Dauerbaustelle vor Bremer Bahnhof Arbeiten am 100-Millionen-Projekt verzögern sich weiter

Die Fertigstellung der beiden Häuser vor dem Bremer Hauptbahnhof wird sich um bis zu ein Jahr verzögern. Schuld daran sind demnach nicht allein die Absackungen rund um die Baugrube.
17.06.2016, 19:32
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Arbeiten am 100-Millionen-Projekt verzögern sich weiter
Von Jürgen Hinrichs

Der Bau der beiden Häuser vor dem Bremer Hauptbahnhof wird sich um bis zu ein Jahr verzögern. Das hat der WESER-KURIER aus sicherer Quelle erfahren.

Schuld daran sind demnach nicht allein die Absackungen rund um die Baugrube, sondern auch Probleme mit den technischen Verfahren. Die zwei geplanten Hotels können nun frühestens im Herbst 2018 ihren Betrieb aufnehmen. Für einige andere große Mieter gibt es möglicherweise einen etwas früheren Bezugstermin. Gleiches gilt auch für die Tiefgarage der Brepark.

Zuletzt gerieten die Bauarbeiten ins Stocken, nachdem sich herausgestellt hatte, dass das Erdreich an den Rändern der Grube an manchen Stellen ins Rutschen geraten war. Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) musste daraufhin Anfang Mai zwei ihrer Gleise vor dem Bahnhof sperren, weil sie die Sicherheit für die Fahrgäste nicht mehr garantieren konnte. Dieser Zustand hat sich bis heute nicht verändert. Als Konsequenz daraus, dass nicht absehbar ist, ob der Boden weiter nachgibt, hat die BSAG ihren ursprünglichen Plan aufgegeben, in diesem Sommer für rund drei Millionen Euro die maroden Gleise und Weichen vor dem Bahnhof zu sanieren. Stattdessen soll es jetzt Behelfslösungen geben.

Von den Absackungen betroffen ist auch die Hochstraße. Sie hat sich auf Höhe der Baustelle leicht geneigt. Um sie wieder ins Lot zu bringen, hat das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) mit allen Beteiligten mittlerweile einen Plan abgestimmt, wie die Behörde mitteilt. „Die Hochstraße wird zurück auf ihren alten Stand gebracht“, kündigt ASV-Abteilungsleiter Thomas Sauer an. Bis dahin werde es wegen der aufwendigen Vorbereitungen noch einige Wochen dauern. Das Verfahren dafür sei erprobt und immer dann üblich, wenn an Brücken ungefähr alle 40 Jahre die Lager ausgetauscht werden müssten. „Wir werden die Stützen mit Hydraulikpressen behutsam anheben und Futterplatten darunter setzen“, beschrieb Sauer die Arbeiten. Die Prozedur wird seiner Einschätzung nach nicht länger als ein paar Stunden dauern. Währenddessen bleibe die Hochstraße wahrscheinlich gesperrt.

Wie die BSAG sieht sich auch das ASV vor weiteren Absackungen nicht gefeit. „Wir belassen die Pressen so lange an den Stützen, bis die Arbeiten im Baugrund abgeschlossen sind“, erklärt der ASV-Ingenieur. Während dieser Zeit werde permanent gemessen, ob die Hochstraße sich wieder neigt. „Mit den Pressen wären wir in so einem Fall handlungsfähig und könnten rechtzeitig gegensteuern.“ Die Kosten für die gesamte Aktion würden dem Bauherrn beziehungsweise der Baufirma in Rechnung gestellt.

Wann es in der Grube weiter in die Tiefe gehen kann, ist noch unklar. Möglicherweise erst dann, wenn die Hochstraße darauf vorbereitet wurde. Bis zur Sohle des dritten Untergeschosses fehlen noch rund fünf Meter. Probleme hat es mit dem Ausbau dem Vernehmen nach von Anfang an gegeben. Der Grund dafür sei, dass die Baugrube nicht in herkömmlicher Weise mit einer durchgehenden Stahlwand eingefasst werde. Stattdessen arbeite man mit einer von Stahl unterstützten Betondichtwand, die speziell gepflegt werden müsse, damit sie ihre statische Funktion erfüllen könne. Das Verfahren sei mit langwierigen Prüfphasen verbunden und habe schon deswegen zu Verzögerungen geführt. Das 100-Millionen-Projekt der Achim-Griese-Treuhandgesellschaft aus Hamburg ist in Bremen umstritten. Die Gegner reiben sich daran, dass der Bahnhofsvorplatz bebaut wird, sie stören sich aber auch an der Architektur. Es ist ein Entwurf von Max Dudler, der auch die Pläne für den Neubau an der Ecke Bahnhofstraße/Herdentorsteinweg gezeichnet hat. In der Fachwelt sind seine Arbeiten hoch anerkannt.

Der Investor ist trotz aller Schwierigkeiten, die es bisher auf der Baustelle gab, von seinem Projekt weiterhin überzeugt. „Die Nachfragen in Menge und Güte zeigen uns, dass der Standort in Bremen seine Berechtigung hat“, sagte Ulf Wachholtz, Geschäftsführer bei Achim Griese. Bei den Vermietungen sei man voll im Plan. Weitere Abschlüsse werde es aber erst geben können, wenn klar ist, wann die beiden Häuser fertig sind.

Rund 9000 Quadratmeter, ein Viertel der Gesamtfläche, entfallen auf zwei Hotels, das „Ibis Budget“ und das Apartmenthotel Adagio. Weitere Mieter sind der Supermarkt Rewe, die Drogerie dm, der Burgergrill Peter Pane und der Pizza-Pasta-Produzent Vapiano. Die rund 300 Stellplätze in der Tiefgarage will die Brepark künftig dort betreiben.

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