Deutschlandweiter Trend bei den Prüfungen

Auch in Bremen fallen mehr Schüler durchs Abitur

Immer mehr Schüler in Deutschland fallen durch die Abiturprüfung. Auch in Bremen hat sich die Quote leicht verschlechtert. Der Notendurchschnitt macht dagegen Hoffnung.
27.03.2019, 19:12
Lesedauer: 3 Min
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Auch in Bremen fallen mehr Schüler durchs Abitur
Von Ina Bullwinkel
Auch in Bremen fallen mehr Schüler durchs Abitur

Bundesweit fallen prozentual gesehen mehr Schüler durchs Abitur als noch vor einigen Jahren.

Julian Stratenschulte/dpa

Immer mehr Schüler in Deutschland fallen durch die Abiturprüfung. In den vergangenen neun Jahren ist die Quote der nicht bestandenen Prüfungen nahezu stetig gestiegen, wie ein Ländervergleich der Kultusministerkonferenz zeigt. Zuletzt scheiterte bundesweit etwa einer von 26 Prüflingen.

Auch in Bremen hat sich die Quote in den vergangenen Jahren verschlechtert: 2007 lag sie noch bei 2,4. In absoluten Zahlen bedeutet das, dass von 2507 abgelegten Abi-Prüfungen 60 nicht bestanden wurden. Zehn Jahre später gab es 174 Durchfaller bei insgesamt 3013 Prüfungen, was eine Quote von 5,8 ergibt.

Im Vergleich zu anderen Stadtstaaten liegt Bremen damit im Mittelfeld: In Berlin lag die Quote der nicht bestandenen Schülern bei 6,0, in Hamburg bei 5,2. Am schlechtesten schnitt Mecklenburg-Vorpommern mit einer Quote von 7,0 ab. Dass relativ viele Schüler in der Hansestadt das Abitur nicht bestehen, liegt laut Bildungsbehörde auch daran, dass in den Stadtstaaten im Vergleich zu Flächenstaaten mehr Schüler zum Abitur zugelassen würden.

Tendenz bestätigt sich

Für 2018 liegen noch nicht aus allen Bundesländern Zahlen vor, die Tendenz bestätigt sich jedoch: In vielen Ländern stieg die Durchfaller-Quote erneut. Die vorläufigen Zahlen für Bremen deuten auf eine minimale Verbesserung hin, aktuell liegt die Quote bei 5,7. Niedersachsens Schüler kamen im vergangenen Jahr auf eine Quote von 5,5 – eine Verschlechterung zu 2017, da lag der Wert noch bei 4,5. Zudem erreichte Niedersachsen im selben Jahr bundesweit den schlechtesten Notendurchschnitt mit 2,57.

Einen Grund zur Anpassung der Abiturprüfung sieht der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) nicht: „Das Abitur in Niedersachsen wird auf hohem Niveau abgenommen und von den Schülerinnen und Schülern nur mit viel Lernaufwand, Disziplin und Durchhaltevermögen erlangt.“ Im Vergleich zu 2007 habe sich der Abiturdurchschnitt zudem verbessert. „Es deutet somit nichts darauf hin, dass die Aufgaben zu leicht geworden sein könnten, noch gibt es in Niedersachsen eine Inflation guter Noten im Abitur“, sagt der Minister. Auf Bundesebene schloss Thüringen mit einem Schnitt von 2,18 am besten ab.

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In Bremen lag der Durchschnitt 2017 bei 2,47, im vergangenen Jahr war es 2,41. „Der stabile Notendurchschnitt ist eine erfreuliche Tatsache“, teilt eine Sprecherin des Bildungsressorts mit. Die Behörde begründet die konstanten Leistungen der Bremer Schüler mit der Qualität der Aufgaben und einer verbesserten Prüfungsvorbereitung. Außerdem, erklärt die Sprecherin, sorge das Zentralabitur für Kontinuität in der Oberstufe.

Während immer mehr Schüler das Abitur nicht bestehen, steigt gleichzeitig die Zahl der Einser-Zeugnisse: Fast jeder vierte Abiturient hatte 2017 eine 1 vor dem Komma. Auch in Bremen ist die Zahl der 1,0-Absolventen in den vergangenen Jahren gestiegen. Dieser Kontrast zwischen den Leistungen verdeutliche die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus der Kinder, sagt der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Bei der einen Gruppe könnten die Eltern die notwendige Förderung und Unterstützung privat organisieren, die anderen fielen „durch den Rost“. „Die Schere öffnet sich immer weiter“, sagt Beckmann.

"In Bremen ist die Regel klar"

Um diesem Trend gegenzusteuern, fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eine flexiblere Zeitstruktur. Ab Klasse 11 sollen Schüler „die Oberstufe in zwei, drei oder vier Jahren durchlaufen können“, fordert Ilka Hoffmann vom Bundesvorstand der GEW. So könnten „unterschiedliche Lerntypen berücksichtigt und insbesondere soziale Unterschiede aufgefangen werden“.

Diesen Vorschlag stützt auch der Vorstand der Bremer GEW. Die Lernvoraussetzungen sind laut Sprecher Christian Gloede in Bremen sehr verschieden: „Die Herkunft, der soziale Hintergrund und die Zahl der ausgefallenen Unterrichtsstunden in einem Schuljahr – das alles hängt vom Zufall ab.“ Er hält es deshalb für sinnvoll, eine zeitliche Streckung der Oberstufe zu ermöglichen. „Ein Zeitkorsett ergibt wenig Sinn“, sagt Gloede. An der Uni könnten Studenten ihre Prüfungen schließlich auch in das kommende Semester verschieben, das müsse ebenso an der Schule möglich sein.

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Seitens der Politik bekommt die GEW keinen Rückhalt für ihren Vorschlag. „In Bremen ist die Regel klar: Drei Jahre plus die Möglichkeit eine Extrarunde zu drehen“, sagt Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). „Meines Erachtens schließt der Konsens Debatten dieser schulstrukturellen Art aus, weil dies nicht ohne Folgen für die Sek I wäre.“ Auch Kultusminister Tonne lehnt den GEW-Vorschlag ab.

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