Smartphone-Einkäufe können in Abo-Falle führen

Appzocke

Einkaufen per Smartphone: Das ist nicht nur einfach, sondern vor allem bequem und geht schnell. Doch oft verdienen auch unseriöse Anbieter mit dieser Masche Geld, indem sie hinter dem Klick auf das Werbefenster Abos verstecken.
25.06.2015, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Kristin Hermann
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Eigentlich wollte Lara-Viona Hundhausen nur ihr Lieblingskartenspiel Solitär über ihre App aufrufen. Dass in der kostenfreien Anwendung zwischendurch Werbung aufpoppt, kennt sie schon. Doch dieses Mal ist etwas anders. Als die 23-Jährige das Werbefenster über das kleine Kreuz oben rechts schließen will, hat sie plötzlich ein Abo für 4,99 Euro in der Woche abgeschlossen – für welche Art von Leistung, erfährt sie allerdings nicht.

Die Bremerin ruft bei ihrem Mobilfunkbetreiber an. Der kann der jungen Frau auch nicht sagen, was genau sie da abgeschlossen hat, bietet ihr aber eine sogenannte Drittanbietersperre an, damit so etwas in Zukunft nicht mehr passiert. Hundhausen akzeptiert das Angebot. Die 4,99 für das angebliche Abonnement zahlt sie trotzdem.

Aber wie ist es überhaupt möglich, dass der 23-Jährigen Geld abgebucht werden konnte, ohne, dass sie ihre Kontodaten eingegeben hat? Das Verfahren nennt sich WAP-Billing, der Nutzer kauft über seine Mobilfunkrechnung ein. „Die Grundidee ist, dass man ohne Anmeldung einfacher bezahlen kann“, sagt Andreas Hentschel vom Technikportal „Chip.de“.

Nur einen Klick von der Abofalle entfernt

Der Kaufvorgang wird dabei direkt dem jeweiligen Handy zugeordnet. „Jedes Handy hat eine Gerätenummer, die in Kombination mit der Rufnummer dem jeweiligen Serviceleister übermittelt wird“, sagt der Experte. Anhand dieser Nummern kann der Dienstleister dem Mobilfunkbetreiber eine Rechnung stellen. Die Summe wird dann am Ende des Monats mit dem Handyvertrag abgebucht. Das gilt auch für Kunden, die ihr Guthaben selbst aufladen.

So bequem diese Art der Bezahlung etwa für Parktickets oder Konzertkarten sein mag, so oft verdienen auch unseriöse Anbieter mit dieser Masche Geld, indem sie hinter dem Klick auf das Werbefenster Abos verstecken.

App-Entwickler schalten in ihren Anwendungen Werbungen, um die Refinanzierung zu gewährleisten. „Kleine App-Anbieter lassen die Werbung in der Regel über Vermarkter laufen, die tausendfach Werbung einkaufen“, sagt Hentschel. „Das ist schwer zu kontrollieren und deswegen können immer wieder schwarze Schafe durchrutschen.“

Große Wellen schlug diese Art von Betrug besonders vor vier bis fünf Jahren, als sich immer mehr Menschen ein Smartphone zulegten. Aber auch heute ist das Thema nach wie vor ein Problem, wie ein Blick in diverse Internetforen verrät. Gerade erst hat die Verbraucherzentrale Sachsen vor einer Abo-Falle bei dem Nachrichtendienst WhatsApp gewarnt.

Vodafone nutzt Frühwarnsystem

Nach Angaben der Verbraucherschützer erhielten mehrere Anwender in dem Messenger Nachrichten, die auf neue -Funktionen hinwiesen und zum Anklicken eines Links einluden. Wer diesen Link angeklickt hat, fand auf seiner nächsten Telefonrechnung zum Preis von 4,99 Euro pro Woche ein Abo bei einem Drittanbieter.

Nachdem die Vorfälle vor einigen Jahren drastisch zunahmen, mussten nach Angaben der Verbraucherzentrale alle Mobilfunkbetreiber Maßnahmen ergreifen, damit das Geschäftsmodell WAP-Billing nicht komplett unseriös wurde. Der Anbieter Vodafone hat nach eigenen Angaben deshalb ein Frühwarnsystem aufgebaut, um kriminelle Handlungen schnell zu entdecken und in Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden den Tätern das Handwerk zu legen.

In der Regel verlaufe der Kauf von digitalen Inhalten für den Kunden deshalb transparent und er erhalte nur die Einzelkäufe, die er auch bewusst getätigt hat. Trotzdem gebe es auch bei Vodafone immer wieder Kriminelle, die in Einzelfällen versuchen, Kunden in ungewünschte Abo-Fallen zu locken. „Etwa durch gefälschte App-Nachrichten oder durch unseriöse Werbung, die diese Kriminellen ganz normal bei den entsprechenden Anbietern schalten“, sagt Konzernsprecher Volker Petendorf.

Wem so etwas wie Lara-Viona Hundhausen passiert, der muss in keinem Fall zahlen, sagt Anna Verena Rohner, Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht. „Es muss ganz deutlich erkennbar sein, dass es sich um einen Vertragsabschluss handelt“, sagt sie. Dafür müssen Laufzeit und Preis genannt werden. „Wenn man nur auf einen Werbebanner klickt, kann juristisch dadurch kein Vertragsabschluss zustande kommen.“ In solchen Fällen sollte der Verbraucher also nicht direkt bezahlen, sondern dagegen vorgehen.

Unbedingt der Zahlungsaufforderung widersprechen

„Man sollte möglichst schnell sowohl den Netzbetreiber, als auch den Anbieter der eigentlichen Leistung anschreiben und der Zahlungsaufforderung widersprechen.“ Wem die Summe bereits per Lastschriftverfahren abgezogen wurde, hat die Möglichkeit das Geld für das angebliche Abonnement wieder zurückzubuchen. Dabei sei es nach Angaben der Rechtsanwältin wichtig, nur den Teilbetrag zurückbuchen zu lassen, da man für seinen Handyvertrag ja ohnehin bezahlen muss.

Diesen Tipp will jetzt auch WESER-KURIER-Leserin Anna Steffens beherzigen. Auch sie ist jüngst in eine Abo-Falle getappt und hat sich nach einem Aufruf bei uns gemeldet. Sie hat eine SMS bekommen mit folgendem Text: „E-Plus hat ihnen soeben 6,99 Euro für die Nutzung eines Premium-Dienstes von Pogonop s.r.o. berechnet. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an den Anbieter.“

„Ich wusste überhaupt nicht, auf welche Werbung ich in einer App geklickt haben soll“, sagt Steffens. Bei ihrem Netzbetreiber bekommt sie nur eine E-Mail-Adresse und die Auskunft, dass der Anbieter des Abos in Tschechien sitzt. Momentan wartet sie auf eine Stellungnahme von dort. Zahlen will Steffens nun, da sie weiß, dass ein solcher Abschluss rechtswidrig ist, nicht.

Auch Vodafone rät in solchen Fällen den Kunden, das Vergehen zu melden. „Wenn ein Kunde eine Forderung bestreitet, dann ist der Anbieter der digitalen Inhalte verpflichtet, den rechtswirksamen Vertragsabschluss nachzuweisen“, sagt Volker Petendorf. Gelinge das nicht, erhalte der Kunde die zu Unrecht gezahlten Beträge wieder gutgeschrieben. „Sollten Anbieter unrechtmäßig und insbesondere zum Nachteil unserer Kunden gehandelt haben, steht Vodafone ein vertragsrechtlich basiertes Instrumentarium zur Verfügung, dessen Anwendung in letzter Konsequenz auch die vollständige Abschaltung eines Anbieters zur Folge haben kann“, sagt der Konzernsprecher.

Drittanbietersperre einrichten lassen

Experten raten Handybesitzern, vorsorglich eine Drittanbietersperre einrichten zu lassen. Selbst kann man diese Funktion unter den Einstellungen zwar nicht auswählen, aber der Netzbetreiber kann einem so etwas kostenlos einrichten. Mit einer solchen Sperre werden sämtliche Leistungen von Drittanbietern verweigert.

Bei den meisten Beschwerdefällen handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die ohne das Wissen ihrer Eltern Abos abschließen. „Meistens im Erotik-Bereich“, sagt Anne-Katrin Wiesemann, Referentin für Recht bei der Verbraucherzentrale Sachsen. „Es gibt eben immer noch Fälle, bei denen es dem Inhalteanbieter gelingt, die Vorgaben der Mobilfunkanbieter zu umgehen.

Aufgrund der teilweise kleinen Beträge, falle den Verbrauchern das Abonnement oft erst spät oder nach Durchsicht der Handyrechnung auf. Wird es bemerkt, kündigen die Verbraucher das Abo oft schnell. „Das mühsame Zurückfordern der Beträge wird aber oftmals gescheut“, sagt Wiesemann.

Neben der Drittanbietersperre gibt noch eine andere Möglichkeit gefährliche und teure Abo-Fallen zu umgehen. Klickt der Nutzer nämlich auf das Angebot, während seine Internetverbindung über WLAN hergestellt ist, kann der Zahlungsvorgang nicht ausgelöst werden. „WAP-Billing funktioniert nur per Mobilfunkverbindung“, sagt Wiesemann.

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