Zweiter Herztag

Atemlos im Bremer Stadionbad

Im Bremer Stadionbad können sich Schulklassen und interessierte Besucher darüber informieren, wie sich das Herz gesund halten lässt und man mit einer richtigen Herzdruckmassage Leben retten kann.
26.06.2019, 19:19
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jakob Milzner

Abseits der Liegewiesen und Schwimmbecken liegen im Stadionbad zwei männliche Torsos auf hartem Steinboden. Tineke Wettwer von der Stiftung Bremer Herzen kniet neben einem der beiden, den Kopf über Mund und Nase gebeugt, die Augen Richtung Brustkorb gerichtet. Doch kein Atemzug geht durch den Rumpf, der unbewegt im Schatten liegt.

Die Szene ist Teil einer Aufklärungsveranstaltung über das menschliche Herz, die am Mittwoch im Stadionbad Bremen organisiert worden ist. Dafür haben sich die Bremer Bäder mit dem Reha-Zentrum Bremen und der Stiftung Bremer Herzen zusammengetan, um am zweiten Herztag über das lebenswichtige Organ zu informieren. Und so handelt es sich bei den beiden Torsos auch nur um Plastikpuppen, die der Veranschaulichung einer richtigen Herzdruckmassage dienen.

Was Wettwer vormacht, ist allerdings noch keine Herzdruckmassage, sondern eine Überprüfung der Atmungsaktivität. So sollten Laien, die erste Hilfe leisten, nicht den Puls nachfühlen, sondern lieber auf die Atmung achten. Diese könne man mit drei Sinnen überprüfen, erzählt Wettwer: Man höre die Atmung, sehe die Hebung des Brustkorbs und spüre den Atem auf der Haut. Erst, wenn eine Person nicht mehr selbst atme, solle man mit einer Herzdruckmassage beginnen – denn Atmung und Herzschlag hingen eng zusammen.

Hand auflegen, Druck ausüben

„Drücken, bis der Notarzt kommt“, sagt Merle Steckenborn, die ebenfalls für die Stiftung Bremer Herzen tätig ist, und fasst damit zusammen, wie man einer Person, die tatsächlich einen Herzinfarkt erlitten hat, vielleicht noch das Leben retten kann. An den beiden Puppen lässt sich ausprobieren, wie sich das anfühlt: wo man die Hände auflegen muss und mit welcher Kraft und welcher Geschwindigkeit man drücken muss, um die Blutzirkulation wieder in Gang zu bringen.

Denn um das Herz zu erreichen, muss der Brustkorb ganze fünf Zentimeter eingedrückt werden – dafür ist so viel Kraft vonnöten, dass viele Laien zunächst zurückschreckten, erzählt Steckenborn. Um dabei auch die richtige Geschwindigkeit zu finden, rät Wettwer, sich den Rhythmus von „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer vorzustellen. Der Song habe ungefähr 100 Schläge pro Minute: „A-tem-los...“, und mit etwas Geschick beginnt der Patient wieder zu atmen.

Lesen Sie auch

Die Übung der Herzdruckmassage ist eine von fünf Stationen, an denen Interessierte an diesem Tag nicht nur lernen, wie sie das Leben anderer retten können, sondern auch das eigene Herz durch einen gesunden Lebensstil zu stärken. So informiert Robin Neumann vom Reha-Zentrum Bremen an seiner Station darüber, welche Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit eines Infarkts erhöhen – und wie man einem solchen vorbeugen kann. „Sitzen ist das neue Rauchen“, sagt Neumann und gibt auch gleich praktische Tipps, wie man die Bewegungslosigkeit im Büro, in der Schule oder zu Hause ausgleichen kann: Schwimmen, Radfahren und Laufen, schlägt der Gesundheitsexperte als wirksame Mittel der Prävention vor.

Allerdings nicht an einem Tag wie heute. Denn es ist heiß und die Sonne scheint besonders intensiv. Bei solchen Temperaturen könne Ausdauersport den Kreislauf zu sehr belasten, warnt Neumann. Stattdessen können die Besucher an seiner Station ein orthopädisches Training zur Stärkung der Tiefenmuskulatur und der Stabilisatoren absolvieren.

Was sich in der Theorie noch eher trocken anhört, macht beim Ausprobieren viel Spaß: Mit nur einem Bein soll man sich auf eine Art halbierten Gymnastikball stellen – schon das alleine ist eine äußerst wackelige Angelegenheit. Doch dann bekommt der Besucher noch eine knapp zwei Meter lange Stange in die Hände gedrückt, in der eine rote Flüssigkeit wie in einer Wasserwaage hin- und herläuft, sodass sich der eigene Schwerpunkt ständig verlagert und das Stehen zum echten Drahtseilakt wird. „Wenn's nicht wackelt, ist es kein Training“, sagt Neumann.

Cola statt Buttermilch

An den nächsten Stationen informiert Annick Vern von der Stiftung Bremer Herzen über gesunde Ernährung. Denn übermäßig fett- und zuckerhaltiges Essen trage mit dazu bei, dass Infarktpatienten immer jünger würden, erläutert Vern. So richtet sich das Informationsangebot auch vorrangig an Kinder, für die es ein Quiz über gesunde Ernährung gibt, um die Theorie spielerischer zu gestalten. Beispielsweise sollen die Kinder aus einer Auswahl Lebensmittel dasjenige auswählen, das den höchsten Zuckeranteil hat. Und, Überraschung: Es ist nicht die Coca-Cola-Dose, in der sich immerhin zwölf Würfel Zucker befinden, sondern die Frucht-Buttermilch. Ganze 22 Zuckerwürfel befänden sich darin, sagt Vern.

Eine gute Nachricht gibt es aber auch zu verkünden: Denn nicht nur Bewegung und gesunde Ernährung verbessern die Herzgesundheit, sondern auch das Hören von Musik. Das habe eine entspannende Wirkung, erzählt Vern, und ergänzt: „Stress ist ein ganz wichtiger Faktor“ – und nehme in unserer Gesellschaft seit Jahren zu.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+