Tierschützern vor dem Zirkuszelt auf der Bürgerweide am Freitag viel Lob.
24.11.2017, 20:37
Lesedauer: 3 Min
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Applaus für tierfreie Manege
Von Lisa Boekhoff
Applaus für tierfreie Manege

Roncalli ab 2018 ohne Tiere: Das befürwortet auch Lena Friedrich von Animal Save in Bremen und bedankt sich mit ihrem Plakat.

Karsten Klama

Wenn Tierschützer vor einem Zirkus demonstrieren, liegt der Grund dafür auf der Hand: Die Aktivisten protestieren gegen die Haltung der Tiere im Zirkus und gegen deren Auftritte in der Manege. Seit Jahrzehnten kommt es in Bremen immer wieder zu solchen Protesten vor Zirkuszelten. An diesem Freitagnachmittag gibt es auf der Bürgerweide aber eine Aktion aus einem anderen Grund.

Der Circus Roncalli, der dort gerade gastiert, hat schon im Frühjahr bekannt gegeben, ab dem nächsten Jahr auch auf sieben Ponys und ein Pferd in seinen Aufführungen zu verzichten. Der Tierrechtsaktivist Peter Hübner hat deshalb zusammen mit 14 Tierschutzorganisationen aus Bremen, dem Tierschutzverein, Animals United oder der Tiertafel, die Aktion am Freitag organisiert. „Wir wollen uns für diesen Schritt bedanken. Das zeigt, dass unsere Arbeit nicht vergebens ist.“ Hübner hofft, dass sich andere Zirkusse an Roncalli ein Beispiel nehmen und ebenfalls komplett auf Tiere im Programm verzichten.

Zirkus will digitaler werden

Viele Menschen stehen während der Aktion für die Vorführung um 15.30 Uhr an, die Schlange zieht an den Tierschützern vorbei. „Danke Roncalli – für einen Zirkus ohne Tiere!“ steht auf einem ihrer großen Transparente. „Ich finde das total gut. Ich dachte ohnehin, es gibt gar keine Tiere“, sagt eine junge Frau, die vor dem Zelt mit ihrer Tochter wartet. Einen Zirkus mit Tierdressuren wolle sie nicht besuchen. Zustimmung für das Vorhaben gibt es auch bei anderen Besuchern: „Das kann man sich auch so angucken!“ Dagegen findet eine Besucherin die Tiere in der Manege schön.

Auch Heide Neumann unterstützt die Aktion auf der Bürgerweide. Sie ist Mitglied im Vorstand des Bremer Tierschutzvereins und war schon bei den ersten Demos gegen Tierdarbietungen dabei. Über den Anlass der Aktion freut Neumann sich: „Das ist ein tolles Gefühl. Roncalli ist ein Vorzeigezirkus.“ Sie fordert, dass auch andere Zirkusse neue Konzepte ohne Tiere entwickeln. „Die lange Schlange zeigt doch, dass Roncalli trotzdem viele Besucher begeistert“, sagt auch Gaby Schwab, Sprecherin des Vereins. Schon seit vielen Jahren gebe es bei Roncalli keine Wildtiere mehr.

Die Demonstration vor dem Zirkus Roncalli.

Die Demonstration vor dem Zirkus Roncalli.

Foto: Karsten Klama

Dass Tierdarbietungen in Zukunft gestrichen sind, das habe aber zunächst logistische Gründe, sagt Markus Strobl, Sprecher von Roncalli. „Das ist keine Entscheidung für oder gegen eine Ideologie“, betont er. In Großstädten wie Wien, Hamburg oder Bremen sei es schwierig, eine Koppel für die Ponys einzurichten. Die Anforderungen, Tiere zu den Spielplätzen mitzubringen, seien hoch. Der Zirkus will seine Tourneen jedoch auf die Großstädte konzentrieren. Der Wunsch nach Tieren im Zirkuszelt sei zudem nicht groß, sagt Strobl: „Wir haben unser Publikum befragt, was es bei Roncalli sehen will. Clowns, Artisten und Poesie liegen ganz vorn. Tiere waren mit drei Prozent auf dem letzten Platz.“

Insgesamt gibt es ab 2018 laut Strobl viele Neuerungen bei Roncalli. Der Zirkus will digitaler werden. Schon die Schlange zur Nachmittagsvorführung in Bremen zeigt: Viele Tickets werden nicht mehr an der Kasse, sondern im Internet gekauft. In der Gastronomie soll statt Plastik recycelbares Papier verwendet werden, an „roncallisierten Foodtrucks“ soll es vegetarische und vegane Gerichte geben – zusätzlich zur Bratwurst und zum Wiener Schnitzel. „Wir wollen jeden herzlich begrüßen.“

Einen neuen Weg gehen

Die Aktion in Bremen will Strobl nicht kommentieren. Zirkusdirektor Bernhard Paul wolle andere Zirkusse nicht bewerten. Roncalli wolle einfach einen neuen Weg gehen: „Bernhard Paul sagt: Der Zirkus ist immer mit der Zeit gegangen.“ Vom Verband deutscher Circusunternehmen gab es in dieser Woche dagegen scharfe Kritik wegen Roncallis Entscheidung gegen Tiere.

„Das finde ich peinlich“, sagt dazu Aktivist Peter Hübner aus Syke. Schon seit langer Zeit setzt er sich für tierfreie Zirkusse ein, dokumentiert Verstöße gegen die Tierhaltung und stellt Strafanzeigen. Noch bis zur Abendvorführung will er bleiben, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Unterstützung für die Aktion und das Vorhaben von Roncalli gibt es auch von zwei jungen Frauen, die gerade ein Selfie vor dem Zirkuszelt machen: „Das ist sehr gut! Wir sagen auch: Danke Roncalli!“

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