Beispielgebend für die ganze Stadt

Architekten erfinden Bremer Haus neu

Das Modellprojekt auf dem Ellener Hof in Osterholz, in dem Architekten das Bremer Haus neu erfinden, soll beispielgebend für die ganze Stadt sein.
07.12.2018, 05:54
Lesedauer: 3 Min
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Architekten erfinden Bremer Haus neu
Von Jürgen Hinrichs
Architekten erfinden Bremer Haus neu

Besonders schöne Beispiele für das Bremer Haus.

Frank Thomas Koch

Bremen hat so vieles und eben auch ein eigenes Haus, das Bremer Haus, die meisten sagen Altbremer Haus. Nun soll dieser Typus aus dem 19. Jahrhundert, der in einigen Wohngegenden immer noch das Stadtbild prägt, neu erfunden werden. So haben es sich der Senat und die Bremer Heimstiftung vorgenommen. Architekten aus Bremen und Niedersachsen werden in diesen Tagen zu einer Ideenwerkstatt eingeladen, um das Neue Bremer Haus zu planen. Erster Ort für den Bau ist der Ellener Hof, weitere sollen folgen, darunter das Rennbahnquartier in der Vahr, die Überseeinsel auf dem ehemaligen Kellogg's-Gelände und Flächen in Woltmershausen. Das geht aus einer Auslobung hervor, die dem WESER-KURIER vorliegt.

Entwurf für eine neue Art der Bremer Häuser.

Entwurf für eine neue Art der Bremer Häuser.

Foto: DeZwarteHond

Kompakt, gereiht, urban und so flexibel in der Aufteilung, dass die Häuser generationsübergreifend von Familien, Hausgemeinschaften und Wohngemeinschaften genutzt werden können – das sind die Charakteristika, die jetzt wieder Anwendung finden sollen. Als Breite sind 4,50 Meter bis 6,50 Meter festgelegt, als Tiefe zwölf Meter. Das Bremer Haus 2025, wie es in der Auslobung genannt wird, kann bis zu drei Geschossen plus Dachgeschoss enthalten. Ein Souterrain, wie man das vom Altbremer Haus kennt, soll es in der neuen Form nicht geben.

Qualität, aber nichts von der Stange

Als Ergebnis wünschen sich die Initiatoren der Auslobung eine Art Baukasten für den Typus des Neuen Bremer Hauses. Gleichzeitig sollen Instrumente für bauträgerfreies Bauen entwickelt werden, das in der Stadt so selten geworden ist. Während auf der einen Seite also ein gewisser Standard bei der Ausführung garantiert wird, sorgt der unmittelbare Kontrakt zwischen Architekt und Bauherrn für die Individualität. Qualität, aber nichts von der Stange, könnte man auch sagen. Die Wohnungsbaugesellschaften bleiben außen vor. Keine Gewoba, kein Gebr. Rausch, keine Brebau, kein Justus Grosse und wie sie alle heißen, die sonst in Bremen im großen Stil zum Zuge kommen.

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Der Anfang wird auf dem Ellener Hof gemacht, einem knapp zehn Hektar großen Grundstück in Osterholz zwischen Blockdiek und dem Ellener Feld. Die Heimstiftung plant dort ein Stiftungsdorf mit Wohnungen für Studenten, ältere Menschen und zahlreiche soziale Träger, die besondere Wohnbedarfe abdecken. Zusammen mit rund 150 Sozialwohnungen werden es am Ende 500 neue Einheiten sein. Platz ist auf dem Gelände nahe des Osterholzer Friedhofs auch für zwei Kindertagesstätten, eine Pflegeschule der Heimstiftung, eine Kulturaula, die bereits von einem Verein bespielt wird, und verschiedene Dienstleistungen wie zum Beispiel eine Fahrradwerkstatt.

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"Die Vielfalt ist das Gen des Ellener Hofs", sagt Alexander Künzel, der als Seniorvorstand der Heimstiftung im Herbst 2015 das Projekt angestoßen hat. Seitdem arbeitet Künzel eng mit der Bau- und der Wirtschaftsbehörde zusammen. Diese drei Parteien sind die Auslober der Ideenwerkstatt für das Neue Bremer Haus. Die Architektenkammer wirkt als Kooperationspartner mit. "Das Bremer Haus ist seit mehr als 100 Jahren ein absolutes Erfolgsmodell, das wir wiederbeleben wollen", erklärt Künzel. Es sind 23 Grundstücke, die dafür zur Verfügung stehen, weitere könnten später hinzukommen.

Erbpacht soll Spekulation verhindern

Die Art und Weise, wie der Gebäudetyp auf dem Ellener Hof errichtet wird, ist allerdings ungewöhnlich. Ein Bremer Haus aus Holz hat es noch nicht gegeben, doch das ist nun mal das Prinzip in dem Stiftungsdorf, sämtliche Neubauten entstehen in Holzbauweise. So ist es dann nicht mehr nur eine Besonderheit auf dem Ellener Hof, es sind gleich mehrere: das Neue Bremer Haus, die Bauweise, die Unabhängigkeit von Bauträgern, die sozial-ökologische Ausrichtung des Quartiers, zu der ein Mobilitätskonzept gehört, und der Grundsatz, dass die Grundstücke ausschließlich in Erbpacht vergeben werden. Das sichert der Heimstiftung den Einfluss auf das Quartier und verhindert Spekulation.

Unter den Architekten, die sich um eine Beteiligung an der Ideenwerkstatt bewerben, wird eine Fachjury sieben Büros auswählen. Im April soll es dann zum "Heiratsmarkt" kommen, wie Künzel das ausdrückt. Die Architekten treffen mit ihren Entwürfen auf Bauwillige, die sich gegenüber der Heimstiftung bereits als ernsthafte Interessenten zu erkennen gegeben haben. Letzter Schritt wird sein, dass Planerbüros und Bauherrn Verträge abschließen. Möglich, dass dabei alle sieben Vorschläge realisiert werden, sieben Varianten des Neuen Bremen Hauses. Möglich aber auch, dass sich das Interesse auf weniger Entwürfe konzentriert. Ziel ist, dass im Herbst kommenden Jahres mit dem Bau begonnen wird.

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