Weiterbildung für Erwachsene

Arbeitnehmer weiten ihren Blick

Das Angebot ist bundesweit einmalig: Im Zwei-Jahres-Kurs am Zentrum für Arbeit und Politik (Zap) können sich politisch Interessierte berufsbegleitend weiterbilden und einen Hochschulzugang erwerben.
18.07.2019, 07:13
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Arbeitnehmer weiten ihren Blick
Von Anne Gerling
Arbeitnehmer weiten ihren Blick

Martin Brzostowski (v. l.) und Miho Sakai kommen beide aus Gröpelingen. Der Kurs bei Dozent Frank Meng gefällt ihnen gut.

Roland Scheitz

Gröpelingen. Sein ganzes Arbeitsleben hindurch hat sich Martin Brzostowski auch über das Berufliche hinaus stark engagiert: Als Elternsprecher in den Kitas und Schulen seiner Kinder, als Sachkundiger Bürger im Stadtteilbeirat und als Mitglied der Vereine Kultur vor Ort und Gröpelingen Marketing. Jetzt hat der 62-Jährige gelernte Kfz-Mechaniker etwas Neues für sich entdeckt: Vergangenes Jahr hat er das zweijährige weiterbildende Studium „Sozialwissenschaftliche Grundbildung für Arbeitnehmerinnen“ am Zentrum für Arbeit und Politik (Zap) aufgenommen.

Im Zap-Jargon heißt das Angebot, bei dem grundlegende sozialwissenschaftliche Kenntnisse und wissenschaftliche Arbeitstechniken vermittelt werden, schlicht Zwei-Jahres-Kurs. Das klingt trocken – aber wenn Brzostowski davon erzählt, dann gerät er sofort ins Schwärmen. Gleich der Beginn sei spannend gewesen, denn neben wissenschaftlicher Literatur aus der Zeit der Aufklärung über Karl Marx, Max Weber und Norbert Elias bis hin zu Pierre Bourdieu sei es dabei vor allem um die eigene Biografie gegangen: „Wir haben untersucht, welche Bedeutung unsere soziale Herkunft hat, wodurch wir geprägt wurden und welchen Einfluss zum Beispiel Schule, Arbeit oder auch die Zeitgeschichte auf uns hatten.“ „Gerade das erste der drei Studien-Module war sehr interessant“, findet auch Teilnehmerin Miho Sakai, die wie Brzostowski in Gröpelingen lebt. Sie hat in Japan Sozialwissenschaft studiert, später als Bäckermeisterin in Berlin gearbeitet und stieß schließlich in Bremen auf der Suche nach Weiterbildungsmöglichkeiten auf den Zwei-Jahres-Kurs.

Angebot bundesweit einmalig

Dieses berufsbegleitende Angebot – das laut Zap bundesweit einmalig ist und bei dem die Hochschulzugangsberechtigung für verschiedene sozialwissenschaftliche Studienfächer wie Politikwissenschaften, Soziologie, Soziale Arbeit, Philosophie oder Kulturwissenschaften erworben werden kann – gibt es seit mittlerweile 32 Jahren. Mehr als 1000 Absolventen – darunter zwei spätere Senatorinnen – haben es schon durchlaufen. Die Teilnehmer aus Bremen und umzu sind Dozent Frank Meng zufolge von 25 bis 65 Jahre alt, entstammen ganz unterschiedlichen Herkunftsländern und Milieus und bringen höchst verschiedene Qualifikationen und politische Positionen mit. Das macht die 400 Unterrichtsstunden abends, an etwa acht Sonnabenden im Jahr und bei drei einwöchigen Bildungsurlauben spannend, hat Meng beobachtet: „Und manchmal ist es auch eine Herausforderung, miteinander zu arbeiten. Aber wenn wir uns immer nur in unseren Kreisen bewegen, dann verlernen wir auch, unseren Standpunkt mit Argumenten zu vertreten.“

Im zweiten Modul beschließe die Studiengruppe dann selbst, womit sie sich neun Monate lang intensiv beschäftige. Das Themenspektrum sei dabei breit gefächert, erzählt Meng: „Wir hatten zum Beispiel schon Themen wie prekäre Beschäftigung, Abfall-und Kreislaufwirtschaft, Sozialisation im digitalen Alltag oder Multikulturalismus. Unabhängig vom Thema gilt: Es steht nicht einer vorne und erklärt uns die Welt, sondern die Teilnehmer erarbeiten Referate, Thesenpapiere und Vorträge oder leiten auch mal eine Diskussion.“ Im dritten Projektmodul werde schließlich ein eigenes Forschungsprojekt erarbeitet.

Der Kurs sei ideal für Leute, die zum Beispiel ihr Studium abgebrochen hätten und sich neu orientieren wollten, findet Brzostowski. Ihm habe er außerdem auch persönlich viel gebracht: „Man lernt viel – unter anderem auch, in Diskussionen die Ruhe zu bewahren und den eigenen Standpunkt zu vertreten. Und es stärkt das Selbstbewusstsein enorm.“

Weitere Informationen

Der nächste Zwei-Jahres-Kurs startet im Oktober. Mehr dazu erfahren Interessierte unter www.uni-bremen.de/zap und bei Informationsveranstaltungen am 22. August beziehungsweise 5. September jeweils von 18 bis 20 Uhr im Zentrum für Politik und Arbeit (Zap), Celsiusstraße 2, Eingang im Mitteltrakt (M), 1. Etage.

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