Sorge um die Gesundheit

Asbest nach Großbrand: Bremer Polizeigewerkschaft fordert Aufklärung

Nach dem Großbrand in Gröpelingen vergangene Woche fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft Untersuchungen auf Asbest und kritisiert, dass Beamte am Einsatzort nicht ausreichend geschützt worden seien.
08.05.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Lisa Urlbauer
Asbest nach Großbrand: Bremer Polizeigewerkschaft fordert Aufklärung

Nach dem Großbrand der Lagerhallen im Industriehafen gingen in der Umgebung Asbeststücke nieder.

Christina Kuhaupt

Neun Tage nach dem Großbrand mehrerer Lagerhallen im Industriehafen zeigt sich die Deutsche Polizeigewerkschaft in Bremen wegen der im Umkreis des Brandortes gefundenen Asbestbruchstücke besorgt. „Wo Asbest bricht, entstehen Stäube, und die werden durch die Luft getragen“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Jürn Schulze. „Viele unserer Kolleginnen und Kollegen waren am Einsatzort und um ihn herum eingesetzt, einige von ihnen über Stunden unmittelbar unterhalb der Rauchsäule – niemand kann mir erzählen, dass es ausgeschlossen ist, dass sie mit Asbeststaub kontaminiert wurden oder ihn eingeatmet haben.“

Die Gewerkschaft fordert deshalb eine Untersuchung, um eine Gesundheitsgefährdung der Beamtinnen und Beamten, die am Einsatzort waren, ausschließen oder bestätigen zu können. Schulze geht davon aus, dass sich Asbeststaub ablagere und dieser abseits versiegelter Flächen sicherlich nachweisbar sei. Daher könnten Bodenuntersuchungen seiner Meinung nach Aufschluss darüber geben, ob Asbeststaub am Einsatzort niedergegangen ist.

Lesen Sie auch

Auf diese Forderungen hat die Sprecherin der Innenbehörde, Rose Gerdts-Schiffler, mit einem Verweis darauf reagiert, dass das Umweltressort für die Bodenprüfung zuständig sei. Der Sprecher der Umweltbehörde, Jens Tittmann, wiederum sagt, die Zuständigkeit liege beim Gesundheitsressort. Dessen Sprecher Lukas Fuhrmann hat zurück an das Umweltressort verwiesen.

Darüber hinaus beklagt Schulze, dass es an Schutzausrüstung fehlt. Der Umstand, dass die brennenden Hallen mit Asbest belastet seien, war der Polizei gegen 13.30 Uhr von einem Anlieger mitgeteilt worden und wurde laut Schulze „unmittelbar mit dem Hinweis auf gegebenenfalls erforderlichen Schutz der eingesetzten Kräfte an die Einsatzleitung übermittelt.“

Lesen Sie auch

Passiert sei daraufhin jedoch nichts, so Schule. Einzelne Beamte hätten berichtet, dass man sie aufgefordert habe, zwei Mund-Nase-Masken übereinander zu tragen. Die Innenbehörde nimmt nach Angaben von Sprecherin Rose Gerdts-Schiffler den Vorwurf, dass die Einsatzkräfte vor Ort nicht ausreichend geschützt worden seien, sehr ernst. Die Äußerungen der Deutschen Polizeigewerkschaft nehme man zum Anlass, der Situation nachzugehen und sie zu bewerten.

Nach dem Brand im Industriehafen waren nach Angaben des Gesundheitsressorts im Umkreis von 200 bis 300 Metern Asbeststücke niedergegangen. Die Herstellung und Verwendung von Asbest ist in Deutschland seit 1993 verboten, es gibt jedoch keine Dekontaminations- oder Sanierungspflicht.

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+